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Deutschland erstes Fußball-Leistungszentrum für geistig behinderte Menschen eröffnet

La Ola! Ein Pilotprojekt der Gold-Krämer-Stiftung begeistert ROLLINGPLANET.

Er ist der sportliche Leiter des Pilotprojekts: Willi Breuer (l.) war deutscher Fußball-Nationaltrainer für Menschen mit geistiger Behinderung, hier mit Christoph Daum, der bei der Heim-WM 2006 als Co-Trainer fungierte (Foto: dpa)

Er ist der sportliche Leiter des Pilotprojekts: Willi Breuer (l.) war deutscher Fußball-Nationaltrainer für Menschen mit geistiger Behinderung, hier mit Christoph Daum, der bei der Heim-WM 2006 als Co-Trainer fungierte (Foto: dpa)

Fangen wir zum Beispiel mit Pelé an, den heute keiner kennen würde, wäre er nicht irgendwann diesem runden Ding begegnet. Von einigen Superstars wissen wir, dass sie ihrer Armut entkommen sind, weil sie besser dribbeln und schießen konnten/können als andere.

Man muss dazu nicht in entfernte Länder wie Brasilien schauen – auch ein Weltfußballer-Kandidat wie Franck Ribéry aus der Industrienation Frankreich schuftete als Bauarbeiter in ärmlichen Verhältnissen, als ihm der Ball auf den Fuß fiel. Oder nehmen wir Franz Beckenbauer aus München-Giesing, wo auch nicht gerade die große, schillernde Welt daheim ist.

Ist das nicht eine aufregende Idee? Statt „Ich lebte in den Favelas von Rio de Janeiro, hatte nichts zu fressen, als mich der Fußball rettete“ erzählt eines Tages ein Star: „Ich lebte in einer Werkstatt für behinderte Menschen, hatte keine Chance auf den Ersten Arbeitsmarkt, als mich der Fußball rettete.“

Einzigartiges Pilotprojekt

Falls das eines Tages geschehen sollte, hat sich die Gold-Kraemer-Stiftung aus Frechen bei Köln eine echte Goldmedaille verdient. Die gemeinnützige Stiftung zur Förderung geistig und körperlich behinderter sowie armer, alter und kranker Menschen wurde 1972 durch das Ehepaar Paul R. und Katharina („Käthe“) Kraemer gegründet. Zahlreiche Inklusionsprojekte hat sie seither unterstützt – und das neueste Engagement gehört jetzt schon in die Sportschau.

Die Gold-Kraemer-Stiftung fördert das Fußball-Leistungszentrum (FLZ) Frechen, das aktuell die gezielte Talentförderung für Fußballspieler mit sogenannter geistiger Behinderung (kognitiven Beeinträchtigungen) startet. Ein einmaliges Pilotprojekt in Deutschland. Nach dem Leitsatz „Trainieren wie die Profis“ sind in Frechen optimale Bedingungen für die Kicker aufgebaut worden. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und die Bundesagentur für Arbeit sind beteiligt.

Das sind die Konditionen

Die Spieler müssen 18 Jahre alt, geistig behindert und natürlich fußballerisch talentiert sein. Sie leben im FLZ im betreuten Wohnen und erhalten einen „Spielervertrag“, der dem Ausbildungsvertrag mit einer Behindertenwerkstatt gleicht. Dort werden sie auch auf ihre Arbeit nach der Fußballkarriere vorbereitet.

Im FLZ werden die gleichen Schwerpunkte wie in einer normalen Fußballmannschaft gesetzt, da die Teilnehmer auch zum „kompletten Spieler“ ausgebildet werden sollen.

Der entscheidende Unterschied: Die Spieler werden einzeln anhand ihrer Fähigkeiten und ihrer Behinderung evaluiert, damit sie ihrem Leistungsstand entsprechend bei anderen Vereinen mitspielen können. Jeder Spieler erhält also die Möglichkeit, mit Ausrichtung auf seinen Trainings- bzw. Arbeitsplan, am Regelbetrieb eines „normalen“ Fußballvereins teilzunehmen.

Für Interessierte

Wer am Programm des Fußballleistungszentrums der Gold-Kraemer-Stiftung teilnehmen möchte, muss dauerhaft vor Ort wohnen. Hierfür stehen im Tulpenweg in einem Appartementhaus der Gold-Kraemer-Stiftung in Frechen-Buschbell, Ein- bis Zweipersonen-Appartements zwischen 45-60 qm mit Wohn,- Schlafzimmer und Bad zur Verfügung. Je nach Bedarf erhalten die Teilnehmer eine pädagogische Assistenz.
Ausgenommen von der Unterkunft sind nur solche Sportler, die in unmittelbarer Nähe zu Köln wohnen und so regelmäßig an den Trainingseinheiten teilnehmen können. Bei Schulpflicht besteht die Möglichkeit vor Ort zur Schule zu gehen. Außerdem wird der Besuch einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung angeboten.
Bei Fragen steht Ihnen Malte Strahlendorf zur Verfügung.
Tel.: 022 34/93 303 406
Email:[email protected]

Willi Breuer ist sportlicher Leiter

Die sportliche Leitung des FLZ Frechen hat Willi Breuer, ehemaliger Nationaltrainer der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der INAS FID 2006 in Deutschland, der Fußball-Weltmeisterschaft für Fußballer mit geistiger Behinderung.

„Langfristig werden wir bis zu 24 Teilnehmer im FLZ fördern. Unser Ziel ist der Aufbau eines wettbewerbsfähigen Kaders, der den Fußballern neben der festen Teilnahme am Fußball-Liga-Betrieb auch die Chance eröffnet, sich für die Deutsche Nationalmannschaft zu empfehlen“, so Breuer, der zur Zeit auch die 1. Fußball-Frauenmannschaft des 1. FC Köln trainiert.

Ab sofort läuft die bundesweite Bewerbungsphase an. Gesucht werden Fußballtalente in Fußballvereinen, in den Förderschulen und integrativen Schulen, in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung und in geschützten Wohneinrichtungen.

ROLLINGPLANET hat für die Gold-Krämer-Stiftung noch einen taktischen Vorschlag für den Angriff: Laden Sie mal den Romario zum Probetraining ein. Der kommt bestimmt…

Video: DasErste

(RP/Quelle: ARD)

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2 Kommentare

  • Sachsen Paule

    Ein Projekt das zum scheitern verurteilt ist

    Kein Landesverband schickt seine besten Spieler dahin. Wir würden uns ja die eigene Grundlage unserer Arbeit wegnehmen.

    Siehe aktuell die Teilnehmer im FLZ in Frechen = 4 Spieler!

    Und noch eine kleine Anmerkung am Rande:
    Im Fußball für geistig Behinderte Spieler gibt es keine „Profis“ und man sollte den Jungs auch solch einen Mist nicht erzählen.
    Die Spieler sind nachher nur noch mehr enttäuscht.

    1. Oktober 2013 at 03:17
  • Christoph Rohde

    Wie ist es im behinderten Fußball. Dürfen behinderte auch normalen Fußball spieln. Es kommt öfter im normalen Fußball zu bevorzugenen im normalen Fußball der behInseraten

    4. Juni 2014 at 21:30

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