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Diskussion um Paralympics-Prämien: Heinrich Popow legt nach

Deaflympics-Sportler bekommen noch weniger Geld. Paralympics-Favorit Popow – der heute seinen ersten großen Wettkampf in London hat – zeigt dagegen Verständnis für geringere Medaillen-Prämien: „Wir haben nicht das Niveau nichtbehinderter Sportler“.

Heinrich Popow beim Weitsprung-Wettbewerb vor dem Brandenburger Tor in Berlin (Archivfoto 2007: dpa)

Paralympics-Goldkandidat Heinrich Popow hat heute seinen ersten großen Wettkampf (siehe auch Paralympics-Planer in unserem ROLLINGPLANET Special PARALYMPICS 2012.) Zuvor hat er die Forderungen nach gleichen Medaillenprämien für behinderte und nichtbehinderte Sportler zurückgewiesen. „Wir haben nicht das Niveau dieser Sportler. Ich kann mich als behinderter Sportler nicht hinstellen und dieselbe Prämie verlangen wie beispielsweise Robert Harting“, sagte der Prothesen-Sprinter aus Leverkusen gestern der Zeitung „Die Welt“.

Kurz vor dem Start der Paralympics in London waren die Prämien für die deutschen Edelmetall-Gewinner angehoben worden. Für Gold gibt es nun 7.500 Euro. Die deutschen Olympiasieger hatten hingegen in London 15.000 Euro erhalten. (ROLLINGPLANET berichtete: Streit um Paralympics-Prämien: Popow und Schmidt widersprechen Motzki Czyz)

Der Unterschied zwischen Respekt und Stellenwert

Popow zeigte jedoch Verständnis für die unterschiedlichen Bonus-Zahlungen. „Ich bin der Meinung, dass wir noch gar nicht dahingehören, wo die Sportler Olympischer Spiele sind“, sagte der Leichtathlet.

Popow war nach einer Krebserkrankung als Kind das linke Bein oberhalb des Knies amputiert worden. Bei den Paralympics in Athen und Peking gewann er einmal Silber und dreimal Bronze. Am Freitag hat er im Weitsprung seine erste Medaillenchance in London.

Dennoch bewertet Popow die Leistungen nichtbehinderter Olympioniken höher. „Wir haben weder die Breitensportgrundlage, aus der Leistungssport entsteht, noch haben wir eine vergleichbare Konkurrenzsituation. Bei uns ist der Druck sicher genauso groß. Aber der Weg zu den Spielen ist bei weitem nicht so schwer wie bei einem Olympiastarter“, erklärte der 29-Jährige. „Wir haben denselben Respekt verdient, aber wir haben nicht denselben Stellenwert“, fügte der gebürtige Kasache hinzu.

2.500 Euro für eine Goldmedaille bei den Deadlympics

Unmut zeigt Frank Karau aus Erfurt. Der gehörlose Sportfunktionär des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) und Betreiber von Behindertensport-News schreibt auf seiner Seite: „Aber was sollen die deutschen gehörlosen Teilnehmer der Deaflympics 2013 sagen? Die Deaflympics sind die olympischen Sommerspiele der Gehörlosen. Hier wird für eine Goldmedaille nur 2500,00 € bezahlt, das ist sehr krass und in keiner Weise nachvollziehbar, warum unter Behinderten für eine Bronzemedaillie (3000 €) bei den Paralympics 2012 mehr bezahlt wird, als zum jetztigen Zeitpunkt für eine Goldmedaille (2500 €) bei den Deaflympics.

Den gehörlosen Teilnehmern der Deaflympics 2013 geht es hier ebenfalls nicht um das Geld, sondern um Gleichberechtigung und um gleichberechtigte und gezielte Förderung, wie es bei anderen Verbänden schon umgesetzt wird, der einzelnen Athleten, damit die gehörlosen Spitzensportler bei den Deaflympics 2013, maximale Leistung für Deutschland und damit auch für den Deutschen Gehörlosen-Sportverband erzielen können!“

Die gehörlosen Sportler nehmen nicht an den Paralympics teil und richten ihre eigenen Deaflympics aus (ROLLINGPLANET berichtete: Behindertensport: Was Sie über die Klassifizierungen wissen müssen)


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