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Das Telefon spricht, das Etikett liest vor

SightCity, Europas größte Hilfsmittelmesse für Sehbehinderte und Blinde, findet vom 23. bis 25. Mai in Frankfurt statt. Von Clarice Wolter

Messebesucher von der Vogelperspektive aufgenommen

Archivfoto: SightCity (Pressefoto)

(dapd-hes) – Sprechende Waagen, elektronische Lupen und ertastbare Messbehälter: Es sind die kleinen Dinge, die Blinden und Sehbehinderten den Alltag erleichtern können. Bei der europaweit größten Hilfsmittelmesse „SightCity“ können sich Fachbesucher und Betroffene von Mittwoch bis Freitag (23. bis 25. Mai) in Frankfurt über das Angebot informieren, wie Ingrid Merkl, Leiterin des Organisationsteams, sagt. Mehr als 4.000 Gäste und gut 130 Aussteller aus Europa, Amerika und Asien werden erwartet.

In Deutschland leben den Angaben der Messe zufolge etwa 500.000 sehbehinderte und rund 150.000 blinde Menschen. „Für sie hat sich mit den Hilfsmitteln eine Marktnische entwickelt“, sagt Merkl.

Die Aussteller zeigen unter anderem Uhren, Thermometer und Telefone mit Sprachausgabe. Außerdem gibt es ein Gerät, das den Wert eines Geldscheins prüft und vorliest, wie Siegfried Höhnig vom Landeshilfsmittelzentrum Sachsen erläutert. Zudem zeige er viele Küchenhilfen wie Messbehälter, mit denen man die Menge „abfassen“ kann, und ein Backofenhandschuh, der Hitze bis zu 315 Grad standhält. „Ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel zum Ertasten ist auch dabei.“ Ein Barcodescanner ist ebenfalls im Programm, er lässt sich auf ein spezielles Handy stecken und liest im Supermarkt Informationen zu Produkt, Zutaten und Menge vor.

Schrift aus der Zeitung oder Beipackzetteln scannen

Veronika Alter von der Firma Optelec gehört auch zum Organisationsteam der Messe. Das Unternehmen aus den Niederlanden mit deutschem Sitz im mittelhessischen Schwalmstadt hat die ersten Module in der Blindenschrift Braille entwickelt. Ein solches Modul könne man sich wie eine Computertastatur vorstellen, „nur nicht mit Buchstabenknöpfen, sondern Punktschriftfeldern, aus denen dann zum Abtasten Stäbchen hochgedrückt werden“.

Auf der Messe stellt die Firma eine neue elektronische Handlupe vor, „die einzige, die anderthalb- bis 18-fach vergrößern kann“, betont Alter. Die meisten anderen elektronischen Handlupen gingen erst bei zwei- oder zweieinhalbfacher Vergrößerung los.

Dadurch sei das Gerät besonders für an Retinitis Pigmentosa erkrankte Menschen geeignet. Bei dieser Augenkrankheit bildet sich die Netzhaut zurück, sodass eine fortschreitende Sehbehinderung eintritt. Die Lupe erinnere äußerlich eher an einen Fotoapparat und vergrößere die Schrift mittels einer Kamera, erklärt Alter. „Das Display wird über das Papier geschoben und die Schrift gescannt – aus der Zeitung, Beipackzetteln oder Büchern.“ Getestet habe es auch der Geschäftsführer, der selbst blind ist.

Barrierefreie Führungen durch Frankfurt

Im Rahmen der Messe werden nicht nur Produkte präsentiert, sondern auch barrierefreie Führungen durch Frankfurt angeboten. Zudem erwartet die Besucher den Angaben zufolge ein Vortrags- und Diskussionsprogramm, Ärzte geben Rat, und Selbsthilfegruppen stellen sich vor. Neben der Beratung auf der Messe biete die „SightCity“ eine Telefon-Hotline für medizinische Fragen zu Krankheitsbildern, Forschung und Therapiemöglichkeiten, betont Merkl. Den Organisatoren gehe es auch darum, dass Sehbehinderte und Blinde mit Alltagshilfen wie Handlupen und Vorlesesoftware weiter oder wieder einer Arbeit nachgehen könnten.

Zur Orientierung in Alltag und Beruf könne auch Etikettiergerät beitragen, sagt Christopher Meier-Wittern vom Deutschen Hilfsmittelvertrieb in Hannover, der mit dem Slogan „Uns können Sie blind vertrauen“ wirbt. „Damit können Schriftstücke oder die CD-Sammlung markiert, aber auch Inhalt und Haltbarkeit einer Konservendose gekennzeichnet werden“, erläutert er. Es sei, wie auf einen Anrufbeantworter zu sprechen. Das elektronische Etikett werde mit einem Code versehen, mit dem die Sprachaufnahme wiedergegeben werden könne. „70 Stunden Text lassen sich auf das Gerät sprechen“, betont Meier-Wittern. Früher sei es zwar mithilfe der Brailleschrift auch möglich gewesen, Etiketten zu erstellen, „aber da hat natürlich nicht so viel drauf gepasst“.

Für Besucher

Veranstaltungsort ist das Sheraton-Hotel am Flughafen Frankfurt, Hugo-Eckener-Ring 15, Terminal 1, 60549 Frankfurt am Main.

Der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten der SightCity:
23. Mai 2012: 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
24. Mai 2012: 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
25. Mai 2012: 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Webseite: www.sightcity.net

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