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Dread-Disease-Versicherung: Wenn schon behindert, dann ordentlich abgefedert?

Sie haben vor, eines Tages Mitglied im ROLLINGPLANET-Club zu werden? Wie wäre es mit einer ganz speziellen Police? Die schützt zwar nicht vor Behinderung, hilft aber gegen finanzielle Folgen einer schweren Erkrankung. Doch es gibt Fallen.

ROLLINGPLANET haut mal einen Versicherungsvertreter-Spruch raus: Denken Sie auch in guten Zeiten daran, dass es mal regnen kann (der Frosch rechts, würden wir sagen, ist wg. Klumpfüßen bereits behindert). (Foto:  	CFalk/pixelio.de)

ROLLINGPLANET haut mal einen Versicherungsvertreter-Spruch raus: Denken Sie auch in guten Zeiten daran, dass es mal regnen kann (der Frosch rechts, würden wir sagen, ist wg. Klumpfüßen bereits behindert). (Foto: CFalk/pixelio.de)

Es dürstet Sie, Mitglied in unserem Club zu werden? Weil man so schön auf Behindertenparkplätze darf? Weil Sie durch die Gegend geschoben werden? Weil Sie endlich Ruhe haben, das Sie keiner Ihrer oberflächlichen Freunde mehr mitnimmt? Ja, es ist verlockend, eine/r von uns zu werden.

Doch bedenken Sie: Eine schwere Krankheit ist für den Betroffenen und seine Familie oft hart. Im Vordergrund steht dann zunächst die medizinische Betreuung. Damit nicht noch zusätzlich finanzielle Sorgen belasten, ist eine richtige Absicherung wichtig. Eine Möglichkeit: eine Dread-Disease-Versicherung, übersetzt Schwere-Krankheiten-Versicherung. „Die Dread-Disease-Versicherung ist eine Form der Lebensversicherung, die beim Eintritt bestimmter schwerer Krankheiten zahlt“, erklärt Simone Schuchert vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, GDV.

„Es wird eine breite Palette von schweren Krankheiten versichert“, sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dazu gehören neben Krebs, Schlaganfall und Multiple Sklerose auch Herzinfarkt oder Erkrankungen von Herz und Gefäßsystem sowie des Gehirns, wie Alzheimer oder Parkinson. Also all das, was unsere Leser/innen so haben.

Die Police ist teuer

Die Versicherung springt mitunter auch bei Verlust grundlegender Fähigkeiten ein, zum Beispiel wenn Versicherte nach einem Unfall nicht mehr sprechen oder gehen können. In der Regel werden 30 bis 40 Krankheiten beim Abschluss eines Dread-Disease-Vertrages versichert. „Wird die Krankheit diagnostiziert, bekommt der Versicherte eine Einmalzahlung über die festgelegte Versicherungssumme“, sagt Simone Schuchert.

Das Problem: Eine Schwere-Krankheiten-Police ist recht teuer. Beate Bextermöller von der Stiftung Warentest hat sich die verschiedenen Angebote genauer angesehen. Ihr Ergebnis: Bei einer Auszahlungssumme von 300.000 Euro muss der Versicherte mit Jahresbeträgen zwischen 1500 und 2500 Euro rechnen. Daher ist die Dread-Disease-Versicherung auch eher ein Nischenprodukt, das nur von wenigen Versicherungen in Deutschland angeboten wird.

Das Produkt genau hinterfragen

Man kann zwischen verschiedenen Arten der Versicherung wählen. Einige Unternehmen böten die Dread-Disease-Versicherung als selbstständige Versicherung an, sagt Bextermöller. Andere Versicherer haben fondsgebundene Produkte im Programm.

„Hier können sich die Beiträge ändern“, erklärt die Expertin. Wenn die Beiträge und das Fondsvermögen nicht ausreichen, um Risiko und Kosten zu decken, kann der Versicherer die Beiträge anheben. Kann der Versicherte den höheren Beitrag nicht zahlen, wird die Versicherungssumme gesenkt. Im schlimmsten Fall erlischt der Schutz sogar.

Stefan Albers, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater, warnt vor solchen Verträgen: „Spekulative Elemente haben in einer Risikoversicherung nichts zu suchen.“ Wenn man ein Risiko absichern wolle, brauche man keine Variablen.

Was ist der Unterschied zur Berufsunfähgikeitsversicherung?

Die Dread-Disease-Versicherung wird oft mit der Berufsunfähigkeitsversicherung verglichen, da Menschen mit schweren Krankheiten ihren Beruf häufig nicht weiter ausüben können. Doch ein vollständiger Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann eine solche Police nach Ansicht von Verbraucherschützern nur in Ausnahmefällen sein.

„Eine Dread-Disease-Versicherung ist keine gleichwertige Versicherung, weil nur bestimmte Krankheiten versichert sind“, sagt etwa Peter Grieble. Bei dieser Versicherung sei es normalerweise so, dass weder psychische Probleme noch Rückenleiden abgebsichert sind – die Krankheiten, die aber am häufigsten zur Berufsunfähigkeit führen.

Schutz mit Lücken

Die Berufsunfähigkeitsversicherung diene der Sicherung des Lebensstandards, die Dread-Disease hingegen solle die Kosten decken, die eventuell durch eine Krankheit auf den Versicherten zukommen. Beate Bextermöller gibt zu bedenken: „Wenn sie aus bestimmten Gründen keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen, dann ist eine Dread-Disease besser als nichts.“

Die Experten weisen vor allem auf eines hin: den Krankheitskatalog. Dieser ist von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich. „Die Bedingungen sind nicht homogen“, sagt Stefan Albers. Ein weiteres Problem: In den Bedingungen lauern Tücken. „Die Krankheit muss zum Beispiel einen bestimmten Grad erreicht haben“, sagt Albers. So weiß er von einer Frau, der das Geld nicht ausbezahlt wurde, weil ihr Brustkrebs nicht gestreut habe. „Es ist eine Entscheidung für einen Schutz, der auch Lücken hat, und eigentlich wünscht man sich eine komplette Absicherung“, sagt daher auch Beate Bextermöller.

Sinnvoll kann eine Dread-Disease-Versicherung sein, wenn in der Familie entsprechende Gesundheitsprobleme vorkommen. Auch für manche Unternehmer oder wichtige kreative Köpfe, die entscheidend für den Erfolg des Unternehmens sind, kann es gut sein, eine solche Versicherung abzuschließen. Damit nach dem Schock krank zu sein, nicht noch der finanzielle Ruin folgt.

(RP/Beate Kaufmann/dpa)

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1 Kommentar

  • Thomas Wiener

    Es gibt nur wenige Anbieter, die eine selbständige Dread Disease Versicherung anbieten und nur eine die nicht fondsgebunden ist, die „Bayerische“ Versicherung.
    Dafür ist dort die Prämie von vorneherein um einiges höher.
    Man sollte einfach mit einem kompetenten Berater die verschiedenen Tarif bzw. Absicherungsmöglichkeiten besprechen und dann abwägen, welches Produkt sinnvoll ist.

    10. April 2013 at 20:36

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