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Der lange Weg zur Inklusion in Brandenburg

Bildungsministerin Münch sieht erste Erfolge und will die Öffentlichkeit aufklären – auch mit Hilfe eines neuen Internetportals. Kritiker finden, dass das überfällig ist. Von Luise Poschmann

Bildungsministerin Martina Münch (Foto: dpa)

Schritt für Schritt bemüht sich Brandenburg um die Integration von lernschwachen, sozial auffälligen und behinderten Kindern in Regelschulen. Knapp zwei Jahre nach dem Start des Projekts „Inklusion – Schule für alle“ soll nun ein Internetportal noch mehr Informationen über das gemeinsame Lernen aller Schüler bringen. Am Freitag schaltete Bildungsministerin Martina Münch (SPD) die Plattform www.inklusion-brandenburg.de in Potsdam frei.

Darauf sind unter anderem Erfahrungsberichte von Pädagogen enthalten, die seit diesem Schuljahr an dem Pilotprojekt „Inklusive Grundschule“ teilnehmen. An insgesamt 84 Regelschulen werden nun auch Kinder unterrichtet, die Schwierigkeiten mit dem Lernen haben oder emotional auffällig sind. Das Fernziel sei Schulen zu schaffen, „wo jedes Kind willkommen ist und entsprechend seinen Fähigkeiten entsprechend gefördert wird“, sagte Münch. Die Plattform richte sich aber nicht nur an Eltern, Lehrer und Experten, sondern auch an die breite Öffentlichkeit, erklärte die Ministerin.

Münch will Bürgerforen einrichten

Münch nutzte die Einrichtung des Portals, um eine Zwischenbilanz der Inklusionspolitik zu ziehen. Das Resümee zeigte, dass das sensible Thema vor allem einen langen Diskussionsprozess mit sich bringt. So gibt es seit 2011 einen Runden Tisch, an dem Vertreter aus Verbänden und politischen Institutionen über „Weichenstellungen“ beraten. Demnächst will die Ministerin auch den Dialog vor Ort stärken. „Ich werde im Laufe des Jahres landesweit Bürgerforen starten, auf denen ich gemeinsam mit allen lokalen Beteiligten und Interessierten über erste Erfahrungen und Erwartungen reden will“, sagte Münch.

Ein greifbarer nächster Schritt soll im kommenden Wintersemester die Aufnahme von sonderpädagogischen Inhalten in das Studium aller Lehramtsanwärter für Grundschulen sein. „Lehrer sollen sich in der Lage fühlen, alle Kinder vor Ort bestmöglich zu fördern“, sagte die Ministerin. Natürlich bleibe es unabdingbar, dass auch mehr Personal eingestellt werde, fügte sie hinzu. Für das Projekt der „Inklusiven Grundschule“ seien bereits mehr als 100 Stellen geschaffen worden.

Lehrer brauchen sonderpädagogische Fortbildungen

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Brandenburg kritisierte, diese Stellen seien nicht neu geschaffen, sondern anderen Schulen durch Umverteilung entzogen worden. „Die Landesregierung hat kein genaues Ziel, wohin sie mit der Inklusion will“, sagte der Landesvorsitzende Günther Fuchs. Zudem hätten die Lehrer zu spät Möglichkeiten zur Fortbildung im sonderpädagogischen Bereich bekommen.

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Marie Luise von Halem, kritisierte, einige Projekte kämen zu spät. Das Internetportal hätte es bereits zu Beginn des Pilotprojekts „Inklusive Grundschule“ geben sollen. „Defizite sehe ich zudem bei der Lehrerfortbildung, für die ein riesiger Bedarf besteht“, fügte sie hinzu. Der Landesregierung laufe die Zeit davon: „Im kommenden Schuljahr wechseln die ersten Kinder der Inklusion-Pilotschulen auf die Oberschule, ohne dass dafür hinreichende Voraussetzungen erkennbar sind“, sagte von Halem.

(dapd)

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