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Demenzkranke leiden oft unbemerkt und werden mit Psychopharmaka ruhig gestellt

Ein stilles Drama: „Viele ihrer Bedürfnisse und Probleme bleiben zu oft unentdeckt. Bestimmte Aspekte wie Schmerz bedürfen bei dieser Gruppe einer besonderen Aufmerksamkeit“, erklärt Peter Michell-Auli, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA).

Köln/Baierbrunn (pte/ots) – Es handelt sich jedoch um eine Forderung, der in der Praxis oft nicht nachgekommen wird, fügt KDA-Sprecherin Simone Helck hinzu.

Zur schwierigen Situation in den Kliniken kommt für die Fachleute noch erschwerend hinzu, dass sich Demenzkranke nicht mehr verbal artikulieren können. So ist es ihnen auch nicht möglich, auf ihre Schmerzen hinzuweisen. Vor diesem Hintergrund beschreibt das KDA in der neuen Ausgabe seines Fachmagazins „ProAlter“ daher, wie man sterbende Menschen mit Demenz an ihrem Lebensende professionell begleitet. Auch Angehörigen können diese Informationen helfen.

Es kommt auf die richtige Kommunikation an

Ein besonders wichtiges Thema bei der Begleitung Demenzkranker ist Kommunikation: „Menschen mit Demenz können ihre Wünsche und Bedürfnisse nur schwer mitteilen. Trotzdem ist es wichtig, dass wir als Begleitende und Pflegende erfassen, was sie brauchen und wünschen“, sagt Gerlinde Strunk-Richter, Leiterin des Bereichs Demenz im KDA. „Das können schmerzlindernde Maßnahmen sein, aber auch andere körperliche Grundbedürfnisse wie Wärme oder der Wunsch nach Vertrautem und menschlicher Zuwendung.“

Weil demente Menschen Schmerzen nicht äußern können, werden sie oft falsch behandelt

Wenn Demenzkranke plötzlich unruhig werden, Wutanfälle bekommen oder Zuwendung ablehnen, denken Betreuer zu selten daran, dass Schmerzen die Ursache sein können. „Solche Verhaltensauffälligkeiten werden in vielen Fällen falsch gedeutet und dann falsch behandelt“, mahnt Privatdozent Dr. Matthias Schuler, Geriater am Diakoniekrankenhaus in Mannheim, im Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“.

Häufig würden Psychopharmaka verordnet. Dabei wäre diesen Patienten mit einem geeigneten Schmerzmittel weitaus besser geholfen. Da sie selbst ihre Schmerzen nicht benennen können, müssen Ärzte und Pflegkräfte die Schmerzsignale objektivieren. Marco Hufnagel vom „Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster“ rät, die Liste zur „Beurteilung von Schmerzen bei Demenz“ einzusetzen. Mit ihrer Hilfe werden Mimik, Körperhaltung, Atmung und Verhalten des Kranken bewertet. Bei mehr als vier bis sechs von maximal zehn Punkten ist ein Schmerzproblem sehr wahrscheinlich.

Foto: pixelio.de, Altmann

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