""

Den B(lindenfußb)all flach halten

Kommentar des Lichtblicke-Vorsitzenden Bert Bohla zur taz-Satire über den Nationalspieler Robert Warzecha.

Der Autor ist blind und bezeichnet sich selbst oft als Maulwurf

Der Autor ist blind und bezeichnet sich selbst oft als Maulwurf

Das taz-Stück fand ich nicht ganz so dolle – aber nicht, weil’s diskriminierend oder verhöhnend, sondern einfach nur, weil es nicht wirklich gut war. Aber: Die moralisch entrüsteten Schreihälse, die eine offizielle Entschuldigung von der taz fordern, sollten einfach mal ein paar Lockerungsübungen machen und den B(lindenfußb)all deutlich flacher halten. Mir fallen dazu spontan zwei Weisheiten ein: „Moralisten sind Leute, die sich dort kratzen, wo es andere juckt“ und „Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.“

Denn auch im Falle der wenig gelungenen taz-Satire gilt: Man sollte keine Minderheit so diskriminieren, dass man keine Witze mehr über sie reißt. Inklusion bedeutet selbstverständlich auch, dass man als Mensch mit Behinderung ebenfalls das Recht hat, ab und zu mal durch den Kakao gezogen zu werden.

Immerhin reden wir von uns selbst auch schon mal als „Blindschleiche“, „Blindfisch“ oder „Maulwurf“ und bezeichnen normal Sehende gelegentlich als „Sehling“ oder „Glotzling“… Political correctness um jeden Preis ist höchst destruktiv. Sie hilft niemandem. Man sollte sich auch ab und zu mal über sich selbst amüsieren können.

Viel schlimmer ist demgegenüber zum Beispiel die fortgesetzte Diskriminierung der Führhundhalter durch die verschiedenen Landesverbände des DBSV. Die verbandeigenen Pensionen, Hotels und Tagungshäuser bitten für das notwendige Hilfsmittel Assistenzhund zusätzlich zur Kasse und kommunizieren das auch noch öffentlich auf den eigenen Webseiten. Wo bleibt da der Aufschrei?

Das wäre doch einmal ein Thema für die taz:

http://rollingplanet.net/2013/08/01/diskriminiert-ausgerechnet-der-deutsche-blinden-und-sehbehindertenverband-blinde-menschen/

http://rollingplanet.net/2012/08/29/behindertenwitz-des-tages-mit-cola/

Diesen Artikel teilen:
avatar

Lichtblicke e.V.

Dieser Beitrag erscheint als unabhängiges Blog auf ROLLINGPLANET. Er wurde von der Redaktion weder geprüft noch muss er unsere Meinung wiedergeben. Auf ROLLINGPLANET können alle User – die etwas zu sagen haben – ihr eigenes Blog veröffentlichen. Lichtblicke e.V. ist ein Verein zur Förderung des Blindenführhundwesens. Es gibt in ganz Deutschland etwa 3000 Führhunde und das sind nicht viele! Im alltäglichen Miteinander haben wir immer wieder mit der Aufklärung und der Richtigstellung zu tun. Das machen wir sehr gern. Die meisten Mitmenschen wissen einfach zu wenig über uns und unsere treuen Begleiter! Zum ausführlichen Profil.

2 Kommentare

  • Rosé

    Ganz richtig. Der Artikel in ddr taz könnte sogar Anlass sein, sich mit Blindenfußball zu beschäftigen, ansonsten weiß doch keiner, was das ist.

    4. Dezember 2013 at 19:52
  • Helge Blankenstein

    Lieber Bert,
    (Dieser Kommentar zielt nicht direkt auf den TAZ-Bericht ab, sondern auf die darin getroffene Aussage von Bert Bohla zum Zustand der Interessenvereine Betroffener).

    dass du das „ÜBER DEN TISCHZIEHEN“ eines Bundesverbandes für Menschen mit Behinderungen öffentlich machst war und ist zwingend notwendig. Seit Jahren laufen wir gegen die Regelung der Bundesregierung sturm, die besagt, dass ausschließlich Verbände und Vereine Betroffener als Interessenvertreter geduldet werden.
    Dass die Verbände von Wirtschaftsvertreter dabei so schnell über den Tisch gezogen werden, dass diese die Reibungshitze als Nestwärme empfinden“ (Altes Vertretersprichwort) ist leider nichts Neues.

    Das trifft nicht nur auf den DBSV zu sondern auf fast alle Vertretungsorgane.

    In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen schönen 2. Advent.

    Helge Blankenstein

    Institut Impuls

    7. Dezember 2013 at 10:27

KOMMENTAR SCHREIBEN