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Discovering hands: Die Idee, blinde Frauen in der Brustkrebs-Früherkennung einzusetzen, wird exportiert

Brustkrebs und Früherkennung (Foto: Brustzentrum Hildesheim)

Blinde Menschen haben einen wesentlich feineren Tastsinn. Der deutsche Gynäkologe Frank Hoffmann hatte die Initiative, sie in der Brustkrebs-Früherkennung einzusetzen. Jetzt hofft er auch im Ausland auf Zuspruch.

Dr. Frank Hoffmann erläutert in einem Interview mit derstandard.at sein Projekt „discovering hands“ (entdeckende Hände):

Die Idee ist aus meinem täglichen Tun als Gynäkologe entstanden. Im Rahmen der Brustkrebsvorsorge ist für alle Frauen ab dem 30. Lebensjahr beim Routine-Check eine Tastuntersuchung der Brust vorgesehen. Dabei geht es darum, Knoten in der Brust sehr früh zu erkennen, um so die lebensgefährliche Metastasierung zu verhindern. Die Tastuntersuchung ist bei Frauen unter 50 Jahren dafür die Basis der Vorsorge. Mich hat als Arzt geärgert, dass ich in der relativ kurzen Zeit, die mir bei einer Untersuchung in der Praxis zur Verfügung steht, ein abschließendes Urteil darüber fällen soll, ob die Brust nun in Ordnung ist oder nicht. Mein Gedanke war also: Wie lässt sich diese Tastuntersuchung optimieren. Mein Ziel war, hier ein strukturiertes Verfahren zu entwickeln, bei der ausreichend Zeit zur Verfügung steht und der Untersucher über bestmögliche Tastfähigkeiten verfügt. So kam ich auf Blinde. Ihre Behinderung ist in diesem Kontext also eine Begabung.

Die Gynäkologin Maria Hengstberger in Wien hat eine ähnliche Methode vor 25 Jahren entwickelt. Hoffmanns Methode unterscheidet sich jedoch:

Für Maria Hengstberger war die Untersuchung der Brust durch die sogenannten „blinden Brustschwestern“ eine Alternative zur Selbstdiagnose. Meine Idee war aber, Blinde zu ärztlichen Hilfskräften ausbilden.

Jetzt hofft der Gynäkologe, dass seine Idee auch im Ausland Resonanz findet, beispielsweise in Österreich: „Wir haben allerdings gerade erst eine Basis in Deutschland geschaffen und sind dabei, unsere Idee populär zu machen. Dabei geht es auch um Überzeugungsarbeit bei den Kollegen. Grundsätzlich gilt aber: Das komplette Lehrmaterial und die Unterlagen gibt es auf Deutsch, es wäre also naheliegend, den Schritt über die Grenze zu wagen.“

Ausführliches Interview: derstandard.at

Bericht auf rehacare.de: Ein neuer Beruf entsteht: Blinde Menschen sollen irgendwann in gynäkologischen Praxen Brüste nach Krebs abtasten. Die ersten Frauen sind in der Ausbildung zur Medizinischen Tastuntersucherin.

Aktueller Termin

Das bbs, Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Nürnberg startet am Montag, den 09. Mai 2011 ein neues Assessement für Blinde und stark sehbehinderte Frauen als Vorbereitung der Qualifikation zur MTU, Medizinischen Tastuntersucherin. Interessierte Anwärterinnen oder auch Reha-Berater können sich direkt mit dem bbs in Verbindung setzen:

Karin Gätschenberger-Bahler
Schulleiterstellvertreterin
bbs nürnberg
Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte
Brieger Straße 21
90471 Nürnberg

Tel.: 0911 89 67 200 oder 480
Fax: 0911 89 67 209
www.bbs-nuernberg.de
[email protected]

Zum Themenschwerpunkt Blinde und sehbehinderte Menschen

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