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Der Barack Obama von Mauer

Der frühere Kriminalkommissar John Ehret ist Deutschlands erster schwarzer Bürgermeister. Zunächst will er sich für betreutes Wohnen für Senioren einsetzen.

John Ehret nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses

Es ist traurig, dass diese Nachricht überhaupt eine Nachricht ist. Ein Schwarzer! Bürgermeister! Sensation! Das Dorf Mauer wird deshalb wohl heute in die Schlagzeilen kommen.

Rentner in Mauer, vergesst bitte schnell, dass Ihr früher immer Negerküsse gesagt habt. Jetzt gibt es nämlich einen, der will sich um Euch kümmern, obwohl einige von Euch ihn vielleicht immer noch etwas schräg anschauen werden: John Ehret. Andererseits: Viele von Euch haben ihn offensichtlich gewählt.

Eine der ersten Amtshandlungen von Ehret: Er muss sich wehren, in eine Schublade gesteckt zu werden. Er sieht sich nicht als Vorbild für andere mit ausländischen Wurzeln. Er sei in Deutschland geboren, hier zu Schule gegangen und habe deutsche Eltern, das passe nicht zu einem Migrationshintergrund, sagte Ehret am Freitag der Nachrichtenagentur dapd. Seinen leiblichen Vater, einen US-Amerikaner, von dem er die Hautfarbe habe, habe er nie kennengelernt.

Aufgewachsen bei Pflegeeltern

Der 40-Jährige hat heute sein Amt in Mauer bei Heidelberg angetreten. Dort gibt es angeblich laut ROLLINGPLANET-Mitarbeiter Dirk Wessels, der in dieser Gegend groß geworden ist, die besten Grillhähnchen weit und breit. Aber zurück zu John Ehret. Er ist der erste schwarze Bürgermeister Baden-Württembergs, wenn nicht gar Deutschlands. In den kommenden Jahren wird er die Geschicke der 4000-Einwohner-Gemeinde leiten, in der er bei Pflegeeltern aufwuchs. Als eine seiner ersten Amtshandlungen wollte er am Freitag einem 86-jährigen Gemeindemitglied ein Präsent zum Geburtstag überreichen.

Er habe sich schon immer mit dem Gedanken getragen, in der Kommunalpolitik etwas bewirken zu wollen, ob als Bürgermeister oder Gemeinderat, sagte Ehret. Über den Rummel wegen seiner Hautfarbe habe er sich „etwas gewundert“. Es habe ihm auch „nicht so gefallen“, nur darauf reduziert zu werden. Sein Erfolg bei der Bürgermeisterwahl sei auf viele Faktoren zurückzuführen.

Idee zur Kandidatur kam beim Frühstück

Der parteilose Kandidat hatte sich in der Stichwahl am 6. Mai mit 58,1 Prozent überraschend deutlich gegen den Bewerber von der CDU durchgesetzt. Vor seinem Amtsantritt in Mauer war Ehret Kriminaloberkommissar beim Bundeskriminalamt in Meckenheim bei Bonn. Er ging mehrfach auf Auslandsmission und wurde dafür ausgezeichnet.

Die Idee zur Kandidatur in Mauer kam ihm nach eigenen Worten, als er während eines Besuchs bei seiner Mutter am Morgen das örtliche Amtsblatt las. Darin habe er die „nüchterne Anzeige“ gesehen, dass ein neuer Bürgermeister für Mauer gesucht wird. Daneben habe ein Artikel über den überraschenden Sieg von Jörg Albrecht bei der Oberbürgermeisterwahl in Sinsheim gestanden. „Das hat mich inspiriert.“ Albrecht ist Ehrets Amtsvorgänger.

Für seinen neuen Posten will Ehret nun aus dem Rheinland wieder nach Mauer ziehen. Ein neues Domizil hat er noch nicht gefunden. Als Bürgermeister will er sich für mehr Angebote für Jugendliche sowie für betreutes Wohnen für Senioren einsetzen. Schon ganz Kommunalpolitiker kündigt er auch an, sich um Erhalt und Ausbau des Gewerbes zu kümmern. „Das bringt uns Geld in die Gemeindekasse.“

(Mirko Hertrich/dapd-bwb/RP)

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2 Kommentare

  • Ulani

    Schön, dass es Mauer nun auch auf Rollingplanet geschafft hat :-). Ihr Bild zeigt Herrn Ehret allerdings nicht während des Wahlkampfs, sondern nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses.

    1. Juni 2012 at 17:13
    • Rollingplanet

      Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben die Bildunterschrift korrigiert.

      1. Juni 2012 at 17:48

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