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Die Bundeskanzlerin besichtigt Inklusion für die Kleinen

Die Kita „Rasselbande“ in Neumünster setzt auf Sprachförderung und Integration von behinderten Kindern. Ihr Dankeschön: eine Stippvisite von Angela Merkel. Von Wolfgang Schmidt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaut sich eine Tanzaufführung von Kindern im Kindergarten Ruthenberger Rasselbande an (Foto: David Hecker/dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaut sich eine Tanzaufführung von Kindern im Kindergarten Ruthenberger Rasselbande an (Foto: David Hecker/dpa)

Die Kanzlerin bei der „Rasselbande“: Angela Merkel knöpft sich aber keine aufmüpfigen Politiker aus den eigenen Reihen vor – sie besucht in Neumünster aufgeweckte und aufgeregte Mädchen und Jungen in einer Kita.

Die evangelische Einrichtung „Rasselbande“ wurde auserwählt, um der Regierungschefin zu zeigen, wie gut Kinderbetreuung funktionieren kann. Während in Berlin die politischen Debatten um Betreuungsgeld, ein familienfreundlicheres Arbeitsleben und Frauenquoten die Gemüter erhitzen, macht Merkel an diesem Mittwoch im grimmig-kalten Schleswig-Holstein den Praxistest.

Wenn das Kinderparlament berät

Besonders die Fotografen freut’s: Es gibt selten Merkel-Bilder mit Kindern. Im Garten schaut sie den Kleinen kurz beim Rodeln zu, einige rutschen ihr fast vor die Füße. Merkel wird eine Vorzeige Kita präsentiert, und die Kleinen bereiten der kinderlosen Kanzlerin bei Temperaturen unter Null einen warmherzigen Empfang mit schüchternem „Hallo“-Gesang.

Drinnen zeigen sie ihr eine bunte Deutschland-Karte, lassen den Babysitter-Boogie erklingen und demonstrieren Mitbestimmung auf ihre Art: Das Kinderparlament berät, was in der Osterwerkstatt gebastelt werden soll. Schreibende Journalisten sind ausgesperrt, sie bekommen von Merkel nur ein kurzes Abschluss-Statement zu hören.

Sprachförderung und Inklusion

Theater machen? Das kann Angie auch! Nur an dem Lachen sollte sie vielleicht noch ein wenig arbeiten... (Foto: David Hecker/dpa)

Theater machen? Das kann Angie auch! Nur an dem Lachen sollte sie vielleicht noch ein wenig arbeiten… (Foto: David Hecker/dpa)

Die „Rasselbande“ bietet ziemlich viel von dem, was man von einer modernen Kita erwartet. Sie setzt Schwerpunkte auf Sprachförderung und die Integration behinderter Kinder (Inklusion) – in einer Gruppe von Drei- bis Sechsjährigen und im Hort für bis zu 14 Jahre alte Mädchen und Jungen.

Schon die ganz Kleinen werden spielerisch ans Lesen herangeführt. Es gibt einen Papa-Kind-Club, einen Eltern-Kind-Treff, zweimal in der Woche Kinderturnen, ein Elternteam, das die Bücherei organisiert und Kleiderbörsen veranstaltet sowie monatliche Besuche von Senioren, die mit den Kindern frühstücken und singen.

In ihrem Statement vor der Sprossenwand lobt Merkel den integrativen Ansatz und das Engagement der Beteiligten. „Es ist nur eines von vielen Beispielen in Deutschland“, sagt sie auch. „Mein Besuch soll auch ein Dankeschön sein.“

Viele ziehen an einem Strang

Glaube und Religion sind in der Kita stets präsent – „Mit Gott groß werden“ ist das Motto. Die 124 Kinder haben ganz unterschiedliche soziale, kulturelle und religiöse Hintergründe. Etwa 60 Prozent von ihnen stammen aus Einwandererfamilien, berichtet Kita-Leiter Dietrich Mohr. „Seit dem 28. Februar wissen wir von dem Besuch – und seitdem rotiert’s hier.“

Das Ganze funktioniert nur, weil sich Eltern stark engagieren, Sportvereine, Behindertenverbände, die Diakonie und andere mit im Boot sind. Um die Erziehung der Kinder kümmern sich nicht nur Frauen, sondern auch mehrere Männer, darunter Freiwilligendienstleistende (Bufdis).

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

„Der Kita-Ausbau für unter Dreijährige ist ein Meilenstein auf dem Weg zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sagt Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (SPD), die mit der Kanzlerin die Kita besucht. Für diese Altersgruppe gilt ab August ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

„Für uns ist jedes Kind ein Schatz, der entwickelt werden muss“, sagt Merkel zum Abschluss ihres Besuchs. Nach rund 100 Minuten ist ihre Stippvisite vorbei – und die „Rasselbande“ ist wieder unter sich.

(dpa)

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