Der perfekte Bufdi? Roboter ersetzen Kellner

Das Motto „Roboter sollen dem Menschen dienen“ hat ein findiger Gastronom in China wortwörtlich umgesetzt. Wann kommt das Konzept nach Deutschland?

Immer fleißig: der China-Roboter. (Foto: Rex Features)

„Bekanntlich ist das Servieren von Getränken und Speisen an die Gäste die aufwändigste Arbeit in einem Lokal. Bei uns übernehmen Roboter diese Tätigkeiten“, erklärt Liu Hasheng, Besitzer und Ingenieur einer futuristischen Gaststätte, die derzeit für Furore sorgt. In seinem „Haohai Robot Restaurant“ in Harbin, einer chinesischen Metropole (3,3 Millionen Einwohner) und die Hauptstadt der Provinz Heilongjiang, kümmern sich 18 Hightech-Angestellte um die Kunden.

Die Roboter kochen sogar (Foto: CCTV)

Und die Blechmännchen sind erstaunlich talentiert: Sie bedienen nicht nur, sondern sie weisen den Platz zu und sie sind sogar künstlerisch talentiert. Selbst in der Küche helfen die Maschinen dabei, die Speisen zuzubereiten. So gibt es beispielsweise einen Knödel- und Nudelroboter. So schnell, wie die den Teig kneten, kann wohl kein Tim Mälzer gucken.

Die komplette Ausstattung stammt aus der Harbin Haohai Robot Company und kostete umgerechnet 630.000 Euro, wobei ein Roboter etwa 30.000 Euro kostet. Wäre also mal durchaus eine finanzierbare Alternative, um den Pflegekräftemangel in Deutschland zu mildern… Oder etwas, das Krankenkassen behinderten Menschen unter den Weihnachtsbaum legen könnten.

Jeder Roboter weiß, was er tun muss

Wie bei den Menschen gibt es auch für die Roboter einen genauen Dienstplan. Sobald ein Gast hereinspaziert, wird er von einem Rezeptionisten-Roboter empfangen, der mit Science-Fiction-Theatralik „Hallo Erdenmensch, willkommen im Roboterrestaurant“ schnarrt und mit seiner Hand auf einen freien Platz zeigt. Ein blecherner Kollege kümmert sich um die Bestellung, woraufhin sich die Küchenroboter an die Arbeit machen. Servierroboter laufen den Gang auf und ab und sorgen dafür, dass die Speisen am richtigen Tisch landen, während ein singender Wall-E (benannt nach dem computeranimierten Kinofilm „WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf“ aus dem Jahr 2008) die hungrigen Besucher unterhält.

30 verschiedene Menüs werden im Restaurant geboten. Gäste zahlen zwischen fünf bis 7,50 Euro pro Restaurantbesuch, was sich laut Hasheng im chinesischen Normalbereich bewegt. Dummerweise ist menschliches Personal weiterhin nötig – zur Wartung und Kontrolle im Computerraum. Denn auch die maschinellen Mitarbeiter laufen nicht endlos lange: Nach fünfstündigen Arbeitsschichten müssen die Batterien aufgeladen werden, und das dauert zwei Stunden lang. Dafür muss Hasheng keine Gewerkschaft fürchten.

In Deutschland rechnet sich das angeblich nicht

Die Harbiner Gaststätte ist bereits das vierte Roboterrestaurant Chinas, und auch in Thailand und Japan finden ähnliche Konzepte Anklang. In Europas Gastronomie haben sich andere Formen der Automatisierung entwickelt, allen voran das „s’Baggers“-Achterbahnrestaurant in Nürnberg, in dem man seit 2007 auf Touchscreens bestellt, das Essen auf Metallschienen von oben direkt auf den Platz bekommt und über Card-Reader bezahlt.

„Wegen der Kosten rentiert sich Automatisierung im Lokal nicht, wohl aber rennen einem die Leute die Bude ein“, sagt sBaggers-Gründer Michael Mack. Mittlerweile hat er das Restaurantsystem-Unternehmen „HeineMack“ gegründet, das das Hamburger „Schwerelos & Zeitlos“ sowie das „FoodLoop“ im Europapark mit ähnlicher Technik ausgestattet hat und demnächst mit „Snacktreck“ auf Reisen geht. Mit dem chinesischen Modell kann das alles allerdings nicht mithalten. Mack setzt nach wie vor auf Menschen: Sie übernehmen den Empfang, erklären die Software und räumen ab. Und vielleicht ist das ja auch ganz gut so.

(pte/RP)

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