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Down-Syndrom: „So wie Du“ über „So wie Du bist“

Heute läuft der ARD-Spielfilm „So wie Du bist“. Wir haben die Chefin des Gästehauses „So wie Du“ gefragt, ob sie sich das anschaut.

"So wie Du"-Chefin Renate Spott mit einem Gast (Foto: Privat)

„So wie Du“-Chefin Renate Spott mit einem Gast (Foto: Privat)

Das Erste hat heute einen Themenabend Down-Syndrom, der eher zufällig zustande kam (siehe auch ROLLINGPLANET-Bericht: „Zeig mir Deine Welt“ mit Kai Pflaume und „So wie Du bist“). Er startet um 20.15 Uhr mit dem wegen seiner Klischees „Gut & Böse“ im Vorfeld von Kritikern nicht gerade enthusiastisch gefeierten Spielfilm „So wie Du bist“. Darin geht es um ein Liebespaar mit Down-Syndrom, das bei seinem Wunsch nach selbstbestimmtem Leben von einer pensionierten Richterin unterstützt wird.

„So wie Du“ heißt ein „integratives Gästehaus für Menschen mit und ohne Einschränkungen“ in Laubenheim (Rheinland-Pfalz), das ROLLINGPLANET vor kurzem vorstellte. In dem Haus machen auch viele Menschen mit Down-Syndrom Urlaub – also haben wir schnell mal bei Renate Spott nachgefragt, ob sie heute Abend Fernsehen guckt. Gemeinsam mit ihrem Mann Gunnar betreibt sie das Gästehaus. Die Fragen stellte Lothar Epe.

Menschen mit Down-Syndrom willkommen


Integratives Gästehaus "So wie Du"
Renate (l) und Gunnar Spott (M) mit Tine (Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Tine und Jürgen sind Stammgäste in „So wie Du“. Die 39-jährige Frau mit Down-Syndrom spricht nicht viel. Der 51-jährige Jürgen dafür umso mehr, er ist stark sehbehindert und kognitiv leicht eingeschränkt. Am Gästehaus mag er besonders „die Atmosphäre“. Tine und Jürgen werden in ihrem Urlaub rund um die Uhr betreut, dazu genießen sie bei Spotts ein buntes Programm, von Ausflügen bis zu Filmabenden.

„Ein Geschenk, das wir gerne angenommen haben“

Frau Spott, heute läuft ein Themenabend in der ARD zum Thema „Down-Syndrom“. Werden Sie sich das anschauen?

Ja, auf jeden Fall.

Mit welcher Erwartungshaltung?

Mit gar keiner. Ich lasse das mal auf mich zukommen. Aber die ARD ist ja jetzt auch nicht irgend so ein Spartensender. Und es kann grundsätzlich nur gut sein, wenn das Thema, wie auch immer, massiv in die Öffentlichkeit transportiert wird.

Woher kommt Ihr Interesse am Thema Down-Syndrom?

So mit 20 habe ich eine Ausbildung zur Arzthelferin bei einem Kinderarzt gemacht. Ich stand da eines Tages hinter den Empfangstresen und hörte im Behandlungszimmer ein Riesengeschrei. Ein etwa 12-Jähriger Patient mit Down-Syndrom sollte eine Bestrahlung bekommen. Ich erinnere mich noch heute, dass er Dirk hieß.

Er wollte partout nicht bestrahlt werden, und irgendwie bekam weder der Kinderarzt noch seine ihm assistierende Helferin das auf die Reihe. Und in ihrer Verzweiflung haben sie mich dann gerufen. Ich sollte versuchen, den Jungen dazu zu bewegen, sich bestrahlen zu lassen.

Und Ihnen ist das gelungen?

Irgendwie ist es mir relativ leicht gefallen, ihn zu überzeugen, einfach mit dem gesunden Menschenverstand. Er kam noch eine Zeit lang zu Bestrahlungsterminen, und ich habe mich jedes mal um ihn gekümmert, weil nicht nur ich ihn mochte, sondern offensichtlich auch er mich. Seitdem habe ich irgendwie eine besondere Verbindung zu Menschen mit Down-Syndrom.

Welche Ausbildungen haben Sie gemacht?

Also da war die schon erwähnte Ausbildung zur Arzthelferin mit etwa 20 Jahren. Dann habe ich mit 43 Jahren noch eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin bei der Diakonie gemacht, um hinterher für drei Jahre mit meinem Mann zusammen in einer anthroposophischen Einrichtung als „Hauseltern“ zu arbeiten.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein barrierefreies Haus zu eröffnen?

Ich hatte ja die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin, mein Mann ist ausgebildeter Waldorfpädagoge, der auch jede Menge Berufspraxis hatte, dann waren da die gemeinsamen Praxisjahre als Hauseltern… Irgendwie kamen wir dann auf die Idee, Ferien für Menschen mit und ohne Behinderung anzubieten. Und nachdem die Idee geboren war, kam eins zum anderen.

Sie haben die Entscheidung nicht bereut?

Ich sehe es als Geschenk an, eine Arbeit machen zu können, die mich ausfüllt. Dieses Geschenk haben wir gerne angenommen. Und es war ein Konzept, das uns gefiel. Eine Art Berufung, um diesen abgenutzten Ausdruck zu verwenden. Und dass man das persönliche Interesse mit dem Beruf verbinden kann, haben mein Mann und ich schon immer für wichtig gehalten.

Wie ging es weiter, nachdem die Idee geboren war?

Als wir uns das fünfte oder sechste Haus angeschaut hatten, wussten wir: Das ist es! Es passte einfach alles. Dann haben wir das konkrete Konzept entwickelt. Normalerweise läuft das ja genau umgekehrt. Wir machen das nun seit acht Jahren, und es läuft alles sehr gut.

Das Thema Inklusion war für Sie also schon sehr früh ein Thema….

Ja, stimmt. Wir wollten kein „Heim für Behinderte“, das Haus sollte für alle offen sein, das war uns von Anfang an sehr wichtig.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Spott.

(RP)

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