Der reinste Passiwansinn

53! Welche unglaublichen Dinge sich am 2. Spieltag der Rollstuhlbasketball-Bundesliga ereigneten.

Dirk Passiwan (Foto: Doneck Dolphins Trier)

Dirk Passiwan (Foto: Doneck Dolphins Trier)

Was für eine Passiwan-Show! Am Freitag hatte ROLLINGPLANET den Sieg von Dolphins Trier gegen Mainhatten Shywheelers am 2. Spieltag der Rollstuhlbasketball-Bundesliga 2015/16 vorhergesagt. Das war zugegebenermaßen nicht wirklich eine Kunst, weil die Frankfurter derzeit einen großen personellen Umbruch bewerkstelligen müssen. Dirk Passiwan, Mr. Dolphins Trier, hat die ROLLINGPLANET-Prognose am Sonntagmittag, zwei Tage vor seinem Geburtstag, praktisch im Alleingang erfüllt: Beim 78:55-Sieg seiner Mannschaft schenkte er den Hessen 53 Punkte ein, also gerade einmal zwei weniger, als der Gegner selbst zustande brachte. Eigentlich ist ja Passiwan, der seit seinem achten Lebensjahr auf Korbjagd unterwegs ist, mittlerweile eine Art Opa auf dem Feld (fast 39 Jahre alt), aber unverändert Deutschlands bester Rollstuhlbasketballer. Der reinste Passiwansinn.

Der Triumphator gegen Skywheelers Mainhatten: Dirk Passiwan (Foto: Sandra Wagner/Doneck Dolphins Trier)

Der Triumphator gegen Skywheelers Mainhatten: Dirk Passiwan (Foto: Sandra Wagner/Doneck Dolphins Trier)

USC München hat bereits den zweiten Play-off-Teilnehmer der vergangenen Saison erledigt und bleibt damit die Überraschung der noch jungen Saison. Der Aufsteiger unter seinem neuen Trainer Sinclair Thomas bezwang auswärts die BG Baskets Hamburg mit 71:67. Es war ein wahrer Krimi, der bis zur letzten Minute dauerte. Oberhanseate Holger Glinicki hatte, nachdem seine hoch gehandelte Mannschaft eine Woche vor Saisonstart zwei Testspiele gegen die Bayern verloren hatte und da er bis 20. Oktober auf seine japanischen Stars Hiro Kozai und Reo Fujimoto verzichten muss (Länderspiele für ihre Heimat), eigens aus St. Petersburg den tschechischen Weltklasse-Center Petr Tucek verpflichtet – für gerade einmal zwei Spiele: für ein Warm-up gegen Hannover United und eben gegen den USC.

Angst vor Luftschlössern

Die Rechnung wäre beinahe aufgegangen – hätten die Münchner nicht Forward Sebastian Magenheim (19 Punkte) und Center Suad Sutic (21 Punkte) gehabt. Sie waren die zwei USC-Aktivposten, und der bosnische Riese drehte nach der Halbzeit derart auf, dass die Hamburger anschließend feststellten: „Sutic war der X-Faktor.“ Am ersten Spieltag hatten die Münchner einen Kantersieg gegen Zwickau gefeiert, nun gelten sie schon als Geheimtipp für die Play-offs. Der Verein hat solche Gedanken verboten: „Unser Ziel bleibt der Klassenerhalt. Niemand sollte jetzt Luftschlösser bauen.“ Am nächsten Samstag dürfte diese Sorge kleiner sein: Dann empfängt der USC Titelverteidiger RSV Lahn-Dill (an diesem Wochenende 92:30 gegen Hannover). Die Übermannschaft wird garantiert alle etwaigen Luftschlösser niederreißen.

Ansonsten – auch diese Prognose ist nicht unbedingt gewagt – könnte die jetzige Tabellensituation bereits die sein, die auch am Schluss gilt: Lahn-Dill (zur Zeit 1.) und Thüringen (2.) ganz obenauf. Um die Play-offs kämpfen Trier (3.), München (4.) und Hamburg (5.). Absteiger sind nach dem derzeitigen Stand Köln und Hannover – vorausgesetzt, die Spieler des Harikiri-Vereins Kaiserslautern (7.) halten tatsächlich bis Saisonende durch, ohne zu desertieren.

(RP)

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