Doppelte Minderheit in Gera: Gehörlos und gläubig

Beim heutigen Thüringer Gehörlosen-Gemeinde-Tag stehen die Christophorus-Bilder von Otto Dix im Mittelpunkt.

Otto Dix – Hl. Christopherus VI, 1944 (Foto: VG Bild-KunstBonn2012)

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland lädt heute Gehörlose zu einen Gemeinde-Tag nach Gera. Er steht unter dem Thema „Christus-Träger“. Das Motto bezieht sich auf eines der Christophorus-Bilder des im Geraer Stadtteil Untermhaus geborenen Malers Otto Dix (1891-1969). Der Thüringer Gehörlosen-Gemeinde-Tag findet jährlich an verschiedenen Orten statt.
Beginn ist um 10 Uhr in der Marienkirche. Nach einem Gottesdienst wird zum Mittagessen im Hofgut eingeladen. Ab 13 Uhr gibt es verschiedene Programmangebote im Otto-Dix-Haus und im Schloss Osterstein. Das Treffen endet nach dem Kaffeetrinken im Lutherhaus und einem Programm des Evangelischen Gebärdenchores Berlin gegen 16 Uhr mit dem Reisesegen.

Glauben sucht Gemeinschaft

Das Motto “Christus-Träger” bezieht sich auf ein Bild von Otto Dix, auf dem der Maler seinen Sohn trägt, sowie auf die Christophorus-Bilder von Dix, wovon eines in Gera zu sehen ist. “Warum hat der bedeutende Künstler aus Thüringen dieses Motiv so oft gemalt? Und was sagt uns das heute für unseren Glauben? Mit diesen Fragen wollen wir uns beschäftigen”, verrät Andreas Konrath, Landespfarrer für Gehörlosenseelsorge im Südbereich der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

“Glauben sucht Gemeinschaft“, so Konrath. „Das ist bei den Nutzern der Gebärdensprache nicht anders, aber weitaus schwerer. Meist erleben sie sich hierzulande als doppelte Minderheit: sowohl christlich als auch gehörlos! Bei unserem Gehörlosen-Gemeinde-Tag ist das anders – die Vielfalt gebärdensprachlichen Gemeindelebens lädt Betroffene ebenso wie Neugierige ein, die kommunikative Isolation zu durchbrechen.“

(RP)


Zum Themenschwerpunkt Gehörlose Menschen
Zum Themenschwerpunkt Glaube und Religion


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