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Die wichtigsten Trends von der Medica 2013

Die Messe ist der Gradmesser für neue Entwicklungen aus der Medizin-Welt. Am Mittwoch öffnet sie in Düsseldorf ihre Pforten.

 4.641 Aussteller aus 66 Nationen präsentieren sich zur MEDICA 2013 auf einer Ausstellungsfläche von rund 116.000 Quadratmetern. (Foto: Messe Düsseldorf)

4.641 Aussteller aus 66 Nationen präsentieren sich zur MEDICA 2013 auf einer Ausstellungsfläche von rund 116.000 Quadratmetern. (Foto: Messe Düsseldorf)

Der Patient von morgen hat seine Behandlung selbst in der Hand, sammelt seine Vitalwerte und sendet sie per Handy dem Arzt. Lange Wartezeiten in der Praxis werden ihm so erspart. Der Trend zur Telemedizin ist in der Medizinwelt ungebrochen.

So jedenfalls sieht es die weltgrößte Medizinfachmesse Medica, die am Mittwoch in Düsseldorf startet (20.-23. November 2013). Dieses Jahr dreht sich bei der Medica sich alles um Computer, Smartphones und Apps, die im besten Fall schnellere Diagnosen ermöglichen, zumindest aber Indikatoren für mögliche Krankheiten sein können.

Trend Telemedizin

Die Trennung von Arzt und Patient ist bei allem technischen Fortschritt durchaus umstritten. Einige sehen in der Telemedizin eine Chance für Routineuntersuchungen von Patienten etwa in ländlichen Gebieten, Kritiker bemängeln den fehlenden direkten Kontakt zum Arzt. Auch die Sicherheit der übertragenen Daten wird skeptisch gesehen.

Zumindest für die Messung des eigenen Fitnesszustandes kann Telemedizin hilfreich sein. Ein Sensor-Pflaster der Deutschen Telekom speichert sieben Tage 20 Vitalwerte vom Schlafen über den Kalorienverbrauch bis zu Schrittzahlen. Noch werden die Werte des Pflasters, das auf den Oberarm geklebt wird, über einen USB-Anschluss ausgelesen, demnächst geht es auch per Bluetooth.

Telekom mischt im Gesundheitsmarkt mit

Im Dezember kommt das Pflaster namens „Metria“ für 99 Euro nach Angaben der Telekom auf den Markt. Eine neue Version, die auch Herzfrequenzen messen kann, soll es Anfang kommenden Jahres geben.

Ein handliches Langzeit-EKG misst bis zu sieben Tage die Herzaktivität und überträgt die Daten auf ein Computer-Tablet oder den PC des Arztes. Der Nutzer verkabelt sich selbst und bekommt auf dem kleinen Messgerät grünes Licht, ob die Elektroden richtig sitzen. Das Gerät von GE Healthcare ist mit rund 2000 Euro nicht eben billig und wird nur an Ärzte oder Kliniken verkauft.

Diese neue Brille von der Firma Evena Medical ist für Rettungssanitäter gedacht, die damit  Venen sehen können, bevor sie pieksen – laut Hersteller ist dies insbesondere bei dehydrierten, besonders jungen, übergewichtigen oder dunkelhäutigen Patienten hilfreich, bei denen die Venen sich oft schwer erkennen lassen. (Foto: Messe Düsseldorf)

Diese neue Brille von der Firma Evena Medical ist für Rettungssanitäter gedacht, die damit Venen sehen können, bevor sie pieksen – laut Hersteller ist dies insbesondere bei dehydrierten, besonders jungen, übergewichtigen oder dunkelhäutigen Patienten hilfreich, bei denen die Venen sich oft schwer erkennen lassen. (Foto: Messe Düsseldorf)

Das vernetzte Bett merkt über Sensoren, wenn ein pflegebedürftiger Mensch nachts ohne Hilfe das Bett verlassen will und schaltet das Licht in dem Raum ein, um möglichst einen Sturz zu vermeiden. Gleichzeitig sendet das Bett über eine spezielle Mobilfunkkarte (M2M) eine Nachricht an die Leitstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Herten. Über dieselbe Verbindung kann das DRK den Patienten zurückrufen und bei Bedarf vorab festgelegte Familienmitglieder per SMS oder per Anruf informieren. Ein Drittel der Senioren über 65 stürzt einmal pro Jahr, jeder Zehnte zieht sich dabei eine Fraktur zu. DRK und Telekom testen das Bett derzeit in Deutschland und Österreich. (Foto: Constanze Tillmann/Messe Düsseldorf)

Das vernetzte Bett merkt über Sensoren, wenn ein pflegebedürftiger Mensch nachts ohne Hilfe das Bett verlassen will und schaltet das Licht in dem Raum ein, um möglichst einen Sturz zu vermeiden. Gleichzeitig sendet das Bett über eine spezielle Mobilfunkkarte (M2M) eine Nachricht an die Leitstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Herten. Über dieselbe Verbindung kann das DRK den Patienten zurückrufen und bei Bedarf vorab festgelegte Familienmitglieder per SMS oder per Anruf informieren. Ein Drittel der Senioren über 65 stürzt einmal pro Jahr, jeder Zehnte zieht sich dabei eine Fraktur zu. DRK und Telekom testen das Bett derzeit in Deutschland und Österreich. (Foto: Constanze Tillmann/Messe Düsseldorf)

Neue Ultraschallgeräte

Behandlungsgeräte werden immer präziser und ausgefeilter. Siemens präsentiert das nach Angaben des Unternehmens weltweit erste Ultraschallgerät mit kabellosem Schallkopf. Die Bilder werden per Funk übermittelt. Das vereinfacht zum Beispiel die Kontrolle von Herzkatheter-Eingriffen und gibt dem Arzt mehr Bewegungsfreiheit.

Das Ultraschallgerät der Firma Samsung hat zwar noch ein Kabel, aber es ist tragbar und nicht größer als ein Laptop. Es kann etwa bei Sportereignissen zur schnellen Diagnose von Verletzungen eingesetzt werden. Fußball-Nationalspieler Sami Khedira hätte damit womöglich noch am Spielfeldrand Näheres über seine schwere Knieverletzung erfahren können.

Darüber soll sich Mom freuen

Im Rettungswagen kann die schnelle webbasierte Übertragung von Daten in die Klinik überlebenswichtig sein. Noch am Einsatzort werden durch das System corpuls.web zum Beispiel EKG-Daten in Echtzeit über einen sicheren Server an die Klinik übertragen.

Werdende Eltern freuen sich über Fotos ihres Babys im Mutterleib. „Hello Mum“ heißt die Samsung-App, die Farbfotos des ungeborenen Kindes vom Ultraschallgerät aufs Smartphone der Eltern sendet.

Neuheiten für alte und pflegebedürftige Menschen

Hilfen für alte und pflegebedürftige Menschen sind auch auf der Medica ein immer wichtigerer Bereich. Das können rund 800 Euro teure Sensormatten sein, die vor dem Bett liegen, Stürze registrieren und dann Notrufe auslösen.

Oder vernetzte Betten, die über Sensoren merken, wenn ein pflegebedürftiger Mensch das Bett verlässt. Dann wird eine Nachricht an die Leitstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Hilden geschickt. Über ein Mikrofon am Bett meldet sich eine freundliche Stimme und fragt, ob alles in Ordnung ist. 20 bis 30 Euro Gebühr pro Monat kostet der Service.

Auf der von Philips entwickelten Intensivstation verschwinden Maschinen hinter der Wand, es geht leise zu. Der Patient schaut in eine himmelsähnliche Lichtinstallation anstatt auf eine graue Zimmerdecke. Die Hoffnung: Vor allem ältere Patienten sollen so beruhigt werden.

(dpa)

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