Die Paralympics haben ihren ersten Eklat

Das Athletendorf ist nicht komplett barrierefrei, und Michael Teuber hat die Schnauze voll. Radsportler Tobias Graf kann das jedoch egal sein: Er sprintet im Verfolgungsrennen zu Silber.

Radsportler Tobias Graf (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Tobias Graf hat nach Bronze zum Start seine zweite Medaille gewonnen – Silber. Der Baden-Württemberger musste sich im Finale der 3000-Meter-Einzelverfolgung nur dem Chinesen Liang Guihua geschlagen geben, der in Weltrekordzeit siegte. Nun peilt der 28-Jährige im Straßenzeitfahren sogar Gold an. Der Freiburger, der im Alter von zehn Jahren sein linkes Bein bei einem Unfall verloren hat, startet in London in der kommenden Woche noch im Straßenrennen und Einzelzeitfahren.

Der teilweise gelähmte Michael Teuber (44) verpasste in seiner Klasse C1 Bronze und war nicht einverstanden: „Ich bin schon enttäuscht“, räumte er ein, erhob aber zugleich wie schon in der Vergangenheit schwere Vorwürfe gegen den Weltverband UCI, von dem er sich bei der Klassifizierung seiner Behinderung seit langem benachteiligt fühlt. Ihm wurde verboten, eine Spezialschiene am Bein zu tragen. „Ich habe die Schnauze voll“, schimpfte er. Dennoch hofft er: „Im Straßenrennen will ich um Gold mitfahren“.

Randalierender Lokalmatador sorgt für Eklat

Da war die Welt noch in Ordnung: Jody Cundy vor den Paralympics (Foto: KAWA)

Entsetzt reagierte das Publikum, als der beinamputierte Lokalmatador Jody Cundy nach einem Startfehler ausgeschlossen wurde. Der Favorit im 1000-Meter-Zeitfahren machte die Technik für das Malheur verantwortlich, durfte aber nicht noch einmal antreten. Daraufhin randalierte der Brite im Innenraum der Halle, warf mit Wasserflaschen um sich und beschimpfte die Offiziellen. „Ich habe vier Jahre meines Lebens verschenkt, so eine Gelegenheit wird es nie wieder geben“, sagte Cundy.

Während alle Sportler begeistert von der Atmosphäre sind, gibt es bei den Duschen im Athletendorf kleinere Probleme mit der Barrierefreiheit. Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch. „Es ist unvorstellbar, welches Interesse die Spiele hier ausgelöst haben, das motiviert die Sportler ungemein“, sagte Karl Quade, Chef de Mission der deutschen Mannschaft: „Da arrangiert man sich, wenn es kleine Probleme gibt.“

(Britta Körber/Manuel Schwarz/dpa/dapd)


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