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Der Spielfilm des Jahres, den jeder Rollstuhlfahrer (und Nichtbehinderter) gesehen haben muss

Am 5. Januar kommt eine Tragikomödie ins Kino, bei der einem manchmal das Lachen im Hals stecken bleibt und die Sie auf keinen Fall versäumen sollten: „Ziemlich beste Freunde“ (Originaltitel: „Intouchables“) handelt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Tetraplegiker und seinem Pfleger.

Nicht das Kino, sondern das Leben erzählt oft die ungewöhnlichsten Geschichten, und manchmal ergibt sich der Glücksfall, dass aus wahren Geschichten kein billiger Trash, sondern ganz großes Kino wird – wie in diesem Fall.

Als die beiden Regisseure Olivier Nakache und Eric Toledano eine Dokumentation über die besondere Freundschaft zwischen einem behinderten Mann und seinem Betreuer gesehen hatten, wussten sie sofort, dass dieser Stoff auf die große Leinwand gehört.

Die beiden Regisseure Nakache und Toledano

Entstanden ist eine höchst unterhaltsame Tragikomödie mit viel Humor, einer starken Handlung und fantastischen Hauptdarstellern. In Frankreich ist der Film Anfang November angelaufen und begeisterte allein in der ersten Woche 2,2 Millionen Zuschauer. Auf dem internationalen Filmfestival in Tokio wurde er zudem als Bester Film und mit dem Preis für den Besten Darsteller (den sich François Cluzet und Omar Sy gerechterweise teilten) ausgezeichnet.

Beschreibung
Die beiden Hauptdarsteller Omar Sy als Driss und François Cluzet als Philippe

An und für sich hätte Philippe das perfekte Leben – er ist ein reicher, gebildeter Adliger, der sich eine Menge Hausangestellte leisten kann. Wäre da nicht ein Faktotum: Er ist Tetraplegiker. Ein verbitterter und zynischer Mann, dem kein Geld auf dieser Welt hilft, seinem Körper zu entkommen. Der nichts ohne Hilfe machen kann, weder essen noch ausgehen. Als Philippe einen neuen Pfleger sucht, bewirbt sich Driss, ein junger Schwarzer, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Frech, großmäulig und ungehobelt tritt Driss auf, der eigentlich gar nicht arbeiten will, sondern nur einen Nachweis über seine Jobsuche benötigt, um Arbeitslosengeld beantragen zu können.

Doch bei Philippe ist er an den Falschen – oder an den Richtigen – geraten. Der adlige Rollstuhlfahrer ist keineswegs abgeschreckt, sondern neugierig geworden und stellt Philippe ein. Zwei Wochen Probezeit sind vereinbart, und der reiche Patient prognostiziert seinem neuen Betreuer: Nur ein Tage wirst Du es bei mir aushalten. Aber es kommt ganz anders – eine ungewöhnliche Freundschaft entwickelt sich, bei der sich zwei Außenseiter aus der Ober- und Unterschicht gesucht und gefunden haben.

Ein Ausgangsplot, den aufmerksame Cineasten bereits von einem anderen, ebenfalls französischen Film aus dem Jahre 2009 kennen, in dem es genau wie in „Ziemlich beste Freunde“ um eine gelähmte Person und ihren Helfer geht. In einem ebenfalls sehr bewegenden Streifen, entstanden nach einem Buch von Eric Holder, spielt Sophie Marceau die wohlhabende, nur die Literatur liebende Muriel, die – ähnlich wie Philippe verbittert und gerade deshalb mit scharfer Zunge das Wort führt – in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena in ihrem Bett vor sich hinvegetiert. Aus ihrer Lethargie wird sie erst durch den Ex-Profiboxer Léo (Christopher Lambert) gerissen, der als Alkoholiker den Tiefpunkt seines Lebens erreicht hat und für jeden Job dankbar ist – und als Pfleger und Koch bei Muriel anheuert. Aus der anfangs spröden und schwierigen Abneigung entwickelt sich eine zärtliche, traurige und wunderschön gefilmte Liebesromanze.

Doch anders als bei „Cartagena – Zwischen Liebe und Tod“ setzt „Ziemlich beste Freunde“ auf rasantes Tempo und überhaupt: Freundschaft ist doch etwas ganz anderes als Liebe. Statt mit dem Behindertenfahrzeug düsen Philippe und Driss mit dem Maserati durch Paris, rauchen Joints und veranstalten eine Orgie. Am Ende wird deutlich, was die beiden miteinander verschweißt und was ihnen jeweils Kraft gibt für ihr Leben, das beide in eine Sackgasse zu führen drohte: Nicht allein die gemeinsamen Erlebnisse sind es – sondern der Respekt voreinander lässt sie das werden, was sie sind: Ziemlich beste Freunde.

Zum Themenschwerpunkt Ziemlich beste Freunde

Trailer

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4 Kommentare

  • Meg

    Vielen Dank für diese Kinoempfehlung, weshalb ich diesen Film schon lange in meinem Kalender eingetragen habe. Heute Abend mit zwei (nichtbehinderten) Freunden in diesem Film gewesen. „Ziemlich beste Freunde“ kann ich ebenfalls nur empfehlen, sehr berührend. Obwohl die Hauptfigur mit den wenigstens von uns etwas gemein haben dürfte (er sagt zu Recht: „Vergiss nicht, ich bin ein reicher Querschnittgelähmter), war der Film doch irgendwie sehr authentisch.

    6. Januar 2012 at 23:13
  • Tony

    Ich stimme Ihnen zu, dass dies ein ganz wunderbarer Film ist.

    14. Januar 2012 at 11:20
  • Miri

    Ich wüsste gerne ob das buch bald auch auf deutsch rauskommt! Die geschichte ist wirklich sehr rührend und lustig!!

    16. Januar 2012 at 00:16
  • CP

    Ja der Maserati ist wirklich toll! D.h. ich finde nicht, daß man diesen Film nun unbedingt sehen muß. Warum muß ich als Rollstuhlfahrer unbedingt alles sehen, wo irgendwer auf vier Rädern vorkommt. Auch Filme wie „Renn, wenn Du kannst“ fand ich eher mäßig und habe ihn auch nur teilweise gesehen. Insofern kann man sich sicher den Film mal anschauen, aber zu glauben, daß solche Alltagsunterhaltung bestimmte Dinge ändert, ist nun wirklich lächerlich und realitätsfern.

    12. Februar 2012 at 10:36

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