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Deutscher FKK-Chef betont: „Wir haben nichts gegen behinderte Menschen“

(Foto: Rüni/pixelio.de)

Kurt Fischer, Präsident des DFK (Deutscher Verband für Freikörperkultur), widerspricht dem Vorwurf, dass FFK-Vereine sich nicht ausreichend bemühen.

Stefan S. ist aufgrund einer angeborenen spastischen Lähmung auf den Rollstuhl und bei bestimmten Tätigkeiten auf Hilfe von anderen Personen angewiesen. In einem Anfang Januar auf ROLLINGPLANET veröffentlichten Erfahrungsbericht – der naturgemäß subjektiv ausfällt – beschreibt er seine Versuche, einen geeigneten FKK-Verein zu finden.

„Also fuhr ich an den FKK-Badesee nach Grafenrheinfeld. (…) Als ich da mit meinem Elektro-Rollstuhl ankam, kam ich mir vor, wie einer vom anderen Stern. Ich bin es ja gewöhnt, dass Leute gaffen, wenn sie einen Rollstuhlfahrer sehen, aber so extrem hab ich es selten empfunden. Ich konnte dann sogar das Getuschel hören: ‚Was will der hier? Kennt Ihr den? Der hat es bestimmt nicht leicht im Leben wegen der Behinderung’… usw.“

Sein Ausflug in die Welt der Freikörperkultur deprimiert ihn:

„Als ich anfing mich auszuziehen, was im Rollstuhl nicht so leicht und schnell geht, sah man mir zwar sehr interessiert zu, aber keiner kam auf die Idee, dass ich Hilfe brauchen könnte. Gut! Das mit dem Hilfe anbieten kann ich nicht erwarten, und ich weiß auch, dass die meisten Menschen vor Behinderten Angst haben und deswegen, lieber so tun, als sehen sie nichts, jedoch fleißig weiter gaffen. Die Höhe ist, dass es vorkommt, wenn ich gezielt Leute höflich bitte, ob sie mal mit anpacken würden, die Antwort ‚Nein, verpiss Dich!’ oder ‚Such dir einen anderen Deppen. Ich bin nicht dein Pfleger!’ Ich möchte klarstellen, dass ich es gut verstehen kann, wenn jemand sagt, dass er das nicht möchte oder nicht kann, aber doch bitte im normalen freundlichen Ton, denn ich frage ja auch höflich.“

Stefan wendet sich an den DFK. Doch auch das Gespräch mit dessen Präsidenten Kurt Fischer – so Stefan – habe keinen konkreten Hinweis auf einen bautechnisch geeigneten FKK-Verein erbracht. Stefan schließt seinen Bericht deshalb mit einem Appell an die Clubs: „Öffnet Euere Türen für Behinderte, schafft barrierefreie Vereinsgelände, geht gezielt auf Behinderte zu und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Integration von FKKlern mit einer Behinderung!

Ganzen Bericht lesen: FKK mit Behinderung – wie geht das?

Und das entgegnet DFK-Präsident Kurt Fischer

(Der Text erreichte uns per Mail)

„Gerade komme ich von einer Messe in Utrecht, Holland zurück, auf der der DFK mit anderen Föderationen geworben hat.

Die bei Ihnen abgedruckte angebliche Meinung von mir entspricht nicht bzw. nur zum Teil den Äußerungen, die ich zu diesem Thema gebe. An den Verfasser erinnere ich mich nur noch sehr ungenau, weil schon zu lange zurückliegend. Aber die geschriebene Tendenz ist immer die gleiche: Es werden Äpfel mit Birnen verglichen! Und das von jemandem, der es besser wissen sollte, eben weil er im Rollstuhl sitzt.

Dies wurde mir wieder auf der Messe in Utrecht bestätigt: Mich haben dort zahlreiche Rollstuhlfahrer angesprochen und gefragt, wo und mit welcher Möglichkeit sie ein FKK-Gelände, kommerziell betrieben oder auch als Verein, in Deutschland nutzen können. Die Gespräche und meine Hinweise waren immer sachlich und freundlich von beiden Seiten geführt und oft von den Rollstuhlfahrern noch verstärkt mit dem Hinweis: Barrierefrei ist noch lange nicht wirklich barrierefrei, auch nicht in Hotelanlagen oder Schwimmbädern oder sonstigen öffentlich zugänglichen Gebäuden.

Dazu gab man mir Beispiele: z.B. Barrierefrei im zweiten Stock eines Veranstaltungsgebäudes, aber ohne Fahrstuhl!“

ROLLINGPLANET: Wie barrierefrei ist die deutsche FKK-Szene? Was kann Ihr Verband dazu beitragen, dass es mehr Barrierefreiheit gibt?

„Der DFK ist ein FKK-Sport-Dachverband, getragen von seinen FKK-Vereinen und FKK-Verbänden. Die Vereine sind nicht nur gesetzlich selbstständig und selbstverantwortlich, sie sind auch sehr unterschiedlich.

Im DFK sind über diese Vereine zahlreiche Behinderte und Rollstuhlfahrer und deren Familien Mitglied. Jeder dieser mit einer Einschränkung lebenden Mensch hat sich in seinem Umfeld mit den Problemen der Barrierefreiheit auseinandergesetzt und tut dies heute noch.

Zahlreiche Vereine haben die Gelegenheit von Sanierungen genutzt und haben – wo dies technisch und finanziell möglich war – nicht nur z.B. Höhenunterschiede beseitigt, sondern auch räumliche Umbauten vorgenommen, aber… das geht weder überall, noch kann ein Dachverband dies fordern.

Darum hat der DFK mit seinen Landesverbänden schon vor Jahren eine Diskussion angeregt und die Vereine aufgefordert und Material an die Hand gegeben, wie man Barrieren und Hindernisse beseitigen kann. Und dies wurde, je nach den finanziellen Möglichkeiten, oft auch umgesetzt.

Damit kommen wir zu einem weiteren Thema. Der DFK ist Mitglied im DOSB und dort in der Verbändegruppe mit besonderen Aufgaben. In dieser Verbändegruppe ist auch der Verband ‚Spezial-Olympics‘ Mitglied, ein Verband, der sich sportlich und kulturell um geistig behinderte Menschen kümmert.

Dem DFK und somit auch seinen Mitgliedern sind alle diese Menschen mit Einschränkungen weder unbekannt noch gleichgültig.

Kommentar meiner Vizepräsidentin: ‚Auf unserem Gelände tummeln sich Schwerbehinderte, teilweise sichtbar, und sind voll akzeptiert. Außerdem, viele Ältere können irgentwann im Rollstuhl sitzen und wollen dann doch nicht aus ihrem Verein gehen sondern bleiben, solange es irgendwie noch geht oder möglich ist.'“

ROLLINGPLANET: Sind FKK’ler tatsächlich so abweisend und wenig tolerant, wie in dem Erfahrungsbericht beschrieben, wenn sie nackten behinderten Menschen begegnen?

„FKK’ler sind nicht nur eine Minderheit in der Gesellschaft, sie sind auch keine besonderen Menschen, sondern normale. Sie sind Menschen wie Du und ich, mit und ohne Macken und sie sind in der Regel durchaus sehr tolerant und somit auch nicht abweisend, gegen wen auch immer.

Aber die Frage ist doch: Wie geht man miteinander um? Und dazu gehört der Respekt dem anderen gegenüber, auch der Respekt in Wort und Tat durch den behinderten Menschen gegenüber den anderen, von denen er Respekt erwartet. ‚Geben und nehmen‘ sind die Vokabeln, nicht ‚Nein, verpiss Dich!‘ oder ‚Such dir einen anderen Deppen. Ich bin nicht dein Pfleger!‘ Diese Worte hat Stefan S. garantiert nie auf einem FKK-Gelände zu hören bekommen!

Der abgedruckte Text des Stefan S. ist voller Allgemeinplätze bis hin zum von ihm zitierten: ‚Nackt sind wir alle gleich‘ und seiner Interpretation dazu. Der Wortsinn bedeutet doch, dass – ohne Hüllen – wir alle gleich sind, nämlich nackt, aber noch lange nicht gleichgemacht sind.

Wenn es so einfach wäre, dass mit dem Fallen der Kleidung es nur noch ‚gute‘ Menschen gäbe, dann hätten wir fast das Paradies wieder zurück. Aber so einfach ist das eben nicht. Es bleibt die Verantwortung eines jeden von uns für das was er tut, wohin wir sehen oder eben wegsehen, was wir fühlen und was wir verantworten.

Und noch ein Irrtum vom Schreiber möchte ich ansprechen: Nichtbehinderte Menschen haben keine Angst im Umgang mit z.B. Rollstuhlfahrern, sie sind einfach unsicher, weil sie sich oft nicht sicher sind, wie sie mit diesem Menschen umgehen sollen. Das ist keine Angst, das ist Unsicherheit. Und da hilft ganz sicher nicht Polemik oder Mutmaßung über was wäre, wenn…. Aber korrekte Information kann weiterhelfen.“

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