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Deutscher Gehörlosen-Bund: Jubel mit Frust

Stell Dir vor, Du gibst eine Pressekonferenz – und nur zwei Journalisten kommen. Bei der Aktion Gebärdensprache ist genau das passiert.

Eine frustrierende Pressekonferenz: Rudolf Sailer (stehend), Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes (Foto: Deutscher Gehörlosen-Bund e.V.)

Eine frustrierende Pressekonferenz: Rudolf Sailer (stehend), Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes (Foto: Deutscher Gehörlosen-Bund e.V.)

Katerstimmung: Fast eine Woche lang hat der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. gebraucht, um den Schock zu verdauen, dass seine „Aktion Gebärdensprache“ ein voller Erfolg war (in der Szene) – und ein totaler Flop in den Medien.

Am vergangenen Freitag (14. Juni 2013) waren in Berlin laut dem Verband 12.000 (laut ersten Polizei-Schätzungen: 7.000 bis 8.000) Menschen, die aus ganz Deutschland angereist waren, auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten gegen die Benachteiligung tauber Menschen und für die vollständige Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache.

Die vom Deutschen Gehörlosen-Bund initiierte Aktion war damit die bisher größte Demonstration Gehörloser und anderer Menschen mit Hörbehinderung in Deutschland überhaupt.

Viel Aufwand – wenig Medieninteresse

Die Presse hat das wenig beeindruckt – weder vor noch nach der Veranstaltung. Bereits einen Tag vor der Demo in Berlin hatte der Deutsche Gehörlosen-Bund stellvertretend für die Betroffenen ein Desaster erlebt: Zu der mit viel Aufwand und immerhin von Klaus Vater, einem ehemaligen stellvertretenden Sprecher der Bundesregierung, moderierten Pressekonferenz kamen – ganze zwei Journalisten (ROLLINGPLANET berichtete). Auch nach dem Ereignis blieb das Interesse der Medien mau.

In einer Stellungnahme zeigt sich der Deutsche Gehörlosen-Bund nun ebenso enttäuscht wie kämpferisch: „In der Presse – und in der Politik – wurde die beeindruckende Demonstration mit ihrer überwältigenden Beteiligung nur sehr bescheiden rezipiert, was angesichts der Aktualität gerade in Zeiten eines beginnenden Wahlkampfes beschämend ist: Dennoch bleibt es die Aufgabe der politisch Verantwortlichen, den Forderungen der 12.000 ,Gehör zu verschaffen‘, denn Gebärdensprache ist Menschenrecht!“.

(RP)

Kultur & Medien
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2 Kommentare

  • Klaus-Peter Boehmlaender

    Da ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten!

    21. Juni 2013 at 15:21
  • Moritz

    Was? Eine PK zu einer Demo in Berlin? Und kein Schwein interessierts? Bleibt die Frage, ob der DGB etwas von Pressearbeit versteht. Ich glaube nicht, dass niemand sich für DGS interessiert, gibt ja genügend Berichte dazu. Aber eine Demo ist in Berlin ungefähr so häufig wie Regen, das darüber niemand berichtet überrascht nicht besonders.

    21. Juni 2013 at 18:15

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