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Dümmer als die anderen sind wir ja nicht: Warum sind Behinderte dennoch öfter arbeitslos?

3 aktuelle Fragen und Antworten zum Thema. Von Lea Sibbel

Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch (Foto: Aktion Mensch)

Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch (Foto: Aktion Mensch)

Menschen mit Behinderung haben von dem Aufschwung auf dem deutschen Arbeitsmarkt profitiert – aber nicht so stark wie andere. Das ist das Ergebnis des Inklusionsbarometers, den die Aktion Mensch und das Handelsblatt Research Institute entwickelt haben (ROLLINGPLANET berichtete). Dazu 3 aktuelle Fragen und Antworten.

1. Wie ist die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung?

Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung lag laut Inklusionsbarometer im Jahresdurchschnitt 2012 bei 14,1 Prozent. Das ist etwas niedriger als im Fünf-Jahres-Durchschnitt mit 14,9 Prozent. Aber die Quote bleibt deutlich höher als die der Menschen ohne Behinderung, sie lag 2012 bei 6,8 Prozent.

Besonders in kleinen und mittelständischen Betrieben seien noch zu selten Menschen mit Behinderung beschäftigt, sagt Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch. Dabei müssten Betriebe ab einer Größe von 20 Mitarbeitern eigentlich eine gesetzliche Quote erfüllen und mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung besetzen.

2. Warum gibt es noch Mankos?

Unwissen – das ist laut von Buttlar einer der Hauptgründe, warum die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt noch nicht aufgeschlossen hat. Zum einen sei den Arbeitgebern oft nicht bekannt, dass es staatliche Förderung dafür gibt, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen, erklärt von Buttlar.

In diesem Zusammenhang gibt es weitere bürokratische Hürden, die es vor allem den kleineren Unternehmen schwer machen: Denn die Förderung kommt aus verschiedenen Töpfen – für manche sei das zu kompliziert, sagt von Buttlar.

Außerdem wüssten viele Arbeitgeber zu wenig über das Potenzial von Menschen mit Behinderung. „Es wird leider zu selten von Potenzialen und zu häufig von Defiziten gesprochen.“ Dabei seien Menschen mit Behinderung durchaus genauso leistungsfähig. Leistungsbereitschaft und Loyalität zum Unternehmen seien bei ihnen oft sogar noch höher – eben weil es für sie schwerer sei, einen Job zu finden. Viele Unternehmen können auch deswegen keine Menschen mit Behinderung einstellen, weil die Gebäude nicht barrierefrei sind.

3. Was sind mögliche Lösungen?

Für Arbeitgeber sei es richtig und sinnvoll, das Potenzial dieser Gruppe zu erkennen, sagt von Buttlar. Noch wichtiger sei aber ein gesellschaftlicher Wandel. „Es muss normaler werden, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben, arbeiten, ihre Freizeit gestalten.“ Man müsse die Berührungspunkte schon im Kindergarten und in der Schule sowie beim Übergang in den Beruf erhöhen, so von Buttlar. Noch lebten Menschen mit und ohne Behinderung häufig in zwei getrennten Welten.

(dpa)

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1 Kommentar

  • Stefan Wehmeier

    Warum gibt es überhaupt ungewollte Arbeitslosigkeit, Massenarmut und Krieg? Die Ursache wurde schon vor über 3200 Jahren erkannt. Weil aber noch niemand wusste, wie das Problem zu beheben ist, wurde es von der Religion aus dem Begriffsvermögen der halbwegs zivilisierten Menschheit ausgeblendet. Das ist der einzige Zweck der Religion.

    In rein technischer Hinsicht ist heute die Überwindung der „Mutter aller Zivilisationsprobleme“ ein Kinderspiel, dafür aber die Entwöhnung vom „lieben Gott“ umso schwieriger:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/11/einfuhrung-in-die-wahrheit.html

    10. Dezember 2013 at 00:43

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