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Drama um verschwundene afghanische Rollstuhlbasketballer

Was mit vier Nationalspielern aus der islamischen Republik geschah, als sie wieder Italien verlassen sollten.

Da war es noch vollständig: Das afghanische Rollstuhlbasketball-Nationalteam in Italien (Foto: Markt)

Da war es noch vollständig: Das afghanische Rollstuhlbasketball-Nationalteam in Italien (Foto: Markt)

„Ihr braucht nicht glauben, dass Deutschland das Land ist, wo Milch und Honig fließen“, scherzte Alberto Cairo, als er in Seveso – 30 Kilometer entfernt von Mailand – ROLLINGPLANET-Redakteure der afghanischen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft vorstellte. Der italienische Leiter des Rehabilitationsprogramms des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), der seit über 25 Jahren in Kabul lebt, hatte es möglich gemacht, dass das 16-köpfige afghanische Team seine allererste Auslandsreise überhaupt unternahm. Vielleicht hätte der Entwicklungshelfer bei seinem Satz ernster schauen sollen.

Cairos Warnung ist erst einige Tage alt. ROLLINGPLANET war Anfang Juni gemeinsam mit Vertretern des USC München Rollstuhlsport e.V. eingeladen worden, um sich zum Thema „Sport und Inklusion“ auszutauschen. Wenige Stunden nach unserer Abreise begann das Drama: Die vier besten Akteure auf vier Rädern der islamischen Republik waren verschwunden. Cairo und Nationaltrainer Jess Markt – ein querschnittgelähmter US-Amerikaner, der vor vier Jahren das Projekt „Rollstuhlbasketball in Afghanistan“ intiiiert hatte – befürchteten zunächst das Schlimmste.

Beide indes hatten eine Vorahnung, die sich bestätigt hat. Das Quartett hat sich abgesetzt und ist in Europa geblieben. „Inzwischen haben wir ein Lebenszeichen von ihnen“, teilte Jess Markt heute ROLLINGPLANET mit. Drei seiner Ex-Spieler hat es nach Deutschland verschlagen, einen nach Schweden. Markt zeigt sich tief enttäuscht über die Flucht seiner Zöglinge, betont aber auch: „Ich wünsche ihnen alles Gute für ihr neues Leben.“

Afghanistan ist auf 530 Quadratkilometern mit zehn Millionen Minen kontaminiert. Die Hauptstadt Kabul gilt als der am stärksten von Explosionswaffen belastete Ort der Welt.

(RP)

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