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Die Aldi-Babys kommen: Künstliche Befruchtung soll nur 200 Euro kosten

Neues Verfahren setzt auf billigere Ausstattung: Zehn Mal günstigere Methode dank Zitronensäure und Natriumbicarbonat.

Künstliche Befruchtung (Foto: iwdn)

Künstliche Befruchtung (Foto: iwdn)

Die Kosten einer künstlichen Befruchtung können laut Wissenschaftlern des Genk Institute for Fertility Technology um Tausende britische Pfund auf rund 170 Pfund (umgerechnet 200 Euro) reduziert werden. Zwölf Kinder wurden bisher nach Angaben der BBC mit Hilfe dieses Verfahrens geboren. Dabei wird teure medizinische Ausstattung durch einfache Zutaten ersetzt.

So viel kostet die künstliche Befruchtung bisher

Eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ist teuer. Mit etwa 2000 Euro rechnet der Gynäkologe Ulrich Hilland aus Bocholt für die IVF, rund 500 Euro mehr veranschlagt er über den Daumen gepeilt für die ICSI-Therapie.
„Das sind Durchschnittswerte für einen Behandlungszyklus“, sagt der Vorsitzende des Bundesverbands Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands (BRZ) – oft werde es noch kostspieliger. Die Kriterien der Kassen zu erfüllen, das hoffen daher viele Paare. Denn der Eigenanteil pro Versuch liegt in jedem Fall bei mehr als 1000 Euro.
Andererseits, findet ROLLINGPLANET: So viel Geld sollte man schon haben und ausgeben wollen, wenn man ein Baby haben will und es auf natürlichem Wege nicht klappen sollte.

Ähnlich hohe Erfolgsrate

Die auf einer Tagung der European Society of Human Reproduction and Embryology in London präsentierten Daten legen nahe, dass die Erfolgsrate bei diesem Verfahren ähnlich hoch ist wie bei einer konventionellen künstlichen Befruchtung. Die Experten betonten, dass damit ein großes Potential für die In-vitro-Fertilisation (IVF) in den Entwicklungsländern entsteht.

Fruchtbarkeitsbehandlungen sind nicht billig (siehe Kasten oben). Große Mengen an Kohlendioxid sind für die Kontrolle der Säurewerte der wachsenden Embryos erforderlich. Das wird mittels Kohlendioxid-Inkubatoren, medizinischem Gas und Luftreinigung durchgeführt.

Zitronensäure und Natriumbicarbonat

Die Forscher des Genk Institute for Fertility Technology mischen im Gegensatz dazu billige Zitronensäure und Natriumbicarbonat und stellten so Kohlendioxid her.

Der leitende Wissenschaftler Willem Ombelet betont: „Unsere ersten Ergebnisse legen nahe, dass die Methode mindestens so gut ist wie eine normale künstliche Befruchtung.“ Auf der Tagung wurde eine Schwangerschaftsrate von 30 Prozent bekannt gegeben, sie entspricht in etwa denen der IVF.

Zehn Mal günstiger als bisher

Die Forscher gehen davon aus, dass die Kosten künstlicher Befruchtung auf zehn bis 15 Prozent der derzeit in westlichen Ländern gültigen Summen gesenkt werden können. Das neue Verfahren kann jedoch eine konventionelle künstliche Befruchtung nicht vollständig ersetzen. Es kann bei Männern mit schwerer Unfruchtbarkeit nicht eingesetzt werden, die eine Behandlung mit einem komplexeren Verfahren benötigen, die so genannte intrazytoplasmische Spermainjektion. Generell sollt laut Ombelet jedoch eine Fruchtbarkeitsbehandlung weltweit möglich sein.

Chance für Entwicklungsländer

„Hat man in Afrika, Südamerika oder Asien kein Kind, ist es eine Katastrophe. Es ist eine wirtschaftliche, aber auch eine psychologische Katastrophe. Menschen werden aus der Familie geworfen. Sie brauchen Hilfe und niemand hilft ihnen,“ so Ombelet. „Auch in den reichen Ländern der westlichen Welt können sich viele Paare eine künstliche Befruchtung einfach nicht leisten.“

Daher gebe es auch großes Interesse an den aktuellen Studienergebnissen. Laut den Wissenschaftlern gibt es bereits Anfragen aus den Vereinigten Staaten. Jetzt planen die Wissenschaftler erste Tests in Ghana, Uganda und Kapstadt.

(RP/pte)

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