Der Rap ist wieder da: „Willkommen in der Realität“

Nach juristischen Auseinandersetzungen ist der Protestsong ab sofort auf YouTube zu sehen.

Plakat zum 5. Mai

Screenshot aus dem Video zum Rap Song

Rechtzeitig zum 5. Mai 2012, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, ist der Rapsong „Willkommen in der Realität“ wieder da. Er weist auf die schleppende Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hin. Auf YouTube kann man nun das Video (siehe auch unten) in drei verschiedenen Version sehen: in einer „normalen“ Fassung, mit Gebärdensprachdolmetscher und mit Untertiteln.

Initiiert wurde der Song von dem Verein Aktiv Barrierefrei Selbstbestimmt Leben e.V. im norddeutschen Giesensdorf (Homepage: www.abs-sh.eu). „Aktion Mensch“ förderte das Projekt. Bis es nun soweit war, verging allerdings ein Jahr mit Querelen.

Vereinsvorsitzende Angelika Mincke hatte, wie sie betont, die Idee zu dem Song und erlebte wenig später wohl ein wenig zu viel Realität. Die seit Jahren aktive Kämpferin für Behindertenrechte (siehe ROLLINGPLANET-Interview: Behindert und HIV-positiv – aber sie ist der Boss: Angelika Mincke) wollte nicht mit den üblichen Plakaten auf den 5. Mai hinweisen, sondern musikalisch. Mincke entwickelte deshalb einen ersten Textentwurf und fand mit dem Holländerhof in Flensburg (Webseite: www.hollaenderhof.de) einen, wie sie annahm, idealen Partner. In der Einrichtung der Gruppe Norddeutsche Diakonie leben 150 und arbeiten 315 behinderte Menschen.

Würgen statt würdigen

Mincke staunte nicht schlecht, als sie plötzlich von den Verwertungsrechten ausgeschlossen werden sollte: „Der Holländerhof, wo der Sänger Jan und die Gitarristen arbeiten und wohnen, glaubte, er hätten die alleinigen Urheberrechte. Wir sollten ihn zukünftig um Erlaubnis fragen, wenn wir das Video und den Song benutzen wollen.“

Mincke betont: „Eigentlich hat der Holländerhof gar nichts getan, außer seinen Mitarbeitern zum Üben frei zu geben.“ In einem Brief wurde ihr immerhin zugestanden: „Selbstverständlich ist auch Ihr Anteil an dem Projekt zu würdigen“. Würgen statt würdigen, war die spontane Reaktion von Angelika Mincke – die daraufhin einen Anwalt beauftragte.

„Nach viel Stress und unnötigen Kosten und nach einigen Irrungen “, freut sich Mincke, „können wir ‚Willkommen in der Realität’ und die dazugehörigen Bewegtbilder wieder seinem gedachten Zweck zu führen – als ein Song/Video von Menschen für Menschen“.

Original

Mit Gebärdensprachdolmetscher

Mit Untertiteln

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2 Kommentare

  • Schmidt

    Das Vorwort stimmt ja dann nicht, wo die Gitaristin Meike Bajique auch als songwriterin benannt wir statt Angelika Mincke. Ich protestiere.

    30. April 2012 at 10:16
  • angelika

    Sicher war es so wie es in dem Vorwort geschrieben wurde.
    Ein Text wurde von uns vorgeben um die Richtung anzuzeigen die uns wichtig war.

    Und selbstverständlich lassen wir Menschen die an unseren Projekten mitarbeiten auch Gelegenheit sich einzubringen. In diesen Fall die Überarbeitung des Textes (für den Sänger schon wichtig), da haben wir z.b. alle mehr oder weniger dran gearbeitet.

    Da wir uns grundsätzlich nicht mit fremden Federn schmücken müssen, benennen wir bei unseren Projekten alle die Mitgewirkt haben, weil sie das auch verdient haben.
    Angelika

    30. April 2012 at 15:43

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