Die Personal-Chefin, die ihre Tasse nicht heben kann

Neue Kamapgne „Jobs für Menschen mit Behinderung“: Der ehemalige Topmanager Joachim Schoss hat ein breites Bündnis zusammenbekommen.

Petra Strack, die Personalleiterin von Aktion Mensch, macht heute den Auftakt in der „Bild“-Zeitung. (Foto: Aktion Mensch)

Petra Strack, die Personalleiterin von Aktion Mensch, macht heute den Auftakt in der „Bild“-Zeitung. (Foto: Aktion Mensch)

„Angst ist ein schlechter Ratgeber, Margret Suckale denkt lieber in Optionen.“ So beginnt eine Geschichte, wenn der „Tagesspiegel“ über eine „Topmanagerin“ (Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektorin bei BASF) berichtet.

„Die Personal-Chefin, die ihre Tasse nicht heben kann. Petra Strack (31) hat spinale Muskelatrophie und kümmert sich um 300 Mitarbeiter!“ So beginnt eine Geschichte, wenn „Bild“ das Thema „Trotz Behinderung voll im Job“ beginnt. Die Zeitung stellt ab heute in einer Serie fünf Menschen mit Behinderung vor, die eine Arbeit gefunden haben.

Die Story ist der Auftakt einer bundesweiten Kampagne „Jobs für Menschen mit Behinderung“, die von der Stiftung MyHandicap initiiert wurde. Ein wichtiges Anliegen, angesichts dessen man der „Bild“ ihren reißerischen Boulevardstil verzeihen kann. Vielleicht sollten wir ihr dafür sogar dankbar sein.

„Aktiv auf die Unternehmen zugehen“

Joachim Schoss (Foto: UnternehmensForum)

Joachim Schoss (Foto: UnternehmensForum)

Viele Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen seien offen dafür, Menschen mit Behinderung einzustellen, sagt Stiftungsgründer Joachim Schoss, ein ehemaliger Topmanager und Internet-Unternehmer. Häufig bestünden jedoch Berührungsängste, es fehlen Kenntnisse und Kontakte. Der Gründer der Scout 24-Groupe ist seit einem schweren Unfall im November 2012 in Südafrika selbst behindert. Er verlor damals seinen rechten Arm und sein rechtes Bein, seine Niere wurde schwer beschädigt.

Schoss sagt: „Meine Erfahrung zeigt: Wenn Arbeitgeber erst einmal die Berührungsängste verloren haben, stellen sie vielfach fest, dass hervorragende Leistungen erbracht werden, dass die Loyalität hoch ist und dass man sich ohne viel Aufwand auf die Behinderung einstellen kann. Wir wollen deshalb aktiv auf die Unternehmen zugehen.“

Bundesarbeitsministerin Nahles ist Schirmherrin

Zentrales Element der Kampagne „Jobs für Menschen mit Behinderung“ ist die Internet-Plattform www.myhandicap.de. Sie will einen Beitrag dazu leisten, die Vernetzung von potenziellen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit den Betrieben zu verbessern. Bewerberinnen und Bewerber können im Portal ein Persönlichkeitsprofil erstellen und dieses zur Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch verwenden.

„Menschen mit Behinderungen sollen ebenso am Arbeitsleben teilhaben wie alle anderen auch und ihre Fähigkeiten einbringen können“, sagt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (mit einem GdB von 50 auch eine von uns), die die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen hat: „Wir müssen dabei helfen, bei den Arbeitgebern zum Teil noch immer bestehende Vorurteile abzubauen und ganz konkret Wege aufzeigen, wie die inklusive Arbeitswelt gelingen kann.“

Partner sind die Bundesagentur für Arbeit (BA), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH), die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV), der GKV Spitzenverband sowie die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

(RP/PM)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

1 Kommentar

  • Ron Liebsch

    Und wenn sie dann noch dazugeschrieben hätten, dass das verdiente Geld wieder vom Sozialamt abgezogen bis auf Grundsicherungsniveau dann wäre es ein sinnvoller Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten gewesen. Schade. Chance verpasst.

    14. September 2015 at 18:24

KOMMENTAR SCHREIBEN