Debakel für Superstar Pistorius in Eugene

Der olympische Traum des Prothesenläufers droht zu platzen: „Frustrierend, aber ich weiß, dass ich die Form habe, um es zu schaffen.“ Von Peter Stracke

Oscar Pistorius (Foto: privat/Facebook)

Letzter mit zwei Sekunden Rückstand zum Sieger, und die Olympianorm in weiter Ferne: Nach dem persönlichen Debakel in der Diamond League in Eugene (Oregon/USA) droht der Olympische Traum von Prothesenläufer Oscar Pistorius erneut zu platzen. Dem gerne als „fastest man on no legs“ (schnellster Mann ohne Beine) titulierten doppelt beinamputierten 400-Meter-Läufer gehen langsam die Chancen aus, sich für Südafrikas starke Olympiamannschaft zu qualifizieren.

„Es ist frustrierend, aber ich weiß, das ich die Form habe, es zu schaffen“, sagte Oscar Pistorius, nachdem er in Eugene in 46,86 Sekunden den vom Weltverband IAAF für einen Olympiastart festgelegten sogenannten A-Standard von 45,30 Sekunden einmal mehr deutlich verfehlt hatte. Pistorius meldete kurzfristig für das nächste US-Meeting am kommenden Wochenende in New York nach und will dort einen neuen Anlauf starten.

Noch kein Platz in Südafrikas Staffel

„Ich muss meinen Kopf freibekommen und mich nur auf die nächsten Rennen fokussieren“, sagte Oscar Pistorius. „Natürlich bin ich im Moment enttäuscht von mir, ich würde gerne schneller rennen.“ Das muss der 25-Jährige auch dringend tun, denn gleich fünf seiner südafrikanischen Landsleute werden in der aktuellen Weltrangliste mit Zeiten unter oder knapp über 46 Sekunden weit vor Pistorius geführt. Die Chancen, zumindest einen Platz in Südafrikas Olympiastaffel zu ergattern, stehen für den „Blade Runner“ im Moment schlecht.

Schon 2008 nach seinem spektakulären juristischen Sieg vor dem Internationalen Sportgerichtshof (der Sportgerichtshof CAS hob das vom Leichtathletikweltverband IAAF wegen angeblicher Vorteile durch die Karbonstelzen verhängte Olympia-Startverbot auf) schaffte es Pistorius sportlich nicht in Südafrikas Peking-Mannschaft, wurde aber später dreifacher Goldmedaillen-Gewinner bei den Paralympics.

WM-Silber in Daegu bisher Höhepunkt

„Ich laufe unter dem gleichen Druck wie in den Jahren zuvor. Normalerweise bin ich ein Athlet, der besser wird, wenn er unter Druck ist“, sagte Pistorius. Im Vorjahr kam er damit exzellent klar, erzielte beim Meeting in Rieti im Juli mit 45,07 Sekunden seine persönliche Bestzeit und qualifizierte sich damit als erster behinderter Sportler für eine Leichtathletik-WM der Nichtbehinderten.

In Daegu (Südkorea) schlug sich der Mann, bei dem Karbon-Prothesen die unterhalb der Knie amputierten Beine ersetzen, ebenfalls glänzend, zog mit der Vorlaufzeit von 45,39 Sekunden in das WM-Halbfinale ein. Zudem wurde er im Vorlauf auch in jener südafrikanischen Staffel eingesetzt, die schließlich Vizeweltmeister wurde, was auch Pistorius eine Silbermedaille bescherte.

Geht es am Samstag im altehrwürdigen New Yorker Stadion Randall’s Island im Schatten von Manhattans Triborough Bridge für Oscar Pistorius wieder schief, dann bleibt noch die Afrika-Meisterschaft, die zeitgleich mit der EM Ende Juni in Porto Novo/Benin ausgetragen wird. Zur Not könnte auch die Erfüllung des IAAF-B-Standards (45,70 Sekunden) reichen. Falls nicht zu viele andere Südafrikaner schneller sind. Im April bei den nationalen Titelkämpfen allerdings waren gleich sechs Kontrahenten vor ihm.

(dapd)


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