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Der Bürstenfabrikant, der blinde und gehörlose Juden zu retten versuchte

Vor 75 Jahren war die antisemitische Pogromnacht – Bundespräsident besucht Museum „Blindenwerkstatt Otto Weidt“ in Berlin.

Otto Weidt (l.) in seinem Büro in der Blindenwerkstatt Berlin, mit Alice Licht und Gustav Kremmert, um 1941 (Foto: Museum Blindenwerkstatt)

Otto Weidt (l.) in seinem Büro in der Blindenwerkstatt Berlin, mit Alice Licht und Gustav Kremmert, um 1941 (Foto: Museum Blindenwerkstatt)

Arbeiterinnen und Arbeiter der Blindenwerkstatt (Foto: (Foto: MBOW/Museum Blindenwerkstatt)

Arbeiterinnen und Arbeiter der Blindenwerkstatt (Foto: (Foto: MBOW/Museum Blindenwerkstatt)

Bundespräsident Joachim Gauck besucht an diesem Freitagnachmittag in Berlin das Museum „Blindenwerkstatt Otto Weidt“. Anlass ist der 75. Jahrestag der antisemitischen Pogromnacht vom 9. November 1938.

Damals hatten Nationalsozialisten einen Großteil der mehr als 1200 Synagogen und jüdischen Gebetshäuser in Deutschland zerstört und Tausende andere jüdische Einrichtungen und Geschäfte verwüstet und teilweise geplündert. Bei der Terrorwelle wurden nach Einschätzung von Historikern mehr als 1300 Menschen getötet und über 30.000 Juden in Konzentrationslager verschleppt.

In Berlin beschäftigte der blinde Bürstenfabrikant Otto Weidt während des Zweiten Weltkriegs hauptsächlich blinde und gehörlose Juden. Er versuchte, sie vor der Deportation in die Vernichtungslager zu bewahren.

Weidt besorgte ihnen Nahrungsmittel, falsche Papiere und Verstecke. Aber nicht jeder Rettungsversuch glückte. Das Gebäude mit den historischen Räumen der Blindenwerkstatt im Hinterhof wurde im Jahr 2004 von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand erworben. Die Dauerausstellung des hier eingerichteten Museums dokumentiert die Ereignisse in der Blindenwerkstatt.


ARD-Dokudrama über Weidts Leben und Liebe »

Besuch und Führungen


Fuehrungen

Das Museum Blindenwerkstatt in der Rosenthaler Straße 39 in 10178 Berlin ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenfrei. Audioguides stehen in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung. Die Ausstellungstexte stehen in deutscher und englischer Sprache sowie in Brailleschrift zur Verfügung.

Führungen durch die Ausstellung sind kostenfrei und auch in englischer, hebräischer, französischer und italienischer Sprache möglich. Führungen dauern etwa 90 min und sind zu empfehlen ab der 5. Klassenstufe.

Die Führungen können ergänzt werden durch einen Rundgang durch die Spandauer Vorstadt, wo Spuren zu finden sind, die unmittelbar mit der Geschichte der Blindenwerkstatt in Verbindung stehen.

Eine Anmeldung ist erforderlich und zu richten an:
[email protected]
Telefon +49 (0)30- 28 59 94 07
Fax +49 (0)30- 25 76 26 14

Öffentliche Führungen finden sonntags um 15 Uhr ohne Voranmeldung statt.

Webseite: www.museum-blindenwerkstatt.de

(RP/dpa)

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