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Der Hexenkessel wartet: Das Champions League Finale in Istanbul

Von Freitag bis Samstag findet im Sinan Erdem Dome das wichtigste Vereinsturnier der Rollstuhlbasketballer statt. Aus Deutschland kämpfen RSV Lahn-Dill und der RSC-Rollis Zwickau.

Archivfoto: Fans von Galatasaray Istanbul 2009 in Wetzlar – und zu Hause werden sie noch mehr sein (Foto: Armin Diekmann)

Logo der Champions League

(aj/mk) – Eine 13 Millionen Menschen große Metropole am Goldenen Horn, enthusiastische Zuschauer, vermutlich ohrenbetäubender Lärm, ein riesen Sportkomplex – und die besten Rollstuhlbasketballmannschaften Europas: das kann nur das Champions League Finale in Istanbul sein.

Gespielt wird in zwei Spielhallen, die nur wenige hundert Meter auseinander westlich des Zentrums und in Flughafennähe liegen: in dem 16.000 Zuschauer fassenden Sinan Erdem Dome und der 5.000 Zuschauer fassenden Ahmet Comert Arena.

Der Sinan Erdem Dome war bereits 2010 Schauplatz der FIBA Weltmeisterschaften im „Fußgänger“-Basketball und wird nur eine Woche nach dem Endspiel der Rollstuhlbasketballer Austragungsort der FIBA EuroLeague sein.

Insgesamt acht Teams aus sechs Ländern Europas nehmen beim Turnier der besten Vereinsmannschaften Europas teil. Aus Deutschland mit dabei: Der RSV Lahn-Dill und der RSC-Rollis Zwickau. Der Wettbewerb beginnt am Freitag (4.5.), am Sonntag (6.5.) finden die Platzierungsspiele statt, das Finale steigt an diesem Tag um 12:15 Uhr. Im Anschluss erfolgt die Abschlusszeremonie mit Siegerehrung.

Galatasaray und Lahn-Dill mussten sich nicht qualifizieren

Gastgeber und Titelverteidiger Galatasaray sowie der RSV Lahn-Dill waren bereits von vornherein gesetzt. Da das türkische Team den Zuspruch als Ausrichter der Endrunde bekam, sicherten sich die Mittelhessen als Zweitplatzierter des vergangenen Jahres ihre Teilnahme bereits vorzeitig.

Der RSC-Rollis Zwickau hingegen musste sich für diese Endrunde qualifizieren – dies gelang beim Euroleague 1 Vorrundenturnier, das Anfang März in eigener Halle ausgetragen wurde. Mit einer couragierten Leistung warfen die Sachsen hoch favorisierte Teams wie Besiktas Jimnastik Club (Türkei), Hyeres Handiclub (Frankreich) und Santo Stefano (Italien) aus dem Rennen. Als Zweitplatzierte hinter den Spaniern von Fundosa ONCE Madrid buchten sie ihr Ticket für den Champions Cup in der türkischen Metropole.

Für beide gilt: Aufbruch am Donnerstag

Beide Teams brechen am Donnerstagmorgen auf. Mit Turkish Airlines Flug TK 1593 werden die Spieler des RSV Lahn-Dill bereits um 11:25 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen Atatürk in Istanbul eintreffen. Die Reisedaten der Sachsen lagen uns nicht vor.

Die Ausgangslage für Lahn-Dill und Zwickau ist ganz unterschiedlich. Der frisch gebackene und nun neunfache Deutsche Meister RSV Lahn-Dill reist als vierfacher Champions League Sieger der Jahre 2004, 2005, 2006 und 2010 sowie als letztjähriger Finalist und aktueller europäischer Ranglistenerster an den Bosporus und ist trotzdem nicht Favorit – ausnahmsweise einmal. Dennoch gehört der RSV zu den Anwärtern auf den Titel.

Archivfoto: Zwickau-Routinier Rostislav Pohlmann (mit der Nummer 10) beim Wurf (Foto: RSC)

Im Gegensatz dazu muss der RSC-Rollis Zwickau erst mal darum zittern, überhaupt seine Gruppe zu überstehen: Er trifft in der Gruppenphase auf Gastgeber Galatasaray Istanbul (Türkei), Lottomatica Elecom Sports Roma (Italien) mit dem australischen Quartett Justin Eveson, Michael Hartnett, Brad Ness und Kathleen O´Kelly-Kennedy sowie Capital Aces WBC (Großbritannien) mit den britischen Nationalspielern Simon Munn, Ademola Oregbemi und Matthew Seally.

Mit dem kleinsten Kader aller Mannschaften im Turnier haben die Zwickauer lediglich Außenseiterchancen, doch das Team ist „hochmotiviert, sein Bestmögliches zu geben“, versichert der Verein.

Top-Favorit ist eindeutig Gastgeber Galatasaray Istanbul, der im vergangenen Jahr im vielleicht dramatischsten Endspiel der Königsklasse den RSV Lahn-Dill nach Verlängerung mit 85:80 bezwang. Nach 2008 und 2009 war dies bereits der dritte Triumph des türkischen Traditionsklub in der Champions League der Rollstuhlbasketballer.

Bereits Freitag ab 18 Uhr wird Zwickau dann die so wichtige Nervenschlacht gegen Galatasaray Istanbul überstehen müssen – und auf zwei Weltklassespieler treffen, die einst selbst in den eigenen Reihen saßen. Galatasaray Istanbul ist das Maß aller Dinge in der türkischen Super League. Drei ehemalige Bundesligaspieler bietet der Traditionsverein im Kampf um die kontinentale Krone auf: Sedar Antac (einst in Heidelberg und Köln) sowie die beiden ehemaligen Zwickauer Mateusz Filipski und Piotr Luszynski. Neben zahlreichen türkischen Nationalspielern stehen auch US-Pointguard Matt Scott und der Australier Tristan Knowles im Dienste der Türken.

RSV Lahn-Dill ist zuversichtlich

Ziemlich cool: Das aktuelle Mannschaftsfoto des RSV Lahn-Dill (Foto: Mediashots Werbefotografie)

Trotz der Vorjahrsniederlage ist Istanbul ein gutes Pflaster für den RSV Lahn-Dill. Bereits 2006 waren die Wetzlarer Rollis dort erfolgreich, als nicht Galatsasaray, sondern Stadtkonkurrent Besiktas Istanbul das europäische Spitzenturnier ausrichtete.

Damals machten die Wetzlarer Rollis mit einem Finalerfolg über den italienischen Meister GSD Anmic Sassari den Hattrick auf der europäischen Bühne perfekt – was gleichzeitig das Ende des Trios Patrick Anderson, Lars Christink (Kapitän) und Markus Sniegocki bedeutete, die anschließend ihren Hut nahmen.

Triumph und Abschied könnten auch 2012 Hand in Hand erfolgen: Dieses Jahr geht die Ära Joey Johnson zu Ende. Der Kanadier ist wider Erwarten noch am Leben und bestreitet nach neun Jahren im Trikot des RSV Lahn-Dill seine letzten Spiele für den Vorzeigeklub aus Wetzlar. Er wird wie seine Teamkollegen Mina Mojtahedi und Steve Serio „goodbye“ sagen.

Ob dem RSV Lahn-Dill um Trainer Nicolai Zeltinger ein ähnliches sportliches Abschiedsgeschenk wie im Jahr 2006 gelingen wird, ist bei der Ausgeglichenheit in der europäischen Spitze schwer vorherzusagen. Es gilt, ein hartes Programm von fünf Partien binnen drei Tagen zu absolvieren.

Lahn-Dill hat in der Vorrunde eine schwere, aber durchaus machbare Gruppe zugelost bekommen. Die Gegner sind dabei keine unbekannten Namen und kommen aus Madrid, Rom und Toulouse.

Bereits das erste Spiel kann entscheidend sein

RSV-Spieler Dirk Köhler im Spiel um Platz drei gegen Lottomatica Elecom Rom (70:51) während der Finalrunde 2009 in Wetzlar. (Foto: Armin Diekmann)

Auftaktgegner am Freitag um 15:45 Uhr Ortszeit (14:45 Uhr MESZ) ist der 19-malige italienische Meister SSD Santa Lucia Sport Rom. Mit keinem anderen europäischen Team hat sich der RSV Lahn-Dill bisher so oft duelliert wie mit den Römern, die 1998, 2003 und 2007 selbst die Champions League gewinnen konnten.

Sieben Siegen stehen seit 1997 drei Niederlagen gegenüber – dabei allerdings so bittere wie 2007 im britischen Sheffield, als der RSV den vierten CL-Triumph in Serie bereits in der Tasche zu haben schien, um in den letzten vier Spielminuten das Endspiel doch noch an die Italiener abgeben zu müssen.

2010 revanchierte man sich eindrucksvoll, als die Wetzlarer Rollis nach vier Jahren Abstinenz in Rom gegen Gastgeber Santa Lucia zurück auf den europäischen Thron fanden. Mit dem Franzosen Sofyane Mehiaoui, dem US-Amerikaner Jacob Counts (einst Bayreuth) sowie dem italienischen Centertrio Matteo Cavagninni, Alberto Pellegrini und Stefano Rossetti sind die Römer auch 2012 wieder ein ganz heißer Kandidat auf den Halbfinaleinzug.

Zwei Spiele an einem Tag

Bereits am gleichen Abend folgt dann mit dem Duell gegen den spanischen Meister aus Madrid das zweite entscheidende Vorrundenspiel. Um 20:15 Uhr gibt es für den RSV Lahn-Dill ein Wiedersehen mit dem Tschechen Petr Tucek, der bereits für Zwickau und Galatasaray gegen die Mittelhessen spielte.

Viermal trafen beide großen europäischen Teams bereits aufeinander, wobei der iberische Champions League Sieger von 1997 kein einziges seiner Duelle gegen die Deutschen gewann. Nach diesen beiden schweren Spielen ist der RSV dann in der abschließenden Vorrundenbegegnung gegen den südfranzösischen Vertreter Toulouse IC in der klaren Favoritenrolle. Erst zweimal standen sich beide gegenüber, 2004 und 2008 siegten die Wetzlarer klar.

Alle Spiele und Ergebnisse auf einen Blick

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2 Kommentare

  • Daniel

    Hoppsa, das ist Zwickau II auf dem Foto 😉 Die spielen nicht ganz in Istanbul…

    2. Mai 2012 at 19:52
    • Rollingplanet

      Danke für den Hinweis, Daniel :-). Wir haben das Foto ausgetauscht!

      2. Mai 2012 at 20:01

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