""

Die Idee findet ROLLINGPLANET gut: Ausgleichsabgabe verdoppeln. Wieso nicht verzehnfachen?

Baden-Württembergs Landesbeauftragter kritisiert, dass sich alleine in seinem Bundesland mehr als 10.000 Firmen freikaufen.

Landesbeauftragter Gerd Weimer (Foto: Lebenshilfe Backnang)

Landesbeauftragter Gerd Weimer (Foto: Lebenshilfe Backnang)

Das Thema ist nicht neu, sondern ein notorisches Problem von Unternehmen: Mehr als jeder zweite größere Betrieb in Baden-Württemberg kauft sich nach Angaben von Gerd Weimer, Behindertenbeauftragter des Landes, von der Pflicht frei, Menschen mit Behinderung einzustellen.

Daher fordert eine Verdoppelung der Ausgleichsabgabe für Unternehmen, die ihrer Verpflichtung nicht nachkämen, berichten die „Stuttgarter Nachrichten“. ROLLINGPLANET findet die Idee gut, findet aber, man könnte die Strafe doch verzehnfachen. Warum eigentlich nicht? Wirkt mehr als jede Aufklärungskampagne.

So hoch (niedrig) ist derzeit die Ausgleichsabgabe

Die Ausgleichsabgabe gilt ohnehin nur für private und öffentliche Arbeitgeber mit 20 oder mehr Arbeitsplätzen. Dann sind sie verpflichtet, wenigstens 5 Prozent dieser Plätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. So niedrig sind die Strafen, wenn sie das nicht tun:


Anteil schwerbehinderter Mitarbeiter: 3 bis unter 5 Prozent
Ausgleichsabgabe pro Monat: 115 Euro.


Anteil schwerbehinderter Mitarbeiter: zwischen 2 und 3 Prozent
Ausgleichsabgabe pro Monat: 200 Euro


Anteil schwerbehinderter Mitarbeiter: unter 2 Prozent
Ausgleichsabgabe pro Monat: 290 Euro
Derzeit zahlten Unternehmen in Baden-Württember pro nicht-beschäftigten Schwerbehinderten im Schnitt 2100 Euro im Jahr. Im Südwesten seien das knapp 20.000.

Als Folge des Freikaufens machte Weimer eine höhere Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung aus: Diese sei mit 7,6 Prozent doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Handicap. „Die gute Wirtschaftslage der vergangenen Jahr geht an den Menschen mit Behinderung mehr oder weniger vorbei“, kritisierte Weimer.

(RP/dpa/lsw)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

1 Kommentar

  • Moe

    Da käme mir spontan das Wort Quotenbehinderter in den Sinn. Nehmen wir an, ich beschäftige 100 Leute, dann besorge ich mir 5 Schwerbehinderte auf 400-Euro-Basis, die Akten hin und her schaffen, kopieren, Kaffee kochen oder in irgendeinem Kellerbüro versauern. Als potentieller Arbeitgeber denkt man sich ja nur, Behinderte taugen nichts, wenn der Staat so viel Druck ausübt und so viele Hilfen anbietet, damit man sie beschäftigt. Sorry, aber mit dieser Art von Druck erriecht man höchstens eine Verschlechterung des Bildes von Behinderten. Es müssten eher Anreize geschaffen werden, wenn man Behinderte auf allen Ebenen beschäftigt, und zwar welche, die sich relativ einfach beantragen lassen. Man kann auch die Gewährung staatlicher Aufträge an die Beschäftigung von Behinderten binden.

    26. Juni 2013 at 09:20

KOMMENTAR SCHREIBEN