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Demnächst spricht das Zugfenster zu Ihnen (falls die Bahn Sie überhaupt mitgenommen hat)

Nirgendwo sicher vor Werbung: Vibrationen erzeugen dank „Bone Conduction“-Technologie Stimmen in den Köpfen der Fahrgäste.

Einschlafen gilt nicht mehr (Foto: Kinofilm "Drei Affen"/arsenal)

Einschlafen gilt nicht mehr (Foto: Kinofilm „Drei Affen“/arsenal)

Falls Sie Rollstuhlfahrer sind und trotzdem von der Deutschen Bahn mitgenommen worden sind, könnte Sie das interessieren: Zugfenster sollen künftig dazu genutzt werden, um ermüdeten Passagieren Werbebotschaften zu vermitteln. Das könnte ja durchaus der Fall sein, wenn Sie aufgrund Ihrer Reiseplanung mithilfe des Mobilitäts(verhinderungs)services der Deutschen Bahn völlig erschöpft sind.

Mithilfe eines kleinen Senders werden Vibrationen des Fensters erzeugt. Lehnt sich ein Zuginsasse an, entsteht durch die sogenannte „Bone Conduction“-Technologie eine Stimme in seinem Kopf, die für andere Personen nicht hörbar ist. Das haben zwar einige unserer Leser jetzt schon, doch in diesem Fall handelt es sich um eine neue Form der Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Eine Botschaft könnte ja lauten: „Wehe, Du willst nochmal mit der Deutschen Bahn fahren, dann soll Dich der Teufel holen!“

Zielgruppe: Ermüdete Zugpassagiere

Die Werber machen sich dabei das Phänomen zunutze, dass Passagiere häufig ihren Kopf gegen das Fenster lehnen, um sich auszuruhen oder um zu schlafen. Der Vorschlag stammt von der deutschen Werbeagentur BBDO Germany, die unter anderem auch die umstrittene Postbank/Aktion-Mensch-Kampagne realisiert hat. Das aktuelle Konzept entwickelte BBDO für Sky Deutschland.

Das zugrundeliegende Prinzip nennt sich „Bone Conduction“-Technologie. Unter Umgehung des Ohres werden die Schallwellen über den Schädelknochen direkt an das Innenohr geleitet. Die Technologie war bislang vor allem für Hörgeräte, Kopfhörer und spezialisierte Kommunikationsgeräte wie Unterwasserkopfhörer in Verwendung. Auch Google plant, diese Technologie für die „Google Glass“-Headsets zu nutzen.

Innovative Werbung oder Belästigung?

Für die Übermittlung der Vibrationen an das Fenster ist zudem nur ein sehr kleines und leicht anzubringendes Gerät notwendig. Getestet wurde die Technologie laut BBDO in öffentlichen Verkehrmitteln in München und Aachen. Die Rückmeldungen der Passagiere seien durchaus positiv gewesen. Kommentare auf das Youtube-Video hingegen zeigen Skepsis und beschweren sich vor allem über einen Eingriff in die Privatsphäre.

(RP/pte)

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