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Digitales Leben nach dem Tod

Immer mehr Menschen führen ihr Leben öffentlich im Web. Im Gegensatz zur physischen Präsenz endet die Internet-Existenz aber nicht automatisch mit dem Tod. Die Verwaltung des Online-Nachlasses gewinnt stetig an Bedeutung – und lässt völlig neue Geschäftsfelder entstehen.

Innsbruck (pte) – „Die Online-Präsenz der Verstorbenen stellt uns vor riesige Probleme. Die Aufarbeitung eines Verlustes kann durch Inhalte der Verblichenen im Internet gestört werden“, sagt Werner Jesacher, Geschäftsführer von Trauerhilfe.at.

Online Gedenkstätten

Viele Social-Media-Plattformen haben eindeutige Richtlinien für den Umgang mit verstorbenen Usern. Facebook bietet Hinterbliebenen beispielsweise die Möglichkeit, die Profilseite eines verstorbenen Angehörigen in eine Gedenkseite umzuwandeln. Die Verwaltung des Online-Nachlasses eines durchschnittlichen Internetnutzers ist allerdings eine sehr zeitaufwändige Angelegenheit. In vielen Ländern bieten Bestattungsunternehmen bereits an, die entsprechenden Schritte zu unternehmen. „Dieser Problematik können wir uns nicht verschließen. Die Relevanz solcher Dienste wird in Zukunft zunehmen, da es zwischen den Generationen enorme Unterschiede bei den Online-Aktivitäten gibt“, so Jesacher.

Die Spuren, die ein Mensch im Netz hinterlässt, sind oft sehr persönlicher Natur. „Da tauchen manchmal Fotos eines Verstorbenen mit einer fremden Person auf. Das kann dann zu unangenehmen Fragen führen“, sagt Jesacher. Die Löschung der Informationen ist mitunter gar nicht so leicht zu bewerkstelligen. „Wir erhalten oft Anfragen von Kunden, die Material von Verstorbenen löschen wollen. Im Moment können wir in solchen Fällen aber nicht viel tun. Wir klären momentan die technischen und rechtlichen Aspekte ab und wollen im Zuge eines Relaunchs unser Angebot in diese Richtung erweitern“, erklärt Jesacher.

Neue Geschäftsmodelle

Mit dem digitalen Nachleben lässt sich auch Geld verdienen. Im November findet in Amsterdam die vierte „Digital Death Day“ Konferenz statt. Hier treffen sich Vertreter verschiedener Branchen, etwa Bestattung und IT, um die Konsequenzen des Nachhalls von Personen im Internet zu diskutieren. An den Umgang mit digitalen Überresten müssen sich die Menschen erst noch gewöhnen. „Wir wissen noch nicht, wo das ganze hingeht, bemühen uns aber, eine würdevolle Lösung für die Hinterbliebenen zu finden“, sagt Jesacher.

Geld verdienen mit dem digitalen Leben nach dem Tod will unter anderem auch die Süddeutsche Zeitung. Sie hat soeben eine eigene Online-Gedenkstätte freigeschaltet – in der Hoffnung, dass Auftraggeber von Traueranzeigen auch diesen Dienst nutzen.

Foto: pixelio.de, Rike

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