Die „Stehaufdame“ mit MS: Schauspielerin Heidelinde Weis wird 75

Der Erfolg auf den Bühnen, im Film und im Fernsehen ist nur eine Seite im Leben der Schauspielerin Heidelinde Weis. Von Matthias Röder und Carola Frentzen

Heidelinde Weis wird heute 75 Jahre alt. (Foto: dpa)

Heidelinde Weis wird heute 75 Jahre alt. (Foto: dpa)

Das Motto ihres Lebens ist das einer Kämpferin. „Ich bin eine Stehaufdame. Aufgeben gilt nicht.“ Schauspielerin Heidelinde Weis hat mehrfach bewiesen, dass sie große Kraft hat. Nach der Diagnose Multiple Sklerose (da war sie 29) saß sie fünf Jahre im Rollstuhl, sie hat zehn Jahre lang ihren Ehemann bis zu dessen Tod betreut, sie wurde krebskrank und wurde geheilt. Sie habe die Gabe, mit den Herausforderungen auch positiv umzugehen und nie zu hadern, bekannte sie vor wenigen Monaten im Interview. Am 17. September wird Weis 75 Jahre. Wirkliche Träume und Ziele habe sie nicht mehr. Aber das sei kein Zeichen von Resignation, sondern von Gelassenheit.

In der TV-Serie „Schwarzwaldklinik“ spielte sie eine Ärztin, die „Frau in Weiß“ war als WDR-Dreiteiler 1971 fast ein Straßenfeger, und auch auf dem „Traumschiff“ heuerte sie an: Weis ist in den vergangenen 50 Jahren zu einem festen Bestandteil der deutschsprachigen Film- und Fernsehwelt geworden. Mit vielseitigem schauspielerischen Talent spielte sie sich in die Herzen der Zuschauer. Der Kollege und langjährige Freund Werner Schneyder schätzt ihren Schalk sehr: „Sie hat eine natürliche Clownerie, sie kann unangestrengt komisch sein“, meinte der Kabarettist in einem Interview des Bayerischen Rundfunks (BR).

„Männer sind Analphabeten“

Mit einem ihrer berühmtesten Aussprüche schaffte Weis es gleich in mehrere Zitatdatenbänke: „Wenn es darauf ankommt, in den Augen einer Frau zu lesen, sind die meisten Männer Analphabeten.“ Dabei war sie selbst viele Jahre lang glücklich verheiratet.

Im Jahr 1940 in Villach geboren, absolvierte Weis ihre Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und gehörte ab 1959 zum festen Bestandteil des Wiener Theaters in der Josefstadt. Ihr Kinodebüt hatte sie im gleichen Jahr in der Komödie „Ich heirate Herrn Direktor“ in der Rolle einer zielstrebigen Sekretärin.

Von 1962 bis 1981 gab sie zahlreiche Gastspiele in Deutschland, darunter in Hamburg, Düsseldorf und am Berliner Theater am Kurfürstendamm. Einen ihrer größten Erfolge feierte sie in Michael Pfleghars „Die Tote von Beverly Hills“ (1964). Die Arbeit hat die Österreicherin sehr an Deutschland gebunden. „50 Jahre habe ich in Deutschland gearbeitet. In Österreich habe ich keine Wurzeln geschlagen“, sagte sie dem „Münchner Merkur“. Ihr Anwesen in Kärnten mit riesigem Grund für den Hund hat sie inzwischen aufgegeben.

„Ein absoluter Heute-Mensch“

Seit 1960 war sie mit dem Theaterproduzenten Hellmuth Duna verheiratet, den sie ab Mitte der 1980er Jahre während einer langjährigen Krankheit pflegte. Erst nach seinem Tod im Jahr 1998 war Heidelinde Weis wieder öfter in deutschsprachigen Fernsehproduktionen zu sehen, darunter unter anderem in Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, an der Seite von Charles Brauer in „Lotti auf der Flucht“ und mit Peter Weck in „Ein Ferienhaus auf Ibiza“. Bereits 1977 war die brünette Aktrice mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet worden.

Weis lebt, so ihre Einstellung, vor allem in der Gegenwart. Das Gestern und Morgen interessiere sie kaum. „Ich bin eigentlich ein absoluter Heute-Mensch.“

(dpa)

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