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Dirk Passiwan wieder eine Wurfmaschine – aber reicht das?

Rollstuhlbasketball: Um Platz 4 – und den Einzug in die Play-offs um die Deutsche Meisterschaft – liefern sich Mainhatten Skywheelers und Goldmann Dolphins Trier ein verbissenes Fernduell. ROLLINGPLANET erklärt die Lage nach dem 16. Spieltag.

Mehmet Hayirli (re.) war zwar mit 16 Punkten erfolgreichster Schütze bei den Jena Caputs – doch bereits nach wenigen Minuten hatten die Mainhatten Skywheelers, hier Jan Niklas Neuroth (li.), das Spiel entschieden – und bleiben in der Tabelle vor Trier. (Foto: Christoph Worsch)

Nach 16 von 18 Spieltagen stehen die ersten drei Teilnehmer für die Play-offs der Deutschen Rollstuhlbasketball-Bundesliga am 23.2.2013 und 2.3.2013 so gut wie fest: Der Sensationsaufsteiger der Vorsaison RSB Team Thüringen als Tabellenführer, RSC Rollis Zwickau und der auf Platz 3 ungewohnt zurück liegende Abonnementmeister RSV Lahn-Dill sind die Kandidaten auf den Meistertitel.

Um Platz 4 lieferten sich auch an diesem Wochenende Mainhatten Skywheelers und Goldmann Dolphins Trier ein verbissenes Fernduell – beide setzten sich souverän gegen ihre jeweiligen Gegner durch. Am 14. Spieltag hatten die Frankfurter zu Hause ihre Big Points gemacht, als sie den Tabellennachbarn aus Trier mit 76:61 niederkämpften.

Deutlicher Sieg gegen Jena Caputs

Jena Caputs verlor an diesem Samstag gegen Mainhatten Skywheelers deutlich mit 36:76 (6:19, 10:42, 21:60). Vor rund 200 Zuschauer kam der Gastgeber vor allem in der ersten Halbzeit nicht ins Spiel. Der Tabellenneunte kann nun nur noch auf ein Wunder für den Klassenerhalt hoffen (obwohl auch Abstiegskonkurrent Hamburger SV sein Spiel gegen Lahn-Dill verlor).

Von Beginn an ließen die von Malik Zahary trainierten Gäste keine Zweifel aufkommen und drückten den Jena Caputs ihr Spiel auf. Deren Coach Lars Christink musste die Ausfälle von Marcus Kietzer und Torsten Schüler verkraften, die sich bereits während der Woche andeuteten. Dafür rückten aus der zweiten Mannschaft Christian Vogt und Frank Semmler auf. Einzig bis zur 4. Spielminute (4:4) konnte Jena das Spiel offen halten, ehe Frankfurt sein typisch schnelles Spiel startete. Jena tat sich schwer und vergab ein ums andere mal Chancen. Bis zur Halbzeitpause schraubten die Skywheelers ihren Vorsprung über ein 30:7 (14.) und 40:10 (18.) bis zum 42:10 (20.) in die Höhe.

Frankfurt kontrollierte auch nach der Halbzeit das Spiel. Jena kam zwar besser ins Spiel und erspielte sich in der Folge ein paar gute Möglichkeiten, die das Publikum mit Applaus honorierte, doch die Niederlage abwenden konnte das Team nicht mehr. Vor allem Mehmet Hayirli wurde jetzt immer wieder gut in Szene gesetzt und erzielte 9 von 11 Punkten im 3. Spielabschnitt (21:60). In den letzten zehn Minuten war das Spiel mit 15:16 dann sogar ausgeglichen. Den Schlusspunkt zum 36:76-Endstand erzielte Andy Ortmann mit einem Freiwurftreffer. Bester Schütze auf Seiten der Jenaer war Mehmet Hayirli mit 16 Punkten. Bei den Mainhatten Sykwheelers punkteten mit Lars Lehmann (19), Sebastian Wolk (16), Sebastian Magenheim (12) und Johannes Hengst (11) gleich vier Spieler zweistellig.

„Ich kann mir nicht erklären, warum wir ständig diese Phasen haben, in denen wir den Gegner einfach spielen lassen und kaum Gegenwehr zeigen“, zeigte sich Jena-Trainer Christink nach dem Spiel enttäuscht. „Man hat ganz klar gesehen, dass dies ein deutlicher Klassenunterschied war.“

Mit der Niederlage gegen Frankfurt haben die Jena Caputs in ihrer dritten Erstligasaison zwei Spieltage vor Schluss nur noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt (Roller Bulls steht bereits als Absteiger fest). Am kommenden Samstag wartet mit dem neunfachen deutschen Meister vom RSV Lahn-Dill eine weitere fast unlösbare Aufgabe auf Jena. Und falls die in die Hose geht, wäre das auch für die Medien wie ROLLINGPLANET schade, die über die höchste Klasse im Rollstuhlbasketball berichten: Jena-Informat Thomas Henkel gehört nämlich zu den engagiertesten und schnellsten Pressesprechern der Bundesliga.

Dirk Passiwan gegen USC München

Überragend: Dirk Passiwan beim Wurf (Foto: Goldmann Dolphins Trier)

Während die Mainhatten Skywheelers im Kampf um Platz 4 auf Teamwork setzen, lautet das Konzept von Goldmann Dolphins Trier (und weil ROLLINGPLANET gerade dabei ist, Komplimente zu verteilen: Auch die Golddelfine machen eine erstklassige Pressearbeit): Wir sind die One-Man-Show Dirk Passiwan. Der Nationalspieler vernichtete beim Auswärtsspiel den USC München ganz alleine mit sensationellen 48 Punkten.

Bei ihrem klaren 86:62 (26:10; 43:27; 63:39)-Sieg begannen die Gäste hoch konzentriert und engagiert die Partie. Immer wieder angetrieben von dem erneut in Hochform aufspielenden Passiwan punkteten die Trierer ein ums andere Mal, so dass bereits nach den ersten zehn Spielminuten ein 16-Punkte-Vorsprung zu Buche stand (26:10).

Die Münchner, bei denen Center Ben Döring fehlte, konnten im weiteren Spielverlauf die Partie phasenweise ausgeglichener gestalten, ohne dem Spiel eine entscheidende Wende geben zu können. Über den Halbzeitstand von 43:27 bauten die Trierer routiniert bis zum Ende des dritten Spielviertels (63:39) die Führung aus, weshalb im letzten Spielabschnitt jeder Spieler Einsatzzeiten bekommen konnte, ohne das die Bayern den Rückstand verringern konnten.

Bei der Kanadierin Janet McLachlan, die als weltbeste Spielerin und Centerin gilt, wurde im Dezember beim alljährlichen Gesundheitscheck ein Tumor, der glücklicherweise noch nicht streute, diagnostiziert (Foto: Goldmann Dolphins Trier)

Bei den Dolphins, deren Wechselmöglichkeiten arg dezimiert waren (Ausfälle der Spieler Janet McLachlan, Hugh Anderson und Dirk Schmitz) konnten neben Passiwan auch Kim Robins (14) und Tyler Saunders (12) zweistellig punkten. Da nutzte auf Seiten der Münchner auch die gute Leistung ihrer Besten, Spielertrainer Benjamin Ryklin (19) und Playmaker Markus Haberkorn (15), nichts – zu abgeklärt und souverän riefen an diesem Tag die Trierer ihr Leistungsvermögen in der Säbener Halle ab.

Trotz Wurfmaschine Passiwan: Für die Trier wird es schwierig im Fernduell gegen die Frankfurter, die das einfachere Restprogramm haben. Die Mainhatten Skywheelers müssen noch nach München und dürften daheim auch mit ihrer zweiten Mannschaft die völlig harmlosen Roller Bulls besiegen. Goldmann Dolphins Trier dagegen kann zwar ebenfalls die Roller Bulls am kommenden Samstag deklassieren, muss jedoch am letzten Spieltag zu einem Giganten – zum Vizemeister RSC Rollis Zwickau. Das Hinspiel in Trier entschieden die Zwickauer mit 85:77 für sich.

„Unsere Mannschaft hat Charakter gezeigt, nämlich dass sie gewillt ist, bis zum letzten Spieltag voll anzugreifen, um so die, wenn auch zugegeben noch geringe Play-Off-Chance, aufrecht zu erhalten!“ freute sich Spielertrainer Dirk Passiwan. Aber noch viel wichtiger: „Was uns alle heute noch mehr als froh gemacht hat, war die gute Nachricht aus Vancouver und der erfolgreichen Operation am Freitag von unserer Janet McLachlan (an Krebs erkrankt, Anm.d.Red.), die alles den Umständen entsprechend gut überstanden hat und heute schon mit mir per Telefon sprechen konnte!“

(RP/Thomas Henkel/PM Trier)

Der 16. Spieltag im Überblick

RSV Lahn-Dill – Hamburger SV: 87:48
Jena Caputs – Mainhatten Skywheelers: 36:76
USC München – Goldmann Dolphins Trier: 62:86
Roller Bulls – RSB Team Thüringen: 49:69
Köln 99ers – RSC Rollis Zwickau: 54:85

Tabelle

1. RSB Team Thüringen: 1226:810 – 28:4
2. RSC Rollis Zwickau: 1190:849 – 28:4
3. RSV Lahn-Dill: 1179:845 – 26:6
4. Mainhatten Skywheelers: 1065:944 – 20:12


5. Goldmann Dolphins Trier: 1220:1045 – 20:12
6. Köln 99ers: 976:1129 – 12:20
7. USC München: 813:1061 – 10:22
8. Hamburger SV: 875:1145 – 8:24


9. Jena Caputs: 748:1157 – 6:26
10. Roller Bulls: 744:1053 – 2:30

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