Down-Syndrom-Test sorgt weiter für Aufregung

Das Regierungspräsidium in Freiburg soll nun über die umstrittene Blutuntersuchung entscheiden – wird aber vermutlich ein Verbot ablehnen.

Archivfoto (nicht von der heutigen Mahnwache): Eine Protestaktion der Organisation European Pro-Life Doctors in Paris (Foto: EPLD)

„Tragt nicht zur Tötung von Kindern bei“: Mit eingängigen Plakattexten haben heute Nachmittag in Konstanz rund 50 Abtreibungsgegner gegen den geplanten „Praena-Test“ zur Erkennung eines Down-Syndroms während der Schwangerschaft demonstriert. Etwa eine Stunde lang hielten sie eine Mahnwache vor dem Firmensitz des badischen Herstellers ab und forderten einen Stopp des neuen Verfahrens. ROLLINGPLANET hatte den Aufruf der christlich orientierten Ärzte-Organisation European Pro-Life Doctors (EPLD) veröffentlicht: Mahnwache vor der Biotech-Firma Lifecodexx in Konstanz.

Der als risikolos geltende Test des Unternehmens Lifecodexx, der bereits aus einer Blutprobe der Schwangeren eine Trisomie 21 erkennen soll, führe zu einer erhöhten Zahl von Abtreibungen, fürchten die Gegner. „Wir sehen in der Fahndung nach Down-Syndrom-Kindern eine sichere Voraussetzung dafür, dass diese nicht mehr auf die Welt kommen dürfen“, sagte der Landesvorsitzende der Initiative Christdemokraten für das Leben, Josef Dichgans.

Die Hersteller-Firma Lifecodexx in Konstanz hatte kürzlich angekündigt, den entsprechenden Schnelltest noch im Juli auf den Markt zu bringen – und damit bundesweit eine heftige Debatte ausgelöst. Vor allem Unionspolitiker protestierten in den vergangenen Wochen scharf gegen den Test. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, sprach von „Rasterfahndung“.

Test nach Medizinprodukte-Recht einwandfrei

Das Land Baden-Württemberg, Sitz des Herstellers und damit zuständig, ließ jedoch verlauten, den Test nicht verbieten zu wollen. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür seien nach dem Gendiagnostikgesetz nicht gegeben, sagte Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) vor zwei Wochen. Ihr Chef, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), äußerte vor einigen Tagen moralische Bedenken, schob aber die Verantwortung von sich und auf die werdenden Mütter: „Diese Gewissensentscheidung kann nicht vom Staat getroffen, sondern muss der betroffenen Frau überlassen werden.“

Seit Montag weiß das Ministerium: Auch nach dem Medizinprodukte-Recht gibt es keine rechtliche Handhabe gegen das Produkt. Das heißt, wenn es vorschriftsmäßig hergestellt wurde und alle nötigen Verfahren durchlaufen habe, sei es auch verkehrsfähig, sagte ein Sprecher des Ministeriums heute auf dapd-Anfrage.

Entsprechende Ergebnisse längen vor, nun müsse das Regierungspräsidium in Freiburg entscheiden, ob und wann der Test für den Markt freigegeben werde. „Es sieht aber so aus, als wären wir einer Auffassung“, sagte der Sprecher weiter.

Es sei zudem aus ethischen Gründen schwierig, Frauen den risikofreien Test zu verbieten und ihnen stattdessen eine gefährliche Fruchtwasseruntersuchung zu empfehlen, bei der sie das Kind möglicherweise verlieren könnten, so laute die verbreitete Meinung im Sozialministerium.

Anzahl von Fehlgeburten wird reduziert

Bislang kann eine DNA-Analyse nur über eine Amniozentese, also eine Fruchtwasseruntersuchung, gemacht werden. Da dafür, nach vorheriger Ultraschall-Bestimmung des Fötus, eine Nadel von außen durch die Bauchdecke in die Fruchtblase gestochen wird, gilt der Eingriff als riskant.

Lifecodexx hatte bereits im April die erfolgreiche klinische Validierung ihrer nicht-invasiven Methode und eine sichere Diagnose auf ihrer Homepage im Internet verkündet. Dort heißt es auch: „Der neue Test hat das Potenzial, langfristig zur deutlichen Reduzierung der Anzahl von Fehlgeburten, die durch Komplikationen bei invasiven diagnostischen Methoden entstehen, beizutragen.“

(Katja Heins/dapd/RP)


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