""

Das sollten Menschen mit Handicap wissen: Ein Computer kennt kein Mitleid, sondern nur Befehle

Wie können Menschen, die nicht lesen und schreiben können oder sehbehindert sind, Zugang zu Büchern, Emails oder Internet haben? Welche Geräte eignen sich besonders gut? Domingos de Oliveira klärt auf.

Smartphones sind besonders bedienerfreundlich

Smartphones sind besonders bedienerfreundlich

In Deutschland gibt es ungefähr 7,5 Millionen Menschen, die nur eingeschränkt lesen oder schreiben können. Nicht nur Bücher oder Zeitschriften sind für sie kaum zugänglich, auch ein Großteil des textbasierten Internets bleibt für sie verschlossen. Deshalb ist die Frage interessant, ob man das Web nutzen kann, ohne im herkömmlichen Sinn lesen und schreiben zu können.

Relativ einfache Aufgaben wie das Aufrufen und Lesen einer Webseite sind tatsächlich machbar. So erzählen viele Eltern ganz stolz von ihren kleinen Kindern, die ohne fremde Hilfe Videos auf dem iPad aufrufen können.

Smartphones und Tablet-PCs eignen sich tatsächlich gut, da sie im Grunde kleine Computer sind, deren Oberfläche auf das Wesentliche reduziert wurde. Weil Eingabegeräte wie die Maus und die Tastatur wegfallen, sind diese Geräte intuitiver zu bedienen. Die Oberfläche wird von wenigen Symbolen statt von ellenlangen Menüs geprägt. Die Symbole lassen sich teilweise sofort verstehen, oder der Nutzer lernt nach und nach, was sich hinter ihnen verbirgt.

Mit dem Computer sprechen

Programme aufzurufen ist natürlich nur der erste Schritt. Spannend wird das Ganze erst, wenn man Webseiten aufrufen, E-Mails diktieren oder im Internet suchen kann. Das wird ermöglicht durch die Spracheingabe.

Bei den meisten aktuellen Betriebssystemen lassen sich zumindest einige einfache Funktionen über die Sprache aufrufen. Daneben gibt es einige kommerzielle Programme, die vor allem als Diktierprogramme dienen, mit denen man aber ebenso teilweise den Computer steuern kann.

Diese Programme sind meistens nicht intuitiv zu bedienen. Der Anwender muss einen Befehlssatz lernen und trainieren.

Mittlerweile gibt es aber auch Spracheingaben, die intuitiv bedienbar sind. Am bekanntesten ist Apples Siri Auch für Android gibt es vergleichbare Apps wie Iris.

Mit diesen Anwendungen lassen sich bereits einfache Aufgaben erledigen. Dazu gehört die Suche im Internet, das Schreiben von Mails oder das Verwalten des Kalenders.

Wenn der Computer antwortet

So weit, so unspektakulär. Natürlich ist es nützlich, wenn man Videos aufrufen kann. Aber die wichtigsten Informationen sind zumeist als Text vorhanden.

Hier helfen die eingebauten Bedienhilfen. Apple hat zum Beispiel in allen aktuellen Geräten den Screenreader VoiceOver integriert. Das ist ein Programm, das Inhalte für Blinde in Sprache oder Blindenschrift ausgeben kann. Es kann Texte vorlesen und Bedienungselemente ansagen, so dass Blinde ihr Gerät vollständig bedienen können.

Diese Programme können auch Menschen helfen, die nicht oder nur eingeschränkt lesen können. Die Bedienelemente und ihre Funktionen werden angesagt, den Text auf den Webseiten können sie sich vorlesen lassen. Außerdem werden so auch elektronische Bücher zugänglich.

Smartphones und Tablets erleichtern wegen ihrer einfachen Oberfläche den Zugang zu Informationen im Internet. Allerdings sind sie kein vollständiger Ersatz für den Computer. Spätestens, wenn man einen Text ausdrucken möchte, gibt es Probleme.

Und ganz ohne fremde Hilfe wird man – zumindest am Anfang – nicht zurecht kommen. Wer noch nie im Internet war, kann noch nicht wissen, wo man nach Informationen sucht oder ein Mailkonto einrichtet. Auch der Screenreader erfordert ein wenig Übung. Aber die Mühe sollte sich lohnen.

Der Autor ist IT-Experte und von Geburt an blind. Er betreibt das Blog Blind-Text.


Zum Themenschwerpunkt Blinde und sehbehinderte Menschen


Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN