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Dauerhafte Patientenbegleiter statt Bufdis

Am Herzzentrum Brandenburg wurden Zivildienstleistende durch Festangestellte ersetzt. Und alle sind zufrieden. Von Luise Poschmann

Vor der Rettungsstelle: Die drei Patientenbegleiter Stefan Bloch, Patrick Hohmann, und Martin Kohls mit ihrer Chefin Claudia Scherf. (Foto: Immanuel Diakonie)

Auf den Fluren des Herzzentrums Brandenburg geht es stets geschäftig zu. Im Minutentakt werden die Patienten der Klinik in Bernau (Barnim) zu ihren Untersuchungen gebracht und wieder abgeholt. Mittendrin läuft Matthias Klückmann durch die Gänge. Der 36 Jahre alte Patientenbegleiter ist nach dem Wegfall des Zivildienstes fest angestellt worden. Rund ein Jahr nach der Neuerung sind sich alle in der Klinik einig: Ihn und seine drei Kollegen möchte keiner mehr missen.

Eine Umstellung auf den Bundesfreiwilligendienst (Bufdis) hatte die Klinik nur kurz in Betracht gezogen. „Wir haben vorrangig Bewerbungen von Menschen über 60 Jahren bekommen“, erzählt die Pflegedienstleiterin am Herzzentrum, Birgit Pilz. „Die wären körperlich gar nicht dazu in der Lage, den Patientenbegleitdienst zu erledigen.“ Schließlich gebe es insgesamt rund 160 Einsätze pro Tag für die Begleiter. Oft müssten Patienten in schweren Betten gefahren oder aus dem Rollstuhl gehoben werden.

Schulungen müssen nicht immer wieder von vorn beginnen

„Die Atmosphäre im Alltag hat sich unglaublich verändert“, erzählt Krankenschwester Claudia Scherf, die für die Einsatzkoordinierung der Patientenbegleiter zuständig ist. „Früher waren die Männer immer nur für einen sehr begrenzten Zeitraum bei uns“, erklärt sie. „Da musste man sich immer wieder auf neue Charaktere einlassen.“ Doch nicht nur für den Umgang mit den Kollegen sei die neu gewonnene Kontinuität von Vorteil. Besonders bei Patienten, die länger in der Klinik behandelt werden, schaffe sie ein ganz neues Vertrauensverhältnis.

„Ich bin ein Mensch, der schon öfter mal das Gespräch mit den Leuten sucht“, erzählt Klückmann, der in der Klinik nur „Matze“ genannt wird. Er ist über das Fahren eines Krankentransports zum Begleitdienst in Bernau gekommen. Davor hat er 17 Jahre lang auf dem Bau gearbeitet. „Ich steh mit beiden Beinen im Leben“, sagt Klückmann. Dies helfe ihm, einen guten Kontakt zu den meist älteren Patienten zu gewinnen. Wahrscheinlich habe er da „mehr Draht“ zu den älteren Menschen als Zivildienstleistende, meint Klückmann.

Doch nicht nur die Atmosphäre, auch die wirtschaftliche Effizienz hat sich durch die Umstellung im Klinikalltag verbessert. „Früher haben wir immer wieder von vorne angefangen, wenn wir die Leute geschult haben“, erzählt Pflegedienstleiterin Pilz. Beim Zivildienst sei die zeitliche Begrenzung schwierig gewesen. In nur neun Monaten, in denen auch Lehrgänge und Urlaubszeit anfielen, habe die Arbeit nicht mehr effektiv genug durchgeführt werden können.

Der Begleitdienst ist bei den Patienten besonders beliebt

Deshalb hat das Krankenhaus die Zivildienststellen sukzessiv in insgesamt vier feste Arbeitsplätze umgewandelt – sie sind alle von Männern besetzt. Fast jeden Tag sind sie vor Ort. „Sie identifizieren sich unglaublich mit dem Haus und mit der Tätigkeit – das spüren auch die Patienten“, sagt Pilz.

Ohnehin sind die Begleiter bei den Patienten die beliebtesten Mitarbeiter. Sie übermitteln keine schlechten Nachrichten, wecken sie nicht rüde aus dem Schlaf und piksen nicht mit Nadeln in die Haut. Ihre Unbeschwertheit wirkt sich beruhigend auf die meist älteren Menschen aus. „Wir haben jetzt ein fest eingespieltes Team“, freut sich die Krankenschwester Scherf. Die Männer würden viel Ruhe, Geduld und Verständnis für die Patienten aufbringen.

Das vermittelt auch Patrick Hohmann. Der 29-Jährige begleitet seit einem knappen Jahr die Patienten durch die langen Flure in der Klinik. „Der junge Mann fährt mich immer gut“, bestätigt ein älterer Herr im Rollstuhl, ist jedoch schnell wieder abgelenkt. „Können wir jetzt ein Eis essen?“ versucht er Hohmann zu überreden. Der bleibt geduldig, schiebt den Rollstuhl weiter und verspricht Süßigkeiten nach dem Mittagessen. Der ältere Mann klopft ihm freundschaftlich auf die Schulter, lächelt und sagt: „Ist ein prima Kerl. Wir sehen uns beim nächsten Mal!“

(dapd)

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