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Das Tabuthema: Geschlechtskrankheiten nehmen zu

Niemand mag über Chlamydien und Herpes sprechen. Deutschlands Hautarztpräsident schlägt Alarm. Von Simona Block

Wer geil, aber nicht doof und lebensmüde ist, nimmt im Zweifelsfalle das: ein Kondon (Tomizak/pixelio.de)

Wer geil, aber nicht doof und lebensmüde ist, nimmt im Zweifelsfalle das: ein Kondon (Tomizak/pixelio.de)

Prof.Stadler_MIIn Deutschland infizieren sich seit der Jahrtausendwende wieder mehr Menschen mit Geschlechtskrankheiten. Viele stecken sich auch im Urlaub an. „Bei Syphilis ist die Zahl der jährlichen Erkrankungen um 22 Prozent gestiegen“, warnt der Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), Professor Rudolf Stadler (kleines Foto).

Auch Gonorrhöe, im Volksmund Tripper genannt, Herpes simplex und Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) nehmen laut Stadler wieder zu. Diese Erkrankungen verbreiten sich dem Mediziner zufolge unter anderem auch, weil die Menschen älter werden und länger sexuell aktiv sind.

Chlamydien sind häufigste sexuelle Infektion

Das höchste Ausmaß gebe es bei Chlamydien. „Sie sind mit circa 100.000 Fällen im Jahr die häufigste sexuell übertragbare Infektion in Deutschland,“ sagt Stadler. HPV und Herpes kämen jährlich auf je 80.000 neue Fälle, Tripper liege bei 16.000, Syphilis bei 4600 und HIV bei 3000.

Chlamydien- und HPV-Infektionen werden Stadler zufolge aber noch immer unterschätzt. „Dabei spielen Chlamydien eine entscheidende Rolle für Unfruchtbarkeit oder Fruchtbarkeitsstörungen.“ HP-Viren können Genitalwarzen und Krebs auslösen. „Die Schutzimpfung gegen HPV wird aber nur von 30 Prozent der jungen Frauen in Deutschland genutzt“, kritisiert der DDG-Präsident.

In anderen Ländern Westeuropas oder den USA liege die Rate bei 70 bis 90 Prozent. Auch wenn sie seltener daran erkrankten, sollten Jungs ebenfalls geimpft werden, da die Infektion beim Petting und beim Sex übertragbar sei.

Bevölkerung nicht ausreichend aufgeklärt

Stadler sieht zudem eine Banalisierung anderer Erkrankungen. „HIV gilt nicht mehr als Todesurteil, auch dank moderner Therapien sind Sexualpraktiken auch bei Homosexuellen nicht mehr auf Sicherheit orientiert.“ Auch einige Menschen, die in Risikoregionen wie Osteuropa, der Karibik sowie Teilen Asien und Afrikas oft sehr leichtfertig seien, förderten die Entwicklung.

Dazu komme eine unzureichende Aufklärung der Bevölkerung über sexuell übertragbare Erkrankungen. „Es braucht eine kontinuierliche Informationspolitik“, fordert Stadler. Dabei tue nicht nur mehr Information in Schulen not. „Sexuelle Gesundheit muss in Arzt-Patienten-Gesprächen thematisiert werden, nicht nur bei Dermatologen, sondern auch von Gynäkologen, Urologen und Hausärzten.“

(dpa)

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