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Downsyndrom: Umstrittener Trisomie 21-Test kommt im zweiten Quartal 2012

Achtjähriger Junge mit Trisomie 21

ROLLINGPLANET exklusiv: Spätestens im Juni soll das Produkt erhältlich sein. Mittelfristig könnte das bedeuten, dass bei uns so gut wie keine Kinder mit Down-Syndrom mehr geboren werden.

Laut ROLLINGPLANET-Informationen soll voraussichtlich im zweiten Quartal 2012 der umstrittene LifeCodexx PraenaTest eingeführt werden. Nur die CE-Zertifizierung für die so genannten Harmonisierungsrechtsvorschriften und den Handel in der EU stehen der Markteinführung noch im Weg. Dies bestätigte der Hersteller LifeCodexx AG aus Koblenz auf ROLLINGPLANET-Anfrage.

Experten erwarten, dass sich der neue nicht-invasive (Gewebe wird nicht verletzt) Bluttest sehr schnell durchsetzen wird. Für den Test sind lediglich 10 Milliliter Blut aus der Armvene der Mutter notwendig. Da in dem Blutkreislauf der Mutter auch DNA-Fragmente des Fetus zikulieren, kann festgestellt werden, ob in dem fetalen Genom das Chromosom Nr. 21 dreifach vorhanden ist.

Abtreibungsgrund Downsyndrom

Mittelfristig bedeutet das, dass bei uns so gut wie keine Kinder mit Down-Syndrom mehr geboren werden, sagen Experten laut eines Berichts des SWR. 95 Prozent der entdeckten Kinder mit Down-Syndrom würden hierzulande abgetrieben.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte die Entwicklung des Schwangerschafttests mit 230.000 Euro unterstützt. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (ebenfalls CDU), warf Schavan im „Tagesspiegel“ vor, ihr Haus habe „Behinderten-Diskriminierung in der schlimmsten Form“ unterstützt.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG:WfbM) protestierte im August vergangenen Jahres scharf: „Es führt zwangsläufig zu einer längst für überwunden gehaltenen Selektion in wertes und unwertes Leben.“ (ROLLINGPLANET berichtete: BAG:WfbM kritisiert “Down-Syndrom-Vorsorgetest” als gefährlichen Rückschritt)

Der SWR: „Menschen mit Down-Syndrom und ihre Familien empfinden diesen Test als direkten Angriff und sagen, dass hier die Ausrottung einer bestimmten Gruppe von Behinderten betrieben werden soll. Die Trisomie 21 ist dabei nur der Anfang. Tests auf weitere erblich bedingte Erkrankungen sind bereits in Vorbereitung.“

„Wir machen nichts Neues“

Gegenüber ROLLINGINPLANET widerspricht LifeCodexx, eine Tochterfirma der GATC Biotech AG, dieser Ansicht: „Bei allem Respekt für andere Sichtweisen und Empfindungen“ sei festzuhalten, dass „wir grundsätzlich nichts Neues untersuchen, sondern mit unserem nicht-invasiven Pränataldiagnostiktest eine risikofreie Alternative zu bereits bestehenden Methoden bieten.“

Den herkömmlichen invasiven Fruchtwasseruntersuchungen (invasiv = Gewebe wird verletzt) fallen LifeCodexx in Deutschland jährlich 600 bis 700 ungeborene Kinder zum Opfer.

Bemerkenswert: In einem Forum gefunden – Wie sich eine Mutter auf ihr Kind freut, obwohl es Trisomie 21 hat

Foto: Wikipedia/Vanellus Foto. GNU-Lizenz für freie Dokumentation

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