Das Wuchergeschäft des Tages: Aids-Medikament Daraprim um 5.000 Prozent teurer

Eine Dosis kostet laut Turing Pharmaceuticals in der Herstellung einen Dollar. Kritiker werden als „Idioten“ beschimpft.

Gier ist ja so cool: So präsentiert sich Martin Shkreli, CEO von Turing Pharmaceuticals, auf Facebook.

Gier ist ja so cool: So präsentiert sich Martin Shkreli, CEO von Turing Pharmaceuticals, auf Facebook.

Das Aids-Medikament Daraprim wird jetzt für 750 Dollar (rund 665 Euro) pro Dosis verkauft – und das, obwohl es in der Herstellung gerade einmal einen Dollar kostet. Martin Shkreli, der CEO von Turing Pharmaceuticals, verteidigt diese Entscheidung. Die Firma hat die Rechte an dem Medikament erst im August erworben. Laut Shkreli sollen die so erzielten Mehreinnahmen in die Forschung für neue Medikamente investiert werden.

Offener Brief an Unternehmen

Das bereits mehr als 60 Jahre alte Mittel wird zur Behandlung von Toxoplasmose eingesetzt, eine Krankheit, von der vor allem Patienten mit geschwächten Immunsystemen betroffen sind. Nach dem Erwerb durch Turing stieg der Preis von Daraprim von 13,50 Dollar auf 750 Dollar. Shkreli zufolge liegen die Herstellungskosten zwar bei einem Dollar, dabei seien aber Kosten für Marketing und Vertrieb nicht berücksichtigt.

Shkreli betont, dass die Unternehmen Profit machen müssen. „Die Unternehmen vor uns haben das Medikament fast verschenkt“, so der Manager weiter. Kritikern begegnet der Unternehmenschef auf Twitter mit wenig freundlichen Ausdrücken. Einen Reporter bezeichnete er jüngst als „Idioten“. Die Infectious Diseases Society of America, die HIV Medicine Association und andere Institutionen haben bereits einen offenen Brief an das Unternehmen gesendet, in dem sie ein Überdenken dieser Entscheidung fordern.

Kein Bedarf an Weiterentwicklung

„Diese Kosten sind für die medizinisch bedürftigen Patienten nicht zu rechtfertigen, die nicht durch das Gesundheitssystem abgesichert sind“, heißt es in dem Brief. Wendy Armstrong von der HIV Medicine Association zweifelt zusätzlich daran, dass neue Medikamente für Toxoplasmose entwickelt werden müssen. Es handle sich dabei um keine Infektion, bei der ein Bedarf an wirksameren Medikamenten bestehe.

Die Nachricht erregte sogar die Aufmerksamkeit der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. In einem Tweet bezeichnet Clinton die Preiserhöhung als empörend. Sie kündigte an, am Mittwoch einen Plan gegen Wucher im Arzneimittelsektor vorzulegen.

(RP/pte)

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