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Demnächst auf RTL: Die hoffentlich wunderbare Heilung des Dennis Zittlau

Am Montag wird der Rollstuhlfahrer, bekannt als Rapper „Sittin’ Bull“, operiert – und hofft, anschließend wieder laufen zu können.

Vermarktet sich und seinen Traum perfekt: Dennis Zittlau

Vermarktet sich und seinen Traum perfekt: Dennis Zittlau (Foto: Westfälische Nachrichten)

Wer selbst nach neun Jahren im Rollstuhl noch laufen will, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen, dachten wir immer. Offensichtlich haben wir uns da getäuscht und wollten zu diesem Thema Dennis Zittlau, der hobbymäßig unter dem Künstlernamen „Sittin’ Bull“ rappt (ROLLINGPLANET berichtete: siehe Links ganz unten), befragen.

Vor wenigen Monaten mochte Dennis Zittlau, obwohl er als Musiker ein große Nummer werden will, von den Suchmaschinen nicht gefunden werden und verschickte seine Rundmails als Franz Müller: „Ich wollte nicht, dass Google meinen richtigen Namen hat… ziemlich sinnfrei, wenn man drüber nachdenkt!“ erklärte er ROLLINGPLANET.

„An den Rollstuhl gefesselt“

Der Dortmunder Fußball-Star Felipe Santana (m.) ruft zu Spenden für Dennis Zittlau (l.) auf (Foto: Zittlau)

Prominente Unterstützung: Der Dortmunder Fußball-Star Felipe Santana (m.) rief zu Spenden für Dennis Zittlau (l.) auf (Foto: Zittlau)

Da hat er wohl recht. Aber der Finanzbeamte beim Finanzamt in Lüdinghausen (Nordrhein-Westfalen) hat schnell gelernt: Keine Karriere ohne Marketing – und als Allerwelts-Müller kommt man da nicht weit. Besser geht es auf diese Weise:

„Mein Name ist Dennis Zittlau, ich bin 29 Jahre jung, und lebe in Lüdinghausen. Das Schicksal war leider nicht ganz rücksichtsvoll mit mir, und somit bin ich nach einem schweren Unfall seit 9 Jahren an einen Rollstuhl gefesselt. Jedoch gebe ich die Hoffnung nicht auf, mein Ziel zu erreichen, eines Tages wieder laufen zu können,“ schrieb Zittlau diverse Medien an.

Bei einem Sturz nach einer Party hatte sich Zittlau mehrfach die Wirbelsäule gebrochen. Nun hofft er auf ein spektakuläres Operationsverfahren aus der Schweiz: Ärzte setzen querschnittsgelähmten Patienten Schrittmacher in die Leiste ein, die elektrische Impulse an die verletzten Nerven senden. Im Fachjargon: „Laparoskopische Implantation von Neuroprothesen an den pelvinen Nerven zur Wiederherstellung der Blasen-/Darmfunktion sowie der Bewegung bei querschnittgelähmten Patienten.“

Bekannt geworden ist die Therapie durch Markus Holubek, der in unserer Szene recht bekannt geworden ist, weil er die gewagte These aufgestellt hat, dass im Grunde jeder Querschnittgelähmte wieder laufen kann, wenn sein Geist nur stark genug ist: „Du musst es selber tun!“

Am Montag entscheidet es sich

„Wenn das funktioniert, kann ich endlich wieder aufstehen“, so Zittlau – und trommelte seit Wochen für Spenden, veranstaltete Konzerte und eine Tombola, um die 60.000 Euro teure OP finanzieren zu können. Selbst die Marketinggesellschaft der Stadt Lüdinghausen und der Dortmunder Fußball-Star Felipe Santan engagierten sich.

Zittlau war begeistert: „Alle helfen mit – meine Familie, Arbeitskollegen und Freunde. Ich bin echt stolz und will zeigen, dass man seine Träume wirklich leben kann…“ Insgesamt 76.156,58 Euro hat Zittlau eingesammelt, davon 30.000 Euro von der Beihilfekasse für Beamte.

PossoverAm Montag, 6 Uhr, ist es soweit. Dann ist die OP in Zürich bei Professor Dr. med. Marc Possover (kleines Foto), der eigentlich Gynäkologe ist.

Wie sich die letzten Stunden vor dem großen Ereignis anfühlen, wollte Zittlau ROLLINGPLANET nicht verraten. Aus dem einst so redseligen Müller ist ein Medienprofi geworden: „Ich sage nichts, ich habe die Geschichte an RTL verkauft.“

ROLLINGPLANET findet das legitim. Wir drücken den Daumen.

(RP)

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2 Kommentare

  • fabian

    tja liebe Rolling Planet Leute… Dennis hat es geschafft und kommt seinen Ziel trotz den vielen Zweiflern immer näher. Ich beobachte ihn seit der OP und er macht immer weiter. Er läuft jetzt sogar bei einem Marathon mit und heiratet „im Stehen“ 🙂 ich freue mich für ihn und lache mit ihm über alle die an ihn zweifelten!

    29. März 2017 at 11:44
    • Dani

      Ich lache bestimmt nicht über ihn. Aber: Er läuft bei einem Marathon mit? Wo hast du das denn her…?
      So, wie ich das sehe, sind momentan maximal einige wenige Schritte mit Rollator u. Therapeut möglich. Schön für ihn, aber weit entfernt vom „laufen“.
      Aber klar, freue mich für ihn u. wünsche ihm alles Gute.
      😉

      29. März 2017 at 22:41

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