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Dirk Köhler darf sich jetzt eine Jumbo-Pizza mit vielen Extras bestellen

Rollstuhlbasketball: RSV Lahn-Dill und RSC Rollis-Zwickau stehen im Finale um die Deutsche Meisterschaft. Während der Titelverteidiger einen Kantersieg gegen München feiert, scheitert der Erzrivale aus Zwickau beinahe an einem Aufsteiger.

RSV Lahn-Dill gegen USC München

Margherita-Liebhaber Dirk Köhler (li., RSV Lahn-Dill) gegen USC-Topscorer Benjamin Ryklin (#7). (Foto: Armin Diekmann)

(aj) Wie von ROLLINGPLANET bereits gemeldet, ist Titelverteidiger RSV Lahn-Dill am Samstag bei sommerlichen Temperaturen ins Playoff-Finale um die deutsche Rollstuhlbasketball-Meisterschaft gestürmt. Für RSV-Spieler Dirk Köhler, der 12 Punkte erzielte, und seine Siegprämie bedeutet dies: Er darf jetzt extra viel Belag für seine Pizza bestellen – nachdem er sich vorige Woche mit einer Margherita begnügen musste.

Nach dem 67:54-Erfolg im Hinspiel an der Isar fertigten Köhler und seine Mitspieler am Samstag in eigener Halle den ersatzgeschwächten deutschen Rekordmeister USC München mit 80:39 (25:3/37:20/61:24) ab.

München verkraftet den Ausfall von Johanna Welin nicht

RSV Lahn-Dill gegen USC München

RSV Lahn-Dill-Kapitän Joey Johnson (weiß) im Luftkampf mit Ben Döring (#8), links Benjamin Ryklin (#7), im Hintergrund Steve Serio. (Foto: Armin Diekmann)

Überragende Akteure gegen die Bayern, die den Ausfall von Nationalspielerin Johanna Welin nicht kompensieren konnten, waren auf RSV-Seite US-Pointguard Michael Paye und Kapitän Joey Johnson.

Ohne die Europameisterin konnten die Gäste aus der bayrischen Landeshauptstadt aufgrund der Klassifizierungspunkte nicht ihre gewohnt stärkste Formation ins Rennen schicken und mussten diesem Handicap von Beginn an Tribut zollen.

Ein mageres Pünktchen von Topscorer Benjamin Ryklin von der Freiwurflinie zum 1:4 (2.) sollte fast die einzige offensive Ausbeute der Gäste im gesamten ersten Spielviertel sein.

Unglaublicher 25:1-Start für den RSV

RSV Lahn-Dill gegen USC München

Der Japaner Wataru Horie tankt sich unter der USC-Reuse durch, links Sebastian Magenheim (#11), rechts Markus Haberkorn (#5). (Foto: Armin Diekmann)

Der RSV wollte dagegen mit aller Macht frühzeitig für klare Verhältnisse sorgen, übte von Beginn an enormen Druck auf den Kontrahenten aus und zog den defensiven Schraubstock immer enger. Ein furioser 25:1-Start der hessischen Gastgeber beendete früh alle Hoffnungen des USC München auf eine Sensation.

Auf Seiten des RSV Lahn-Dill überzeugten in dieser Phase vor allem Topscorer Michael Paye und Kapitän Johnson, der am Ende neben elf Punkten zusätzliche neun Rebounds, sechs Ballgewinne und fünf Assists auf seinem Konto verbuchte.

Mit Beginn des zweiten Viertels kam es dann jedoch zu einem klaren Bruch im Spiel der bis dato dominanten Hausherren. Dies veranlasste RSV-Trainer Nicolai Zeltinger in der 13. Spielminute zu einer zweiten Auszeit. „Seit der Verletzung von Felix Schell vor einigen Wochen bringen wir von der Bank deutlich weniger Selbstbewusstsein auf das Feld und sind dort mental viel anfälliger“, erklärte Zeltinger nach Spielschluss.

Dadurch bedingt fand der Rekordmeister aus München nun besser ins Spiel und vor allem über seinen gefährlichsten Akteur Benjamin Ryklin zu den wichtigen offensiven Erfolgserlebnissen. Am Ende hatte der 25-jährige USC-Topscorer trotz Sonderbewachung erneut 18 Punkte erzielt. So verkürzte sich der Vorsprung zwar von 25:3 nach dem ersten Viertel auf 29:14 (16.) und 33:18 (19.), doch an der Zielrichtung Finaleinzug ließ sich der achtfache deutsche Meister aus Mittelhessen nicht mehr abbringen.

Aus der Kabine kam dann jedoch wieder ein RSV Lahn-Dill, der gewillt war, den Münchnern, die weiterhin aufgrund des Ausfalls von Welin nicht ihre stärkste Aufstellung aufs Feld schicken konnten, endgültig den Zahn zu ziehen. Einem Drei-Punkte-Spiel von Steve Serio zum 42:20 (21.) folgten drei Körbe in Serie seines US-Landsmanns Paye zum 50:22 (26.).

Sogar David Amend darf treffen

Im vierten und letzten Viertel war es Marco Zwerger, der den Korbreigen für den RSV eröffnete. David Amend kam zu seinen ersten Punkten in der höchsten Spielklasse, ehe Nationalspielerin Gesche Schünemann das 74:30 (38.) von jenseits der 6,75-Meter-Dreierlinie einschweben ließ.

„Natürlich dürfen wir mit der an den Tag gelegten Dominanz sehr zufrieden sein und uns über den souveränen Finaleinzug freuen. Auf der anderen Seite werden wir in der Endspielserie auf deutlich mehr Widerstand treffen, als uns der USC an diesem Tag entgegensetzen konnte“, bilanzierte Trainer Zeltinger in Hinblick auf die nun anstehende „best-of-three“ Finalserie um den Titel 2012.

Lahn-Dill: Michael Paye (18/1 Dreier), Steve Serio (13), Dirk Köhler (12), Joey Johnson (11), Thomas Böhme (6), Jan Haller (6), Gesche Schünemann (6/1), David Amend (2), Thomas Gundert (2), Wataru Horie (2), Mina Mojtahedi.

München: Benjamin Ryklin (18), Ben Döring (11), Sebastian Magenheim (4), Uli Schmölz (4), Markus Wastian (2), Florian Fischer, Markus Haberkorn, Sercan Ismail, Nu Nguyen-Thi, Johanna Welin (n.e.).

Tübingen gelingt beinahe die Sensation

Im Finale geht die Reise des RSV Lahn-Dill einmal mehr in den Osten der Republik nach Zwickau. Der langjährige Erzrivale musste die überraschende 60:61-Hinspielniederlage vor einer Woche beim Überraschungsaufsteiger RSB Team Thüringen wettmachen.

Dies gelang am Sonntagnachmittag – mit Ach und Krach. Im zweiten Habfinalduell siegten die RSC-Rollis Zwickau in eigener Halle nach einem erneut dramatischen Spiel. Die Entscheidung stand lange auf des Messers Schneide. Am Ende triumphierten die Sachsen mit 70:65, nachdem die Thüringer Mitte des letzten Viertels beim 52:57 noch an einer Sensation schnuppern durften. Spiel eins in der nun anstehenden Endspielserie findet am 15. April in Zwickau statt, ehe am darauffolgenden Wochenende die Entscheidung in Wetzlar fällt.

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