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Der Betrug mit „bio“: Wie Kosmetikfirmen Greenwashing betreiben

Naturkosmetik wird immer gefragter. Doch gleichzeitig wächst der Etikettenschwindel. Auf welches Siegel können sich Verbraucher verlassen? Von Maria Fiedler

Greenwashing der Hersteller führt Verbraucher in die Irre (Foto: Petra Bork/pixelio.de)

Greenwashing der Hersteller führt Verbraucher in die Irre (Foto: Petra Bork/pixelio.de)

Natur ist in: In den Drogerien und Parfümerien wimmelt es vor Produkten, die angeblich „bio“, „organisch“ oder „natürlich“ sind. Viele Hersteller wollen ihren Kosmetikartikeln so einen grünen Anstrich verleihen. Doch nicht überall, wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin. „Viele Kosmetikmarken versuchen ihre Produkte grüner zu trimmen und damit auf den Zug aufzuspringen“, erläutert Elfriede Dambacher, die einen Branchenreport für Naturkosmetik herausgebracht hat.

„Naturkosmetik ist ein langanhaltender Trend und seit Jahren das verlässliche Wachstumssegment innerhalb des Kosmetikmarktes“, erklärt Dambacher. Insgesamt 860 Millionen Euro Umsatz sei mit den grünen Produkten 2012 erzielt worden – das entspreche einem Wachstum von 5,5 Prozent.

Greenwashing im großen Stil

Dieses Greenwashing der Hersteller führt Verbraucher in die Irre. Das Magazin „Ökotest“ (Spezialausgabe Juni 2013) hat Produkte ohne anerkannte Naturkosmetik-Siegel unter die Lupe genommen – mit dem Ergebnis: Der Etikettenschwindel sei gewaltig.

Betroffen seien sowohl klassisch-konventionelle Hersteller als auch solche, die sich ganz eindeutig grün darstellten. Die Produkte suggerierten mit ihrer Verpackung Natürlichkeit oder täuschten mit „Bio“ oder „Natur“ im Namen.

Oft stecke nämlich nur eine Minidosis Naturstoffe in den Produkten – der Rest seien chemische Substanzen wie künstliche Farb- und Konservierungsstoffe sowie Fette auf Erdölbasis.

Kein Gesetz gegen Bio-Betrug

Verboten ist dieser Etikettenschwindel allerdings nicht, denn was als natürlich gilt, ist hierzulande nicht per Gesetz definiert. „Wenn ein Produkt kein Naturkosmetik-Siegel trägt, ist es ratsam, sich die Liste der Inhaltsstoffe anzusehen“, sagt Jenny Pohl, Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel (BDIH) in Mannheim.

In der Liste seien die Substanzen nach ihrer Menge geordnet absteigend aufgeführt – was am meisten enthalten ist, steht also vorne.

Was ist echte Naturkosmetik?

Mit Smartphone-Apps wie Codecheck.info lässt sich zudem der Barcode eines Produktes scannen und eine Auswertung der Inhaltsstoffe einsehen. Pohl rät, die Finger von Kosmetika zu lassen, die beispielsweise Silikone oder Paraffine enthalten. Auch sogenannte Polyethylenglykole (PEGs) seien schädlich, da sie die Haut sehr durchlässig machten.

„Echte Naturkosmetik zeichnet sich dadurch aus, dass sämtliche Inhaltsstoffe auf pflanzlicher Basis hergestellt sind“, sagt Joachim Banzhaf, Leiter der Zertifizierungsstelle EcoControl, die einige Natursiegel wie Demeter oder den NCS vergibt. Konventionelle Kosmetik werde dagegen auf Mineralöl-Basis hergestellt.

Ganz ohne chemische Prozesse komme jedoch auch Naturkosmetik nicht aus: „Um Wasser, Öl und Fette in der Kosmetik zusammenzubringen, braucht es Emulgatoren“, erklärt Banzhaf. „Sonst könnte man gar keine Creme produzieren.“

Ohne Chemie geht es auch bei Naturprodukten nicht

Doch diese Emulgatoren dürften ausschließlich aus Pflanzenrohstoffen gewonnen werden. Zur Herstellung seien nur ausgewählte chemische Prozesse erlaubt, die sich so ebenfalls in der Natur abspielen. Somit seien diese Emulgatoren immer noch naturnahe Stoffe.

Konservierungsstoffe machen die Kosmetik haltbar. „Auch diese sind in der Natur zu finden – teilweise allerdings nur in sehr kleinen Mengen wie die Ameisensäure“, erklärt Pohl. Da es technisch nicht machbar wäre, diese Substanzen in größerer Menge aus der Natur zu gewinnen, werden sie chemisch nachempfunden.

Naturidentische Stoffe heißen diese im Fachjargon. Allerdings sind laut Banzhaf nur eine Handvoll naturidentischer Konservierungsstoffe zugelassen.

Welchen Siegeln können Verbraucher vertrauen?

Wem das alles zu kompliziert ist, der kann auf Siegel für Naturkosmetik vertrauen – wie das BDIH-Prüfzeichen für kontrollierte Naturkosmetik und NaTrue. Diese Label bescheinigen dem Verbraucher, dass der jeweilige Standard für Naturkosmetika eingehalten wird.

BDIHDas BDIH-Label beispielsweise gibt eine lange Liste von häufig verwendeten Stoffen vor, die in Bio-Qualität enthalten sein dürfen. Trägt das Produkt das Wort „Bio“ im Namen, sollten sogar 95 Prozent der Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischen Anbau stammen.

natrueBeim NaTrue-Label gibt es ebenfalls Vorgaben für die verwendeten Naturstoffe. Wenn ein Hersteller ein Produkt nicht nur als „Naturkosmetik“ zertifizieren lassen will, sondern als „Naturkosmetik mit Bio-Anteil“, müssen mindestens 70 Prozent der Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Für die Bezeichnung „Biokosmetik“ sind es 95 Prozent.

Da es aber neben dem NaTrue- und dem BDIH-Siegel auch noch Siegel von Demeter, Ecocert und vielen weiteren gibt, ist die Orientierung gar nicht so einfach. Hilfe kann hier etwa die Broschüre „Raus aus dem Label-Dschungel“ der Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsethik (GfaW) bieten, die es auf der Webseite Naturkosmetik zertifizieren gibt.

(dpa)

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