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Der Müll dieser Welt

Elektronik-Schrott aus Europa landet in Afrika. Dort ist er Einnahmequelle für die Ärmsten und Gesundheits-Zeitbombe zugleich. Von David Adadevoh und Kristin Palitza

Die Müllkippe Agbogbloshi in Accra, Ghana, gehört nach Angaben der Umweltorganisation Green Cross zu den zehn gesundheitsgefährdetsten Orten der Welt. (Foto: Jane Hahn/epa/dpa)

Die Müllkippe Agbogbloshi in Accra, Ghana, gehört nach Angaben der Umweltorganisation Green Cross zu den zehn gesundheitsgefährdetsten Orten der Welt. (Foto: Jane Hahn/epa/dpa)

Johnson Amenume und sein 14-jähriger Sohn Kingsley sortieren eilig einen Berg Elektronik-Schrott. Mit ihren bloßen Händen und ein paar großen Steinen brechen sie ein Fernsehgerät auf. Daneben schwelt ein Kabelgewirr. Der 45-Jährige hat es angezündet, um die Plastik-Ummantelung wegzubrennen. Beißender schwarzer Rauch steigt auf, doch Vater und Sohn arbeiten unbeirrt weiter, ihre Gesichter bedeckt von Ruß und Schmutz.

Amenume und Kingsley arbeiten auf einer der größten Elektronik-Müllhalden der Welt. Sie liegt in Agbogbloshie, einem Slum in Ghanas Hauptstadt Accra. Jedes Jahr landen etwa 5 Millionen gebrauchte Elektronik-Geräte in dem westafrikanischen Land. Ursprungsregionen seien vor allem Europa, die USA und China, berichtete die ghanaische Umweltbehörde im vergangenen Jahr. Kaputte Geräte – etwa drei Viertel aller Lieferungen – werden in Agbogbloshie abgeladen.

Giftiger Elektronik-Friedhof

Mit der Zeit hat sich die Müllhalde zu einem giftigen Elektronik-Friedhof gewandelt – und zu einer wichtigen Einkommensquelle für die Ärmsten der Armen. Sie suchen in den Abfällen nach wiederverkaufbaren Metallen wie etwa Aluminium, Kupfer oder Eisen.

Etwa ein Viertel der 35 Millionen Ghanaer lebt nach Angaben der Weltbank unter der Armutsgrenze von 1,25 Dollar am Tag. Etwa 40.000 von ihnen – viele von ihnen Familien aus ländlichen Regionen – leben im Slum von Agbogbloshie. „Ich habe vor fünf Jahren meinen Job als Wachmann verloren“, erzählt Amenuma. Durch den Abfall zu wühlen sei der einzige Weg, um seine Familie zu ernähren. Sein Sohn habe mit der Schule aufgehört, um ihm zu helfen, fügt er hinzu.

Ohne Rücksicht auf die Gesundheit – für die Ärmsten ist sie eine wichtige Verdienstmöglichkeit: die Müllkippe Agbogblosh. Hier lädt ein Mann Elektroschrott auf einen Handwagen. (Foto: Jane Hahn/epa/dpa)

Ohne Rücksicht auf die Gesundheit – für die Ärmsten ist sie eine wichtige Verdienstmöglichkeit: die Müllkippe Agbogblosh. Hier lädt ein Mann Elektroschrott auf einen Handwagen. (Foto: Jane Hahn/epa/dpa)

„Sonst haben wir nichts mehr zu essen“

„Wir wissen, dass wir von dem Rauch krank werden können. Aber wenn wir aufhören, hier zu arbeiten, haben wir nichts mehr zu essen“, sagt er. Wird die Plastik-Ummantelung von Kabeln verbrannt, werden Chemikalien freigesetzt, die Gesundheit und Umwelt gefährden. Manche der Gifte wirken sich auf die Fortpflanzung aus, andere können Krebs hervorrufen oder die Entwicklung des Gehirn und Nervensystems stören.

John Essel ist Arzt in einer Klinik nur zwei Straßen von Agbogbloshie entfernt. Er habe jeden Tag Patienten, die auf der Müllkippe arbeiten, erzählt er. „Sie kommen zu mir wegen Hautausschlägen, Schmerzen im Unterleib, Schlaflosigkeit und Erschöpfung. Wir sehen auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“

Ghana ist beliebter Schrottplatz

Ghana hat anders als viele andere Länder keine Gesetze, die den Import von E-Müll verbieten. Deshalb ist das Land so beliebt als Endstation für gebrauchte Elektronik. Der Schrott kommt als Spende oder deklariert als gebrauchte Ware für den Wiederverkauf ins Land.

Doch der UN-Menschenrechtskommissar kritisiert: Manche ausländische Händler deklarierten kaputte Geräte als gebraucht. Damit würden sie die hohen Recyclingkosten in ihren Heimatländern umgehen.

Die Umweltbehörde in Ghana fordert nun ein Importverbot für Elektromüll. Ein Gesetz könnte bis zum Jahresende beschlossen werden, sagt der stellvertretende Umweltminister Adiku Heloo.

Das Ende der Träume

Bis dahin werden die Armen Ghanas weiter nach Altmetallen suchen. Umgerechnet etwa 18 Euro bekommen sie für 100 Kilogramm. „An einem guten Tag verdiene ich etwa 30 Cedi (10 Euro)“, erzählt Kofi Adu. Der 18-Jährige durchwühlt einen Berg kaputter Computer. Vor zwei Jahren hatte er die Schule geschmissen, um seine kranke Mutter zu unterstützen.

Selbst wenn das Gesetz kommen sollte, für ihn sei es nun zu spät, um seine eigenen Träume zu verwirklichen, meint er: „Ich wollte Arzt werden, aber das ist nun vollkommen unmöglich.“

(dpa)

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