""

Deutsche Bahn: Aufzüge und Rolltreppen werden wochen- und monatelang nicht repariert

Der Deutsche Bahnkunden-Verband e.V. fordert kürzere Wartungszeiten. ROLLINGPLANET übrigens auch.

Wir bleiben draußen: Defekter Aufzug am Bahnhof

Wir bleiben draußen: Defekter Aufzug am Bahnhof

Der Deutsche Bahnkunden-Verband e.V. (DBV) Berlin-Brandenburg fordert von der Deutschen Bahn Station & Service mehr Inklusion und Barrierefreiheit. Zwar habe sich beispielsweise in Berlin „erfreulicherweise viel zum Guten getan“. Aufzüge, „die für gehbehinderte Menschen lebensnotwendig sind“, seien immer seltener gestört. Eine aktuelle Bestandsaufnahme habe ergeben, dass derzeit in der Hauptstadt von 84 überprüften Aufzügen auf der Stadtbahn und der Ringbahn nur zwei außer Betrieb seien.

Indes: Wenn Aufzüge erst einmal lahmen, kann es kompliziert werden. Diese Erfahrung machen ROLLINGPLANET-Redakteure in München immer wieder – und oft ist sogar an manchen U-Bahn und S-Bahn-Stationen nicht nur der Lift außer Betrieb, sondern gleichzeitig sind auch noch sämtliche Rolltreppen defekt, die man als geübter Paraplegiker-Rollifahrer alleine nutzen könnte.

Zuletzt musste sich unser Kollege Dirk von der Feuerwehr nach oben tragen lassen. Einige Tage später erwischte es ihm am Münchner Ostbahnhof – da lehnte es ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn sogar ab, Hilfe zu rufen. Dirk musste den nächsten Zug nehmen, um überhaupt fortzukommen, und erreichte sein Ziel nach vielen Umwegen mit einstündiger Verspätung.

Was regen Sie sich denn so auf?

Und: „Wenn ein Aufzug erst einmal defekt ist, dauert es oft Wochen, manchmal sogar Monate, bis er repariert ist“, kritisiert der DBV und weist auf einen aktuellen Fall hin: Der einzige Aufzug zum S-Bahnsteig in Potsdam Hbf ist bereits seit zwei Wochen nicht nutzbar und soll es noch für mindestens zwei weitere Wochen bleiben. „Entstörung von Aufzügen darf in der Regel nur eine Sache von Stunden sein“, fordert der DBV.

In München, so unsere Beobachtung, hat es tatsächlich ebenfalls schon Monate gedauert, bis Fahrstühle und Aufzüge repariert wurden. Die Erklärung auf Nachfrage lautete stets: Probleme bei der Lieferung von Ersatzteilen. Außerdem lautet der Tenor bei den Antworten: Wieso regen Sie sich denn so auf? Wir können auch nichts dafür.

Ähnlich ergeht es bundesweit Betroffenen. Der DBV etwa nennt als Beispiel eine Rollstuhlfahrerin, die am 18. Juni von Berlin in das Ernst-von-Bergmann-Klinikum nach Potsdam wollte: „Allen Ernstes ist ihr von der DB-Mobilitätszentrale erst für den 19.6. (einen Tag später!) eine Verbindung genannt worden, bei der ihr Hilfe zugesichert werden könne.“

Neues Aufzugsmanagement gefordert

Der DBV kritisiert: „Mit kaputten Aufzügen werden behinderte Menschen, die mit Rollstühlen oder Rollatoren unterwegs sind, von der Benutzung der Bahn ausgeschlossen. Dieser Umstand widerspricht der politischen Forderung nach Inklusion behinderter Menschen und der Teilnahme am öffentlichen Leben. Aber auch im weitesten Sinne mobilitätseingeschränkte Menschen, die keinen technische Hilfsmittel benötigen wie Eltern mit Kinderwagen oder Fahrradfahrer sind von defekten Aufzügen betroffen.“

Manfred Kurt Vormelker, Behindertenbeauftragter des DBV, ist überzeugt: „Es geht auch schneller! Schließlich schafft es die Berliner BVG, defekte Aufzüge oft innerhalb von wenigen Stunden zu reparieren. Sie hat ein Aufzugsmanagement, eine Vorratshaltung der gängigsten Ersatzteile und führt die Störungsbeseitigung selber durch. Da kommen Ersatzteile, wie es beim erwähnten Aufzug in Potsdam Hbf der Fall ist, nicht erst aus China (und womöglich auf dem Seeweg, weil das der billigste Transportweg ist?).“

Vormelker schlägt vor: „Es ist bedauerlich, wenn die Störungsbeseitigung bei DB Station & Service eine nachrangige Priorität hat. Vielleicht wäre ein gemeinsames Aufzugs- und Rolltreppenmanagement von BVG und Station & Service ein großer Fortschritt. Eine gemeinsame Koordination von anstehenden Wartungen könnte ebenso zu kürzeren Ausfällen führen wie eine zeitnahe Beseitigung von Störungen.“

(RP/PM)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

3 Kommentare

  • Heidi Rappold

    Ja, das habe ich letzten Dienstag in Heidelberg selber erlebt. Ich mußte dann risikoreich mit der Rolltreppe hoch und meine Begleitperson trug den Rollator. Ich war auch sehr verärgert. Am Donnerstag fuhr ich mit dem Fernbus mit, da war das eine tolle Sache, Rollator unten rein und ich in den Bus rein. Und der Bus ist viel billiger als die Bahn.

    23. Juni 2014 at 16:12
  • Jens Ortmann

    Liebe Redakteure,
    In Köln IST es bei der KVB auch nicht besser. Wenn man dann beim Service anruft muss man sich Kommentare anhören wie z. B. Wir können ja nichts dafür. Ist nicht unser Problem wenn Sie nicht auf den Bahnsteig kommen, wir sind ja nicht verpflichtet Sie zu befördern. Oder ich das wissen wir der ist schon länger defekt.
    Ist mir in Köln Kalk passiert auf dem Weg nach Merheim. Die nächste Station ist erst in Höhenberg an der Frankfurter Strasse.
    Die passenden Rolltreppen sind seit Mitte 2013 durch den TÜV Rheinland außer Betrieb gesetzt.
    Und dann fahren Sie im Rollstuhl mal nach Hause. Danke liebe KVB für den Sport, habe nur leider kein Handbike, sondern einen normalen Rollstuhl. Bin Paraplegiker mit Schädigung beider Arme zusätzlich, wurde durch die Fahrt noch verschlimmert.
    Danke dafür

    23. Juni 2014 at 17:10
  • Handbiker

    Die Deutsche Bahn sollte vieleicht mal anfangen Rampen statt aufzüge zu bauen. Die Schweizer machen das schon lange vor. Dort haben die Bahnhöfe überwiegend Rampen. Teilweise verlängert man nur die Treppe und macht aus ihr eine Rampe. Die sind zwar mitunter steiler als in Deutschland erlaubt ist, gehen aber nie kaputt. Einen netten Menschen der Schiebehilfe leistet, findet man an solchen Bahnhöfen auch ziemlich schnell.

    24. Juni 2014 at 09:16

KOMMENTAR SCHREIBEN