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Die Welt mit anderen Augen sehen: Wie Behinderte und Senioren Jugendlichen helfen können…

Foto: Angelina Ströbel/pixelio.de

Wenn Jugendliche anderen Menschen in Notsituationen behilflich sind, prägt diese Erfahrung ihr Welt- und Selbstbild. Zu diesem Schluss kommen Bildungsforscher der Universität Würzburg.

Würzburg (pte) – Für ihre Studie befragten die Wissenschaftler um Heinz Reinders 2.400 deutsche Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren. Wesentliche Details der Auswertung wurden allerdings erst jetzt bekannt gegeben.

45 Prozent der interviewten Jugendlichen waren schon einmal ehrenamtlich aktiv. Die meisten von ihnen glauben, dadurch einen wichtigen Beitrag geleistet und Sinn erfahren zu haben, so das Ergebnis. „Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei jenen, die direkt in Kontakt mit denen waren, denen sie geholfen haben – etwa Senioren, Migranten oder Menschen mit Behinderungen“, berichtet die Psychologin und Studien-Mitarbeiterin Gabriela Christoph.

Entscheidend sei für Jugendliche dabei das Gefühl, Menschen in Not helfen zu können und aktiv Handelnde zu sein. Viele erweitern ihren Erfahrungshorizont, wenn sie in Gesprächen mit den Betroffenen Neues erlebt haben: Sie erleben den Alltag alter Menschen, spüren Barrieren von Rollstuhlfahrern selbst und denken neu über soziale Gerechtigkeit nach. Wer direkten Kontakt zu den Adressaten der Hilfe hat, ist im Schnitt zwölf bis 15 Stunden pro Monat aktiv, während es ohne dieser Begegnung nur acht bis elf Stunden sind.

Sinn ermöglichen

„Die Art der Tätigkeit ist für Jugendliche wichtiger als die Frage, ob sich das Engagement innerhalb einer gemeinnützigen Organisation abspielt oder nicht“, resümiert Studienleiter Reinders. Wohltätigen Verbänden rät er deshalb, speziell den jugendlichen Helfern ein Sinnerlebnis durch aktiven und konkreten Einsatz für das Wohl anderer zu ermöglichen. Das motiviere Jugendliche dazu, auch langfristig ehrenamtlich aktiv zu bleiben.

Denn findet das Engagement im Rahmen einer Organisation statt, stehen die Chancen gut, dass der Einsatz über längere Zeit andauert. Jene untersuchten Jugendlichen, die in Kirche, Jugendfeuerwehr oder Sportvereinen aktiv waren, waren meist schon zwei bis drei Jahre aktiv, jene die auf eigene Faust anderen halfen, meist kürzere Zeit. Bestätigen konnten die Forscher auch die Meinung, dass sich Jungen eher in Organisationen nützlich machen, während Mädchen mehr den direkten Umgang mit Menschen suchen.

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