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Der Duft der Schlüssel

Ein blinder Mann will seine 41 beschlagnahmten Autoschlüssel zurück. Damit er sich wieder ans Steuer setzen kann?

Al Pacino in "Der Duft der Frauen" (1992)

Al Pacino in „Der Duft der Frauen“ (1992)

Ist diese Nachricht lustig oder eigentlich ziemlich traurig?

Ein fast völlig erblindeter Mann aus München fordert seine beschlagnahmten Autoschlüssel zurück. Zur Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht konnte der 79-Jährige am Mittwoch nicht kommen, weil er sich bei einem Sturz verletzt hatte. Aber sein Vermieter sagte im Prozess, er habe den Mann trotz Führerscheinentzugs „praktisch täglich“ am Steuer gesehen. Schade, dass das Google-Auto für Blinde noch nicht marktreif ist.

Der Zeuge hat den Mann wiederholt angezeigt. Vor einem Jahr hatten Polizeibeamte den Blinden an seinem Wagen erwischt, in seinen Manteltaschen fanden sie 41 Autoschlüssel. Er habe diese für einen Bekannten aufbewahrt, ließ der 79-Jährige jetzt durch seinen Anwalt vortragen. Seine eigenen Schlüssel habe er daheim.

So, so, völlig uneinsichtig

Der angebliche Eigentümer der sichergestellten Schlüssel erkannte aber nur zwei davon, die dazu gehörigen Oldtimer seien in der Slowakei. Er durfte sein Eigentum mitnehmen. Die übrigen Schlüssel könnten vernichtet werden, regte der Vorsitzende Richter an. Damit ist der blinde Kläger jedoch nicht einverstanden, „er ist völlig uneinsichtig“, seufzte sogar der Anwalt nach einem Telefonat mit seinem Mandanten.

Das Urteil steht noch aus, die Kammer hat aber schon zu erkennen gegeben, dass mit einer Herausgabe der Schlüssel nicht zu rechnen ist.

Nichts ist unmöglich

Da hatte es Al Pacino besser. Für seine Rolle als blinder Lieutenant Colonel Frank Slade, der Auto fährt („Der Duft der Frauen“), erhielt er seinen bisher einzigen Oscar.

Der blinde Rennfahrer Ralf Mackel  (Foto: dpa)

Der blinde Rennfahrer Ralf Mackel (Foto: dpa)

Und schon mal was von Ralf Mackel aus dem osthessischen Freiensteinau gehört? Der 48-Jährige kann von Geburt an nichts sehen und nur Hell von Dunkel unterscheiden. Sein außergewöhnliches Gehör ermöglicht es ihm, sich auf der Rennstrecke zurecht zu finden. Der Widerhall, der von Tribünen, Mauern oder Reifenstapeln zurückgeworfen wird, gibt ihm Orientierung. „Das alles kann ich deutlich hören. Ich weiß dann, wo ich bremsen und einlenken muss.“

Er kennt im wahrsten Sinne des Wortes sämtliche Rennstrecken in Deutschland blind, darf allein allerdings nur auf abgesperrten Strecken fahren. Das macht er so schnell und so gut, dass er schon unter anderem im Rahmenprogramm der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) aufgetreten ist. Der ehemalige DTM-Fahrer Manuel Reuter schüttelte danach nur ungläubig den Kopf und staunte: „Wenn es einem keiner sagt, fällt es überhaupt nicht auf, dass der Mann blind ist.“

(RP/dpa)

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