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Designer entwirft einen Rollstuhl, der ein halbes Auto sein soll

Sein Gerät IWA soll Behinderten zusätzliche Mobilität verschaffen. Der Prototyp erinnert an Rollstuhlfahrräder – ergänzt durch einen Motor.


Die Idee ist nicht wirklich neu. Es sieht futuristisch, aber auch ein wenig klobig aus und erinnert an Rollstuhlfahrräder, die man ankoppelt, oder an den bereits existierenden Speedy-Elektra (Danke an ROLLINGPLANET-Nutzer Benedikt Lika für diesen Hinweis): Der neuseeländische Designer Oscar Fernandez hat ein Gerät namens „Independent Wheelchair Assist“ (IWA) entwickelt und für den diesjährigen James-Dyson-Award eingereicht. Es soll Behinderten zusätzliche Mobilität verschaffen und die Notwendigkeit zum Wechsel des Fortbewegungsmittels minimieren.

Der IWA ist ein Zusatz, der Rollstühle laut seinem Erfinder etwas vollmundig in einen „Microcar“ verwandelt. Hinter dem Projekt von Fernandez steckt auch persönliche Motivation. „Mein Großvater saß 62 Jahre lang im Rollstuhl, nachdem er mit 20 Jahren einen Unfall hatte. Als er älter wurde, konnte er sich selbst nicht mehr vom Rollstuhl in seinen Mobility-Scooter befördern, um mit seiner lokalen Community zu interagieren“, schreibt der Erfinder auf der Projekthomepage.

Existierende Lösungen „zu kompliziert“

Auf der Suche nach einer dynamischeren Lösung bewegte sich Fernandez eine Woche lang ausschließlich per Rollstuhl fort. „Danach war ich schon ziemlich gut darin, damit zu fahren, aber ich habe es gehasst, immer meinen Kopf nach hinten neigen und von unten mit anderen Leuten sprechen zu müssen“, beschreibt er die Erfahrung.

Er kam zu den Schluss, dass viele existierende Lösungen den kompletten Wechsel des fahrbaren Untersatzes verlangen und daher zu kompliziert und zu teuer sind. Dies brachte ihn auf die Idee, ein einfach anschließbares, motorisiertes Hilfsmittel zu entwickeln.

216 Stunden für Prototyp

Das Ergebnis langwieriger Konzeptionsarbeit war der IWA. Der Bau des finalen Prototyps kostete Fernandez insgesamt 216 Stunden. Das Gerät wird an die Vorderseite des Rollstuhls befestigt und hebt die kleineren Stützräder etwas an, so dass er nur noch mit den beiden eigenen Rädern sowie den großen Reifen des Stuhles den Boden berührt, was ihn praktisch „in ein kleines Auto“ verwandelt.

Gelenkt wird der Zusammenschluss aus Rollstuhl und Accessoire wie ein Motorrad. Ist der Nutzer am Ziel angekommen, kann er sich wieder vom IWA entkoppeln und diesen absperren. Weitere technische Details sind nicht bekannt, aus praktischen Gründen ist aber anzunehmen, dass der Rollstuhl-Assistent wohl mit einem Elektromotor betrieben würde.

Ob und wann es jemals eine serienreife Umsetzung geben wird, steht in den Sternen. Ein Erfolg beim Dyson-Award würde nicht nur die Chancen auf eine Realisierung erhöhen, sondern Fernandez ein Preisgeld von 10.000 Pfund (rund 12.450 Euro) bescheren. Der Sieger wird am 8. November bekanntgegeben.

(pte/RP)

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