„Das wäre mal ein Zeichen“: Russland droht Komplett-Ausschluss von Paralympics

Das berichtet die englische Zeitung „Guardian“. Eine offizielle Bestätigung des Dachverbands IPC fehlt allerdings noch.

Mit der Pille zum Start? Russische Behindertensportler werden wohl bei den Paralympics nicht teilnehmen dürfen. (Symbolfoto: Shutterstock)

Mit der Pille zum Start? Russische Behindertensportler werden wohl bei den Paralympics nicht teilnehmen dürfen. (Symbolfoto: Shutterstock)

Das IOC war noch gnädig mit Russland umgegangen, bei den Paralympics müssen die Sportler aus Putins Reich dagegen wohl zuschauen. Nach Informationen der englischen Tageszeitung „Guardian“ werden alle russischen Sportler von den Paralympics ausgeschlossen. Auf diese Entscheidung habe sich das Internationale Paralympics Komitee (IPC) vorläufig geeinigt.

Am Sonntag soll die Entscheidung in Rio de Janeiro verkündet werden. Damit würde das IPC eine andere Position einnehmen als das
Internationale Olympische Komitee, das sich gegen einen Komplett-Ausschluss Russlands ausgesprochen hatte. Das IPC wies die
Meldung als „pure Spekulation“ zurück, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Das IPC habe weitere Informationen von Richard McLaren erhalten. Der Kanadier hatte die Untersuchung der Welt-Anti-Doping-Agentur zum vermeintlichen Staatsdoping geleitet. Das IPC-Board hatte am Mittwoch in Bonn bei einer dreistündigen Sitzung die russische Seite gehört. Die Paralympics finden vom 7. bis 18. September in der brasilianischen Metropole statt.

Harte Linie angekündigt

IPC-Chef Sir Philip Craven hatte zuvor schon – zumindest verbal – keine Zweifel an einer harten Linie gelassen. Man habe sich das Verfahren über eine Suspendierung des Nationalen Paralympics Komitees Russlands (NPC Russland) nicht leicht gemacht, erklärte der Brite. Der Bericht des unabhängigen WADA-Ermittlers Richard McLaren lasse jedoch nur einen Schluss zu.

„Nach der vollständigen Bewertung des Berichts der unabhängigen Person und der zusätzlichen Informationen, die wir bekommen haben, glaubt das IPC, dass die derzeitigen Umstände im russischen Sport – die von höchster Stelle dirigiert werden – derart sind, dass das NPC Russlands nicht in der Lage scheint, die Verpflichtungen einer Mitgliedschaft im IPC vollständig zu erfüllen“, sagte Craven.

Vonseiten des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) bekommen Craven und das IPC volle Unterstützung. „Damit setzt der Paralympische Sport ein klares Zeichen und zeigt, dass im Gegensatz zum IOC die Null-Toleranz-Politik in der Dopingbekämpfung des Paralympischen Sports keine leere Worthülse ist“, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes.

Die Stellungnahme des DBS

DBS begrüßt IPC Verfahren zum Ausschluss von russischen Athleten

Der Deutsche Behindertensportverband bedauert die Entscheidung des IOC im Fall Russland und zeigt sich enttäuscht, dass das IOC der WADA-Empfehlung eines kompletten Ausschlusses russischer Athleten auf Basis der Erkenntnisse aus dem McLaren-Report nicht gefolgt ist. „Das ist ein deutlicher Rückschritt in der Dopingbekämpfung und ein trauriger Tag für den gesamten Sport. Das IOC hätte mit einer klaren Entscheidung die Chance gehabt, Fair-Play als Kerngedanken der Olympischen Spiele wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Doping ist Betrug und kann auch nicht durch einen Teilerlass behoben werden“, äußert sich DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher am Montagmorgen.
Vor diesem Hintergrund begrüßt der DBS die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) ein Suspendierungsverfahren gegen das Nationale Paralympische Komitee Russland (NPC Russia) in Gang zu setzen. Damit setzt der Paralympische Sport ein klares Zeichen und zeigt, dass im Gegensatz zum IOC die Null-Toleranz-Politik in der Dopingbekämpfung des Paralympischen Sports keine leere Worthülse ist. Das IPC hatte angekündigt bis zum 1. August den Ausschluss von NPC Russland zu prüfen. Damit wäre bis auf Weiteres eine Teilnahme der russischen Athleten an den Paralympischen Spielen in Rio ausgeschlossen sowie die Teilnahme an weiteren Internationalen Wettkämpfen überhaupt.

19 Dopingproben gefälscht?

Der McLaren-Report der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hatte zutage gefördert, dass im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi nicht nur Dopingproben von Olympia-Teilnehmern, sondern auch von Paralympics-Startern manipuliert wurden. Das IPC hatte die Namen von 35 Sportlern erhalten, die in Verbindung mit verschwundenen positiven Dopingproben aus dem Moskauer Kontrolllabor stehen sollen.

Zudem hat der Dachverband 19 Dopingproben von den Winter-Paralympics 2014 zur Nachkontrolle geschickt, die im Verdacht stehen, damals ausgetauscht worden zu sein. „Der Report hat einen unvorstellbaren Umfang an institutionellem Doping im russischen Sport aufgedeckt, das auf dem höchsten Level gesteuert wurde. McLarens Erkenntnisse sind eine ernsthafte Besorgnis für alle, die sich einem sauberen und ehrlichen Sport verpflichtet fühlen“, erklärte Craven.

Der 16-malige Paralympicssieger  Gerd Schönfelder, hier ein aktuelles Foto aus Rio, wünscht sich, dass ein Zeichen gesetzt wird, ist aber noch skeptisch. (Foto: Bernd Thissen/dpa)

Der 16-malige Paralympicssieger Gerd Schönfelder, hier ein aktuelles Foto aus Rio, wünscht sich, dass ein Zeichen gesetzt wird, ist aber noch skeptisch. (Foto: Bernd Thissen/dpa)

Der ehemalige alpine Skiläufer Gerd Schönfelder würde den Ausschluss Russlands von den Paralympics begrüßen. „Das wäre mal ein Zeichen, dass man sagt: Wir sehen das anders und wir entscheiden das anders und wir wollen im Behindertensport kein Doping“, sagte er. Allerdings zeigte sich Schönfelder gestern noch skeptisch, dass das IPC im Gegensatz zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Russland ausschließt. „Ich glaube nicht, dass da eine andere Entscheidung getroffen wird, dass das Paralympische Komitee eine andere Entscheidung fällt als das IOC“, sagte der 16-malige Paralympicssieger.

Bei den Winter-Paralympics 2014 im russischen Sotschi hatte der Gastgeber die Nationenwertung haushoch gewonnen. Mit 30 Gold, 28 Silber und 22 Bronze sowie insgesamt 80 Medaillen heimsten russische Sportler eine bei Winterspielen nie zuvor erreichte Anzahl an Podestplätzen ein. Deutschland belegte mit riesigem Abstand Platz zwei (9/5/1/15).

(dpa)

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4 Kommentare

  • Klaus-Dieter Dingel

    Dann müssen Sie die USA auch ausschließen denn die dopen am meisten.

    6. August 2016 at 19:44
  • Alphonse M Wagner

    dan darf fast keiner mehr dahin , absolut lachhaft

    6. August 2016 at 19:47
  • Hartmut Smikac

    In den Nachrichten habe ich heute früh gehört, dass Brasiien die Dopingkontrollen ihrer Sportler, wahrscheinlich sogar auf Weisung staalticher Stellen, vier Wochen vor Beginn der Olympiade eingestellt hat. – Gar mancher möchte ehrlich sein, trüg’s Gegenteil nicht viel mehr ein.

    7. August 2016 at 10:29
  • Speedster1970

    Das der IOC feige ist, Entscheidungen zu treffen und stattdessen die Verantwortung von sich wegschiebt, das hat die Öffentlichkeit feststellen können. Dass Russland aber selbst bei behinderten Sportlern nicht zurückschreckt, dass ist ein Skandal und muss bestraft werden. Ohne Wenn und Aber!

    7. August 2016 at 10:44

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