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Dawei Ni gewinnt Deaf-Slam-Wettbewerb „BÄÄM!“

Mit einem poetischen Rundumschlag durch die Gehörlosen-Geschichte überzeugte der 33-jährige Student aus Hamburg.

Dawei Ni (Foto: Aktion Mensch)i

Dawei Ni (Foto: Aktion Mensch/Arne Weychardt)

Dawei Ni aus Hamburg-Horn ist Gewinner von „BÄÄM! Der Deaf Slam“, Deutschlands erstem Poetry Slam-Wettbewerb für Gehörlose und Hörende (veranstaltet von der Aktion Mensch).

Mit seiner Performance – einem poetischen Rundumschlag durch die Gehörlosen-Geschichte von Aristoleles bis heute –, die zugleich Plädoyer für die Gebärdensprachkultur ist, setzte sich der 33-Jährige am Samstagabend beim Finale in Hamburg durch. Im „Festplatz Nord“ begeisterte der gehörlose Nachwuchspoet die Publikumsjury, rund 350 Zuschauer waren gekommen.

An den regionalen Qualifikationsrunden und Workshops (geleitet von dem bekannten Poetry Slammer Wolf Hogekamp und weiteren gehörlosen Poeten) in Heidelberg, Berlin, Dortmund, München und Hamburg hatten insgesamt 80 Kandidaten teilgenommen, von denen 13 – davon sieben aus München – sich für das Finale qualifizierten:

Berlin: Ace Mahbaz, Okan Seese
Darmstadt: Anna-Maria Wall
Dortmund: Pia Katharina Jendreizik
Hamburg: Dawei Ni, David Demke
München: Nur Beysun, Hans Busch, Margarita Fagafurova, Julia Hroch, Rupert Schmidlechner, Hristo Trajkovski, Kassandra Wedel

Die Finalisten hatten fünf Minuten Zeit, in Gebärdensprache oder mit pantomimischen Elementen der Poesie Ausdruck zu verleihen. Als Gewinner darf Dawei Ni nun bei einem bekannten US-Poetry Slam in New York antreten.

Die Finalisten von "BÄÄM! Der Deaf Slam" 2013 mit den Workshopleitern Andreas Costrau und Wolf Hogekamp (Foto: Aktion Mensch)

Die Finalisten von „BÄÄM! Der Deaf Slam“ 2013 mit den Workshopleitern Andreas Costrau und Wolf Hogekamp (Foto: Aktion Mensch)

Das ist Dawei Ni, das ist die Botschaft

Dawei Ni ist ein Weltenbummler: Er wurde in China geboren, wuchs dort und in Österreich auf und lebt erst seit einem Jahr in Deutschland, um in Hamburg Gebärdensprache auf Master zu studieren. Mit sechs Jahren ertaubte er. Relativ spät, mit zwölf Jahren, entdeckte er für sich die Gebärdensprachkultur und -gemeinde: „Ich bin eigentlich oral aufgewachsen, habe wirklich sehr viele Unterdrückungserfahrungen gehabt“.

In einem Interview mit Aktion Mensch/Anina Valle Thiele erklärt Dawei Ni die politische Aussage seines Slangs: „Jahrhunderte lang ist die Gebärdensprache wirklich an den Rand gedrängt und unterdrückt worden. Schon Aristoleles hat gesagt: ,Wer nicht hören kann, bleibt dumm!‘ Der wird auch niemals eine Sprache erlernen und der wird sich auch niemals intelligent äußern können. Das war schon 350 Jahre vor Christus.

Und dann gab es eben [Charles-Michel] de l’Epée in Paris, der im 18. Jahrhundert dort die Gehörlosenschulen gegründet hat und der der Gemeinschaft damit ein großes Geschenk gemacht hat, indem er sie zusammengebracht hat. Da ist man in Europa wirklich aufgewacht, die Bildung blühte. Tausende von Jahren vorher war es wirklich fast unmöglich, dass taube Menschen zu Bildung kamen. Sie blühte auf – nachdem de l‘Epée da war. Und die Theorie von Aristoteles war auf dem Prüfstand, so dass man eben nicht mehr gesagt hat, dass Gebärdensprache Affensprache ist.“

Dawei Ni weiter: „Und dann kam 1880 der Mailänder Kongress und der hat alles kaputt gemacht. Eine unglaubliche Leidenszeit! Das war 1880 und da wurde gesagt, dass taube Menschen eigentlich taubstumm sind. Zeichensprache wurde verordnet. Heute muss man zeigen, dass Gebärdensprache blüht, dass sie da ist. Muss sie in die Öffentlichkeit tragen, um eben genau das wieder rückgängig zu machen.“

(RP)

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