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Depression geheilt, Patient grunzt

Was es nicht alles gibt: Einer neuen Gemütslage-App namens „Xpression“ entgeht nichts und hält den Therapeuten auf dem Laufenden. ROLLINGPLANET hat allerdings noch einen Verbesserungsvorschlag.

Da uns die Grunzgeräusche dieses Mannes nicht vorliegen, kann ROLLINGPLANET nur Vermutungen anstellen. Wir tippen: Er ist nicht fröhlich. (Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)

Da uns die Grunzgeräusche dieses Mannes nicht vorliegen, kann ROLLINGPLANET nur Vermutungen anstellen. Wir tippen: Er ist nicht fröhlich. (Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)

„Xpression“ (auf Deutsch: Ausdruck) ist eine neue Applikation der britischen Firma EI Technologies (Webseite), die die Gefühlslage des Nutzers dokumentiert, einen täglichen Bericht darüber zusammenfasst und an den behandelnden Psychologen via E-Mail schickt. Xpression nimmt Veränderungen in der Stimme auf sowie die Zeiten, zu denen diese geschehen und unterscheidet dabei zwischen sechs Emotionen: glücklich, traurig, ruhig, wütend, besorgt und verängstigt. Zuverlässigen ROLLINGPLANET-Quellen zufolge entspringt diese Innovation nicht dem auf der Insel eigenen Humor, sondern soll eine echte Marktlücke abdecken.

Das Programm macht permanente akustische Kurzaufnahmen und misst Unterschiede in der Lautstärke, Geschwindigkeit oder Intensität. Die Daten werden anschließend an einen Server gesendet, der die jeweilige Emotion festlegt und sie wieder zurück auf das Handy schickt. Um die Privatsphäre zu schützen, haben die Entwickler Xpression so aufgebaut, dass die App Wörter nicht per se aufnimmt, sondern deren Akustik.

Darüber machen sich Therapeuten ernsthaft Gedanken

„Für Akutsituationen kann sich die App eignen. Wenn es jemandem wirklich schlecht geht, kann diese Methode für einige Tage angewandt werden. Sie muss jedoch auch stark hinterfragt und deren wissenschaftliche Seite durchleuchtet werden“, sagt die Psychotherapeutin Sabine Fischer. Bedeutend seien Fragen zu möglichen Konsequenzen. Auch müsse zwischen den unterschiedlichen Patienten differenziert werden. „Es gibt Personen, die sehr theatralisch sind“, so die Expertin.

„Die App ist grundsätzlich nicht ideal, da sie eine starke Abhängigkeit hervorruft. Das Ziel des Therapeuten ist die Hilfe zur Selbsthilfe, also dass der Patient selbstständig durch den Alltag kommt“, erläutert Fischer. Die App sei demnach vielmehr ein Rückschritt und daher kontraproduktiv. Ein seriöser Therapeut biete seinen Patienten ohnehin an, ihn zu schlechten Zeiten zu kontaktieren. Ein täglicher Bericht von all seinen Patienten sei organisatorisch schwierig und könne zu einem Verlust des Überblicks führen.

ROLLINGPLANET schlägt Cle(a)ver ins Rennen

So weit, so gut. ROLLINGPLANET hat aber noch einen Verbesserungsvorschlag. Eine Ergänzungs-Responder-App namens Cle(a)ver (Hackebeil), die die Arbeit des Therapeuten (persönliche Anwesenheit bei Depressiven bekanntlich völlig unnötig) abnimmt und automatisch, abhängig von der Gefühlslage des Patienten, eine Mail schickt. Dabei sucht die Anwendung aufgrund der eingegangenen Informationen selbständig zwischen sechs Antworten aus: 1. Alles in Ordnung, Sie Knallkopf sind ja gar nicht depressiv, 2. Schön ruhig bleiben, zu einem Amokläufer taugen Sie sowieso nicht. 3. Gucken Sie ein wenig Fernsehen, das lenkt ab, 4. Jetzt wird es ernst. Nicht den Kopf verlieren! Rufen Sie Jürgen Domian an, 5. Nehmen Sie endlich Ihre Antidepressiva. 6. Was soll’s, springen Sie doch. Die nächste Brücke finden Sie mit der GoogleMaps App.

(RP/pte)

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