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Deutsche kriegen bis zu 25 Euro: WHO ruft zu mehr unbezahlten Blutspenden auf

Am 14. Juni ist internationaler Blutspendentag. Weltweit – auch in Deutschland – wird die Versorgung immer schwieriger.

Karl Landsteiner (14.6.1868-26.6.1943) entdeckte die Blutgruppen

Karl Landsteiner (14.6.1868-26.6.1943) – hier seine Bronzebüste in der Polio Hall of Fame – entdeckte die Blutgruppen

Weltweit spenden immer mehr Menschen regelmäßig und unbezahlt Blut, um anderen zu helfen. Trotz erheblicher Fortschritte reichen solche freiwilligen Spenden aber in mehr als 70 Ländern bei weitem nicht aus, um den Bedarf an lebensrettenden Transfusionen zu decken. Darauf machte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus Anlass des diesjährigen Welt-Blutspendetages (14. Juni) aufmerksam.

Karl Landsteiner

Der Welt-Blutspendentag erinnert auch an einen großen Mediziner: An 14. Juni 1868 wurde Karl Landsteiner geboren (er starb 1943).

Der Österreicher entdeckte 1901 die Blutgruppen, wofür er 1930 den Nobelpreis für Medizin erhielt. 1940 fand er außerdem mit Alexander Solomon Wiener den Rhesusfaktor.

Gemeinsam mit Erwin Popper gelang ihm außerdem der Nachweis, dass Kinderlähmung eine infektiöse Krankheit ist und durch Injektion von Rückenmarkflüssigkeit eines an der Krankheit verstorbenen Kindes auf Affen übertragen und von einem Tier zum nächsten übertragen werden kann.

Für seine bahnbrechenden Erkenntnisse, die als Grundlage für die Poliobekämpfung gelten, wurde er posthum in die Polio Hall of Fame in Warm Springs (Georgia) aufgenommen, die im Januar 1958 eingeweiht wurde.

In rund 60 Ländern sei das WHO-Ziel einer hundertprozentigen Bereitstellung der benötigten Blutmengen durch unbezahlte Spenden inzwischen verwirklicht, teilte die UN-Sonderorganisation am Mittwoch in Genf mit. Für alle Staaten der Welt wird dies bis zum Jahr 2020 angestrebt.

Deutschland gehört allerdings nicht dazu. Bei uns sind pauschalierte Aufwandsentschädigungen für Fahrten zu Blutspenden in Höhe von bis zu 25 Euro üblich. Blutspenden, für die solche Vergütungen gezahlt werden, erkenne die WHO jedoch nicht als unentgeltlich an, erläuterte der Sprecher der Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes, Friedrich-Ernst Düppe.

Deutschland: Versorgung immer schwieriger

Nach einer Studie des DRK-Blutspendedienstes wird im Jahr 2030 das Spendenaufkommen um 11,1 Prozent niedriger ausfallen als noch im Jahr 2007. Gleichzeitig wachse der Bedarf an Blutpräparaten um 14,5 Prozent. Der medizinische Fortschritt lasse den Bedarf an Blut oder einzelnen Bestandteilen steigen, erklärten die Experten.

Das DRK sichert mit 3,8 Millionen Blutspenden jährlich 80 Prozent der Blutversorgung in Deutschland und ist nach eigenen Angaben die einzige der großen Hilfsorganisationen, die Blutspendetermine organisiert. 2012 seien es mehr als 2600 mobile Termine gewesen. In Hessen und Baden-Württemberg stellt das DRK sogar 90 Prozent der Blutversorgung sicher.

Aufgrund der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung sterben viele Spender weg, junge Leute seien aber auf Dauer schwer zu mobilisieren.

Besonders niedrig sind laut DRK die Spenderzahlen in sehr großen Gemeinden mit einem hohen Altersdurchschnitt, einer hohen Arbeitslosigkeit und vielen Menschen mit Migrationshintergrund.
Stärkste Gruppe unter den Spendern sind die 41- bis 50-Jährigen. Im Alter von 18 bis 30 Jahren spenden mehr Frauen, ab dem 31. Lebensjahr sind es überwiegend Männer.

Deutschland unter den Top 5

Regelmäßige freiwillige Spender sind der WHO zufolge die sicherste Quelle für Blut, da bei ihnen erfahrungsgemäß seltener als im kommerziellen Bereich durch Blut übertragbare Krankheitserreger festgestellt werden. „Blut von freiwilligen unbezahlten Spendern ist der Eckpfeiler einer sicheren und ausreichenden Versorgung in allen Ländern“, erklärte Neelam Dhingra, die WHO-Koordinatorin für Sicherheit bei Transfusionen.

Mit mindestens 30 Blutspenden pro 1000 Einwohner lagen Deutschland und viele weitere EU-Länder im Jahr 2011 nach WHO-Daten in der besten von fünf Gruppen. Dennoch ist die Versorgung in Deutschland gefährdet (siehe Kasten oben). In vielen Ländern Afrikas gab es dagegen weniger als 5 Spenden pro 1000 Einwohner.

(dpa, Foto: Wikipedia/Henry Lytton Cobbold)

Keine Angst vorm ersten Mal – So funktioniert die Blutspende
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1 Kommentar

  • Thomas

    Das Problem ist IMO, dass man immer irgendwo hin fahren muss, um Blut zu spenden. Die entsprechenden Kliniken liegen meist außerhalb der Kernstadt, ich müsste z.B. 20 Minuten zum nächsten Krankenhaus fahren, über das Gelände streifen und anschließend wieder zurückfahren und das alles für zehn bis 15 Minuten Blutspende. Wenn ich in dieser Stunde arbeite verdiene ich mehr als die Aufwandsentschädigung, ohne mich vom Fleck zu bewegen. Die Sache sollte einfach mobil werden, z.B. könnte man die Unternehmen regelmäßig mit mobilen Blutspendedieten abklappern, dann würden auch mehr Leute spenden und der Aufwand hielte sich in Grenzen.

    14. Juni 2013 at 13:18

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